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11.09.2017 10:19:24
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Wochenausblick: Unübersichtliche Gemengelage



Den Nordkorea-Konflikt scheinen Anleger eher gelassen zu nehmen, während Analysten eine Eskalation nicht ausschließen. Für Charttechniker kann die weitere DAX-Reise sowohl nach oben als auch unten fortgesetzt werden.
11. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Trotz Nordkorea, Hurricanes und einer festen Gemeinschaftswährung konnten sich die europäischen Aktienbörsen in der vergangenen Woche behaupten. Der DAX machte 1,3 Prozent gut. Für Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank ist diese Stabilisierung aufgrund fehlender Breite aber eher fragil.

Uneinheitlich, aber nicht unbedingt schlüssig - so fasst Claudia Windt die derzeitige Lage an den Kapitalmärkten zusammen. Denn neben Aktien suchten Anleger verstärkt die Sicherheit von Gold und Staatsanleihen. Zugleich nähmen etwaige Zinserhöhungsphantasien weiter ab. Die schwelenden geopolitischen Risiken könnten der Helaba-Analystin zufolge in den kommenden Wochen für weitere Rückschläge an den Aktienmärkten sorgen.

 

"Die Finanzmärkte betrachten den Nordkorea-Konflikt bemerkenswert entspannt", registriert Robert Halver von der Baader Bank. "Offensichtlich haben die vielfachen Schulden-, Banken- und Euro-Probleme der Vergangenheit zu einem Gewöhnungseffekt geführt." Am Ende hätten Geldpolitiker systemische Zusammenbrüche immer verhindert. Für geopolitische Konflikte hätten Zentralbanken aber keine Therapie, wie Halver erinnert. Und der derzeitige kalte Krieg mit gegenseitigen Empörungen könne durchaus eskalieren.

Robert HalverHalver
 
Wackliges Fundament
 

Die Charts interpretiert Karen Szola mit einer Prise Optimismus. Nachdem es dem DAX in der Vorwoche gelungen sei, über den kurzfristigen Abwärtstrend nach oben auszubrechen, sehe sich der hiesige Bluechip-Index mit dem nächsten massiven Widerstand um 12.300 Punkte konfrontiert. Dieses Kursniveau werde zudem von der fallenden 55-Tage-Linie verstärkt. "Aus Sicht des Oszillators Slow Stochastic, der derzeit wieder seine obere Extremzone erreicht hat, sollte eine Konsolidierungspause anstehen", meint die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online. "Allerdings würde damit auch das Risiko steigen, dass es sich beim frischen Ausbruch über die Abwärtstrendlinie um eine Bullenfalle handeln könnte."

Karen SzolaSzola
 
Bestätigung fände dies, wenn der deutsche Leitindex wieder unter das Kursniveau um 12.100 Zähler abtauche. "Dieser Bereich besitzt hohe Brisanz, denn bei 12.070 Punkten wäre eine Auseinandersetzung mit der wichtigen 200-Tage-Linie unvermeidbar."

Auch Szola unterstreicht die anhaltenden zyklischen Gefahren, die jederzeit von den US-Börsen auf den DAX überschwappen könnten. "Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das deutsche Aktienbarometer für eine Fortsetzung der Konsolidierung entscheidet." In diesem Fall sei ein Test der Unterstützungszone um 11.500 Zähler das zu erwartende Szenario. Auf dem Niveau liege das 38,2-Prozent-Fibonacci-Retracement der Aufwärtswelle seit Juni 2016.

Gelinge es dem DAX jedoch zeitnah, über die 12.300er-Hürde nachhaltig anzusteigen, eröffne sich weiteres Potenzial in Richtung der alten Höchststände. "Dieses Szenario wird von einer anziehenden Relativen Stärke und einem steigenden Momentum unterstützt."

