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03.12.2018 10:37:30
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Kolumne

pfp Advisory: "Steht ein Abschwung bevor?"



Christoph Frank bemerkt eine erstaunliche Differenz zwischen der Stimmung der Unternehmer und der Marktkommentatoren, fragt sich nicht nur, woran das liegen könnte, sondern auch, wer wohl recht hat.
3. Dezember 2018. FRANKFURT (pfp Advisory). "Spüren Sie schon eine Abschwächung?" Dieser Frage konnte pfp Advisory zuletzt kaum entgehen. Sei es vor wenigen Tagen auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt, während der dreitägigen "DZ Bank Equity Conference" in der Woche zuvor oder auf anderen Investorenveranstaltungen - überall stellten Anleger die bange Frage, ob Wirtschaft und Aktienkurse nach dem jahrelangen Boom schon über dem Zenit seien.

Auch wir bei pfp Advisory stellten Vorständen diese oder sinnverwandte Fragen immer wieder. Schließlich wollen wir stets genau und aus erster Hand wissen, wie die Auftragslage der Unternehmen unseres Fonds-Portfolios oder der Kandidatenliste ist. Und wer sollte das besser beurteilen können als die Mitarbeiter dieser Firmen, die dies tagtäglich aus nächster Nähe beobachten können?

Überraschenderweise ist die Stimmung in diesen Unternehmen nach wie vor mehr recht als schlecht. Überraschend deshalb, weil die tristen Wirtschaftsindikatoren und die deutlich gefallenen Aktienkurse mich eigentlich etwas anderes vermuten ließen. Gleich mehrere Vorstände äußerten im Zwiegespräch sogar, die plötzlich aufkommenden Anlegersorgen seien ein von Kapitalmarktanalysten herbei geschriebenes Problem, das mit dem realen Wirtschaftsgeschehen nichts zu tun habe.



Diese Erklärung wäre erstens sicherlich eine der günstigeren für alle Beteiligten. Es sind aber auch noch andere Interpretationen denkbar: Zweitens der Vertrieb, der zweifellos am weitesten vorne in der Informationskette steht, berichtet unzureichend, zu spät oder schön gefärbt in die Vorstandsetage. Und dito vielleicht auch der Vorstand an den Investor, zumal das Management sein Unternehmen ja möglichst positiv präsentieren will. Drittens: Die Visibilität des Geschäfts reicht nicht allzu weit in die Zukunft, so dass Vertrieb und Vorstand selbst bei gründlicher Recherche und besten Absichten kein verlässliches Bild zusammensetzen können. Viertens: Die Wirtschaft schwächt sich tatsächlich nicht ab und die optimistischen Firmeninsider behalten recht. Und Möglichkeit Nummer Fünf: Die Wirtschaft schwächt sich ab, was vorher aber nur wenige wahrhaben wollen.

Während Erklärung ein und vier eher für eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Booms und der Hausse am Aktienmarkt sprächen und drei eher neutral wäre, stünden Anleger mit den Varianten zwei und fünf vor größeren Problemen. Undenkbar sind diese indes nicht: Der ifo-Index als wichtigster Frühindikator für die deutsche Wirtschaft ist zum dritten Mal in Folge gefallen, was in der Vergangenheit oft eine wirtschaftliche Abkühlung angekündigt hat. Der ZEW-Index verharrt schon länger im negativen Bereich. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal geschrumpft - übrigens nicht nur in Deutschland, sondern z. B. auch in Italien und in der Schweiz, wo die Erklärung "neuer Abgastest WLTP" kaum greift.

Besonders irritierend finde ich die Schwäche der Halbleiterindustrie. So hat etwa der Dow Jones US Semiconductor-Index in den vergangenen sechs Monaten rund 17 Prozent an Wert verloren, während der sektorübergreifende Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Composite weitgehend um die Nulllinie schwanken. Die Nachfrage nach Halbleitern ist sehr zyklisch und läuft der allgemeinen Konjunkturentwicklung oft voraus. News von Kurzarbeit bei VAT und Globalfoundries nähren deshalb auch nicht gerade konjunkturellen Optimismus.

Wer wird am Ende also recht bekommen? Die nicht mehr so positiv gestimmten Firmenleute aus der ifo-Befragung oder die noch immer bullischen Firmenvorstände auf dem Eigenkapitalforum? