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10.07.2017 07:24:39
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Börse Frankfurt News

Wochenausblick: Saisonal angespannt



Mit Beginn der Sommerferien erkennen technisch orientierte Analysten Seitwärtstendenzen für deutsche Standardwerte. Eine Entscheidung für die eine oder andere Richtung stehe noch aus.
10. Juli 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt) Rund 0,5 Prozent machte der deutsche Aktienindex in der vergangenen Woche gut. Von seinen Höchstständen hat sich der DAX allerdings tendenziell verabschiedet. Markus Reinwand sieht in der Abwärtstendenz eine Korrektur überzogener Erwartungen und macht dies unter anderem an dem Unterschied zwischen der Konjunkturstimmung und den tatsächlichen Wachstumsraten fest. Lege man die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimas zugrunde, käme Deutschlands Konjunktur auf ein Plus zwischen 3 und 4 Prozent statt der tatsächlichen knapp 2 Prozent.

Der deutliche Renditeanstieg bei Bundesanleihen nach den jüngsten Äußerungen Mario Draghis sei eher Auslöser statt Ursache. "Schließlich ist es keine wirkliche Überraschung, dass der geldpolitische Expansionsgrad der großen Notenbanken seinen Zenit erreicht hat", erinnert der Analyst der Helaba.

Die ganz lange Leine

Große Eile bei der Straffung der Geldpolitik haben die Notenbanken in den USA und der europäischen Währungsgemeinschaft nach Meinung von Robert Halver schon zur Vermeidung von Überreaktionen an den Kapitalmärkten eher nicht. "Sie werden behutsam auf zukünftig weniger geldpolitische Impulse vorbereiten und bei Irritationen verbal zügig zurückrudern", schätzt der Analyst der Baader Bank. Insgesamt beanspruche der Entwöhnungsprozess mindestens fünf Jahre. Sollten die Notenbanker im September die Rückführung ihrer Anleihe-Käufe ab 2018 einläuten, kann Halver zufolge von einer Nettoreduzierung noch lange keine Rede sein. Zinsschritte gebe es aller Voraussicht nach frühestens 2019. "Selbst dann werden wir es mit dem trägsten Zinserhöhungszyklus aller Zeiten zu tun haben."



Deutsche Aktien bleiben attraktiv
 

Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte spricht nach Meinung von Halver nach wie vor einiges für deutsche Aktien. Die ifo-Geschäftserwartungen befänden sich auf dem höchsten Stand seit Februar 2014. Hiesige Industrieunternehmen profitierten typischerweise von den zumindest stabilen Aussichten der Weltwirtschaft. Selbst der vergleichsweise festere Euro könne die deutsche Exportstärke nicht trüben. "Die Exportindustrie hat schon deutlich höhere Euro-Kurse ausgehalten." Zudem habe ein möglicher US-Handelsprotektionismus an Drohpotenzial für die deutsche als auch die Weltwirtschaft verloren. Selbst im politischen Washington stoße dieser mittlerweile auf Widerstand. Ein isoliertes Amerika würde Russland und China in die Hände spielen und mehr an Einfluss gewinnen lassen.

HalverHalver
 
Unternehmen bereits weit gelaufen
 

Für Reinwand bewegen sich die Dividendenwerte dies- und jenseits des Atlantiks auf Basis der gängigsten Kennziffern oberhalb des langfristigen "Normalbandes". Obwohl die Gewinnschätzungen in den vergangenen Monaten immer wieder nach oben angepasst worden seien, bleibe die Bewertungssituation angespannt. Mittlerweile würden DAX- und Euro Stoxx 50-Unternehmen mehr Gewinnerwartungen reduzieren als erhöhen. Damit scheine die Idee vieler Marktteilnehmer, Aktien könnten durch eine noch stärkere Gewinndynamik die hohe Bewertung abbauen, erst einmal ad acta gelegt. "Stattdessen erfolgt die Anpassung nun über den Kurs."

ReinwandReinwand
 
Mit Notierungen unterhalb von 12.000 Punkten würde sich nach Meinung von Reinwand die Bewertungssituation allmählich entspannen. "Eine Fortsetzung der Kursrückgänge in den kommenden Monaten wäre nicht nur gesund, sie würde auch in das saisonale Muster passen." Nachdem das erste Halbjahr für deutsche Standardwerte überdurchschnittlich gut gelaufen sei, stehe das dritte Quartal traditionell im Zeichen der Korrektur. 2017 spreche vieles für einen klassischen Verlauf.

Frühes Sommerloch
 

Karen Szola sieht den saisonalen Faktor beim DAX in diesem Jahr frühzeitig am Werk. Mit einem Verlust von 3,2 Prozent habe der Juni dem deutschen Aktienindex den ersten Verlustmonat seit November 2016 beschert. "Statistisch gesehen sind in den Sommermonaten keine nennenswerten Kurszuwächse sondern eher übergeordnete Seitwärtsbewegungen zu verzeichnen." Die träge Phase ende in der Regel im September. "Dann kann auch wieder mit einem frischen Aufschwung gerechnet werden" vermutet die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online.

SzolaSzola
 
Szola rät Anlegern vor einer Neupositionierung abzuwarten, ob sich die Abwärtswelle fortsetzt. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass weitere Unterstützungen getestet werden, die sowohl 2015 als auch in diesem Jahr ausgeprägt wurden." Mit der jüngsten Abwärtsbewegung sei die alte Bestmarke bei 12.390 Punkte aus dem April 2015 unterschritten worden. "Kann sie jetzt nicht rasch wieder zurückgewonnen werden, wird sich die Korrektur sukzessive nach unten ausdehnen." In den Fokus gerate dann die Mehrfachunterstützung zwischen zirka 12.100 bis 11.900 DAX-Zähler. Diese setze sich aus horizontalen Haltezonen sowie einem Aufwärtstrend zusammen, der die Tiefs vom Juli, November und Dezember vergangenen Jahres verbinde. Bei einem weiteren Rückgang ginge es dann um den Kursbereich bei etwa 11.800 bzw. 11.600 Punkten, der durch die 200-Tage-Linie verstärkt werde.

Über dem ehemaligen 2015er-Hoch bei 12.390 Zählern entspanne sich die Lage. "Ein übergeordnetes Kaufsignal wird aber erst aktiviert, sofern der DAX nachhaltig über das frische Allzeithoch bei 12.951 vom Juni ausbricht."

Im entscheidenden Seitwärtsmodus
 

Für Gregor Bauer wird sich in dieser Woche das weitere Schicksal für deutsche Bluechips entscheiden. "Noch befindet sich der DAX im Korrekturmodus, konnte im Verlauf der vergangenen Woche aber immerhin eine kurzfristige Unterstützungszone zwischen etwa 12.320 und 12.500 Punkten aufbauen" bemerkt der unabhängige technische Analyst. "Nutzen Investoren das aktuelle Niveau nicht erneut als Kaufgelegenheit, zeigt dies eine veränderte fundamentale Einschätzung der Märkte." Sinke das Kaufvolumen, würden schon kleine Gewinnmitnahmen für Abwärtsimpulse sorgen.

BauerBauer
 
Falle der DAX dabei unter die Unterstützungslinie bei 12.320 Punkten, macht Bauer den nächsten Halt erst wieder im Bereich zwischen etwa 12.100 und 11.850 Zählern aus. Breche der DAX dagegen über die 12.500-Punkte-Marke aus, liege das Kursziel des hiesigen Bluechip-Index im Bereich der Allzeithochs um 12.850 bis 12.950 Punkte.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch, 12. Juli

16.00 Uhr. USA: Rede Janet Yellen vor dem Repräsentantenhaus. Das jüngste Sitzungsprotokoll der Federal Reserve verdeutlicht nach Meinung der HSBC, dass die Mehrheit der US-Währungshüter die aktuelle Geldpolitik als nach wie vor locker ansieht, so dass eine Rückkehr der Inflation in Richtung 2 Prozent weiterhin unterstützt werde. Die Kernrate habe zuletzt bei 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gelegen und dürfte sich im Juni moderat auf 1,8 Prozent erhöhen. Hinzu komme die erwartete Ankündigung einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September. Anleger würden die Rede Yellens vor dem US-Kongress genau darauf abklopfen, ob dieser geldpolitische Pfad für den weiteren Jahresverlauf wahrscheinlich ist. Die anstehenden Konjunkturdaten aus den USA werden laut HSBC-Analysten vermutlich einen soliden Eindruck vermitteln. Die jüngsten Vorlaufindikatoren zur Stimmung in der Industrie seien vielversprechend, die Produktion werde im Juni um 0,2 Prozent gestiegen sein. Auch das Konsumentenvertrauen sei robust. Verbraucher profitierten insbesondere von der anhaltenden Besserung auf dem Arbeitsmarkt.

16.00 Uhr. Canada: Zinsentscheidung Bank of Canada. Die kanadische Notenbank wird sich nach Ansicht der HSBC voraussichtlich zu einer Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent durchringen. Ein weiterer Schritt könne im weiteren Jahresverlauf folgen. Die geldpolitische Lockerung aus dem Jahr 2015 in Reaktion auf die rückläufigen Ölpreise wäre damit wieder ausgeglichen.

von: Iris Merker 10. Juli 2017,
© Deutsche Börse AG

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