DAX noch unentschieden
 

Für Christian Schmidt werden die kommenden Tage zeigen müssen, ob die Kraft des Marktes ausreicht, um zahlreich vorhandene technische Hürden zu knacken. Es sei dem DAX zwar gelungen, den für den tertiären Trend relevanten 21-Tagedurchschnitt zu überwinden. "Im weiteren Verlauf hat sich die Widerstandszone von 12.296 bzw. 12.390 Zählern als nachhaltig erwiesen", wie der Charttechniker der Helaba unterstreicht. Im genannten Bereich befänden sich allerdings die 55-Tage- und 144-Tagelinien, ein Swing Level, die Begrenzung der Ichimoku-Wolke, ein Fibonacci-Retracement, ein Durchschnitt der "Lowest Lows" der letzten 144 Perioden sowie ein Multi Average.

Christian SchmidtSchmidt
 

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Dass die Ankündigung der EZB, die Anleihen-Käufe zu reduzieren, anders als erwartet, ausgeblieben ist, führen viele Marktbeobachter unter anderem auf den starken Euro zurück. Grundsätzlich erschwert dies nach Auffassung von Halver die Inflationierung im Euroraum. Zudem würden höhere Anleihe-Renditen zusätzliches Kapital anziehen, was wiederum den Euro weiter stärke. Für Halver macht es Sinn, die US-Notenbank erst einmal vorlaufen zu lassen. Allerdings habe auch die Federal Reserve derzeit wenig Motivation, ihre Geldpolitik restriktiver zu gestalten. "Die US-Konjunktur ist kein Blockbuster." Trumps Wirtschaftsvisionen hielten der Realität nicht stand. Vor diesem Hintergrund habe es die EZB nicht eilig, Änderungen an ihrer Geldpolitik vorzunehmen.

Schickentanz rechnet dennoch mit einem Abbau der monatlichen Käufe auf 40 Milliarden Euro ab Januar kommenden Jahres. "Denn langsam aber sicher erreichen die Währungshüter die technischen Grenzen ihres Ankaufprogramms." Für Portugal, Italien und Deutschland drohe die Notenbank nämlich mit ihren Käufen die Marke von einem Drittel aller ausstehenden Staatsanleihen zu verletzen. "Das wäre rechtlich problematisch."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Donnerstag, 14. September

13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England. Gut ein Jahr nach der letzten Zinssenkung als Reaktion auf das Brexit-Votum bleibt die Unsicherheit nach Meinung der DekaBank hoch. Das schwächere Pfund habe zwar die Inflation zuletzt in die Höhe getrieben und zeitweise bis zu drei Mitglieder des Monetary Policy Committee davon überzeugt, dass eine Zinsanhebung nötig sei. Allerdings dürfe die Mehrheit des Gremiums angesichts des schwächelnden privaten Konsums sowie des verhaltenen Lohnwachstums weiter für konstante Zinsen stimmen. Im September werde der Rat erstmals seit März wieder vollständig besetzt sein - David Ramsden besetze die Position von Charlotte Hogg. Es gilt den DekaBank-Analysten zufolge als unwahrscheinlich, dass sich der ehemalige Chefvolkswirt des Finanzministeriums für einen frühen Zinsschritt ausspricht. Allerdings könne die britische Zentralbank erneut darauf hinweisen, dass die Märkte derzeit auf Dreijahressicht zu wenige Zinsschritte einpreisen.

14.30 Uhr. USA. Verbraucherpreise August. Fünfmal in Folge ist laut DekaBank die Preisentwicklung der Kernrate - Lebensmittel und Energie sind dabei außen vor - unerwartet schwach ausgefallen. Für eine grundsätzlich relativ gut prognostizierbare Zeitreihe sei dies ungewöhnlich. Für die Überraschungen machen die Analysten der Bank allerdings eine Ansammlung von mehreren preisverzerrenden Sonderentwicklungen verantwortlich. Die Preise im Bereich der Hotelübernachtungen seien beispielsweise zweimal in Folge gefallen. Dieser Bereich werde nun einen relativ starken Preisanstieg erfahren und die Gesamtinflationsrate energiepreisbedingt aller Voraussicht nach auf 1,9 Prozent anheben.

Freitag, 15. September Dreifacher Verfallstermin an der Terminbörse Eurex. Gegen 13 Uhr verfallen weltweit die großen Index-Futures und Optionen.

von: Iris Merker
11. September 2076, © Deutsche Börse AG

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