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13.08.2018 10:33:28
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Kolumne

pfp Advisory: "Ach hätte ich doch..."



Christoph Frank erinnert daran, dass einst Microsoft Apple mit einer Finanzspritze ausgeholfen hat und stellt die Gretchenfrage, ob bei der Apple-Aktie überhaupt noch Kursphantasie angebracht sei.
13. August 2018. FRANKFURT. (pfp Advisory). Apple ist der Größte. Zumindest was die Marktkapitalisierung betrifft, kommt an dem Kultkonzern aus Cupertino nichts und niemand mehr vorbei. Vor kurzem hat der Smartphone-Hersteller beim Börsenwert auch noch die runde Marke von einer 1 Billion US-Dollar geknackt. Ginge die Kursrally in diesem Tempo weiter, könnte der kalifornische Riese bald mehr wert sein als der gesamte deutsche Aktienindex. Momentan bringt er "nur" so viel Gewicht auf die Waage wie die kleinsten 26 der 30 DAX-Unternehmen zusammen.

Apple ist ein klassisches "Ach hätte ich doch"-Investment. Hätte ich doch investiert, dann wäre ich heute reich. So denken (und seufzen) nicht wenige Investoren, und sie haben im Fall Apple durchaus recht. Wer sich nach dem Börsengang im Dezember 1980 für 5.000 US-Dollar Aktien ins Depot gelegt und sie bis heute nicht angerührt hätte, wäre nur durch sein Apple-Investment Dollar-Millionär geworden. Einen noch besseren Schnitt machte, wer erst im Krisenjahr 1997 zuschlug. In diesem Fall hätte er lediglich 2.400 Dollar einsetzen müssen und nur 21 Jahre für die erste Million gebraucht.

Verständlich, dass Investoren bei solchen "Was wäre gewesen, wenn"-Szenarien das Wasser im Mund zusammenläuft. Kaum ein Anleger dürfte indes 21 oder gar 38 Jahre - in manchen Fällen ein ganzes Anlegerleben - durchgehalten haben. Zu wechselvoll verlief die Unternehmensgeschichte des angebissenen Apfels. So performte die Apple-Aktie in den ersten 17 Jahren nach dem IPO mehr schlecht als recht. Apple-Computer galten in meiner Jugend in den Achtzigern zwar als High-End-Geräte und das Betriebssystem dem Wettbewerb als deutlich überlegen, doch erschien mir der Apple-Kosmos schon damals eher etwas für IT-Tüftler zu sein. Als Microsoft Anfang der Neunziger mit Windows 3.0 endlich ein technisch konkurrenzfähiges Betriebssystem auf den Markt brachte, geriet die Apple-Aktie stark unter Druck. Hinzu kamen hausgemachte Fehler, die das Management nach dem erzwungenen Ausstieg von Steve Jobs 1985 beging. Apple verzettelte sich, es gab zu viele Modelle, dafür fehlte eine klare Strategie.



1997 stand der Konzern kurz vor der Pleite. Steve Jobs kehrte zurück und fädelte eine Zusammenarbeit mit dem damaligen "Erzfeind" Microsoft ein, die neben einer Kreuzlizenzierung von Patenten, einer engeren Zusammenarbeit bei Webbrowsern und Bürosoftware auch ein Investment Microsofts in Höhe von 150 Millionen Dollar in Apple-Aktien beinhaltete. Microsofts Gründer und damaliger Chef Bill Gates ließ sich vermutlich nur deshalb auf die Kapitalspritze ein, um die Aufspaltung seines Unternehmens zu verhindern. Ich erinnere mich noch gut an mein VWL-Studium, in dem wir diese Aufspaltung in mehrere "Baby Bills" analog der Zerschlagung von AT&T in sieben unabhängige "Baby Bells" durchspielten. Dadurch, dass Microsoft Apple "am Leben" hielt, blieb ein zu Windows konkurrierendes Betriebssystem am Markt, was ein Microsoft-Monopol zumindest unwahrscheinlicher machte und den Befürwortern einer Zerschlagung etwas Wind aus den Segeln nahm.

Aus heutiger Sicht klingt das alles unglaublich. Microsoft soll Apple quasi an die Hand genommen und aus dem finsteren Tal wieder ans Licht geführt haben? Ausgerechnet Apple, den Fixstern am Hightech-Himmel, an dem sich heute alle orientieren? Seit der Beinahe-Pleite stieg Apple dank Neuerungen wie iMac, iPod, iTunes und natürlich dem iPhone wie Phönix aus der Asche und wurde zum höchstkapitalisierten Unternehmen der Welt, obwohl Mastermind Steve Jobs 2011 an Krebs starb. Microsoft dagegen wurde zwischenzeitlich als IT-Dinosaurier verspottet.

Erst seit fünf Jahren macht der Konzern aus Redmond bei Seattle auch in Sachen Marktkapitalisierung wieder Boden gut. Gleichwohl bringt 21 Jahre nach Apples Wiederauferstehung der Gerettete rund 180 Milliarden Dollar mehr auf die Waage als der Retter. Während um Apple als Trendsetter ein regelrechter Kult entstanden ist, gilt Microsoft eher als langweilig (wenn auch erfolgreich). 44.000 Prozent Kursgewinn seit 1997 wie bei Apple wirken eben extrem sexy. Im Vergleich dazu sind die 800 Prozent von Microsoft solide, aber auch nicht mehr.

Wie groß kann Apple jetzt noch werden, wie viel Rendite können Investoren ab nun erwarten? Eines scheint klar: Noch einmal 44.000 Prozent werden es nicht. Gleichwohl spricht kaum etwas dagegen, dass die Apple-Aktie auch künftig Kursgewinne liefern wird, wenn auch in deutlich bescheidenerem Rahmen. Die Bewertung der Aktie ist nicht übertrieben, das Wachstum des Unternehmens solide, der riesige Cash-Bestand eröffnet strategische Optionen. Allzu viel sollte bei der derzeitigen Erwartungshaltung der Investoren allerdings nicht schiefgehen. Dass die einzige andere Aktiengesellschaft, die schon einmal über 1 Billion US-Dollar wert war - Petrochina, heute bei weniger als einem Drittel dieses Werts 'herumdümpelt', mag ein Menetekel sein - mehr aber auch nicht. Schließlich gibt es kein Naturgesetz, dass bei einem Börsenwert von 1 Billion US-Dollar Schluss sein muss.

So oder so ist es müßig, der vertanen Gelegenheit bei Apple nachzutrauern. Denn das ist ja gerade das Schöne an der Börse: Für jede vertane Chance kommen mehrere neue nach. Wer weiß: Vielleicht läuft Ihnen schon am heutigen Handelstag die Apple der Zukunft über den Weg. Halten Sie also die Augen offen.

von Christoph Frank
13. Juli 2018, © pfp Advisory

Über den Autor

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

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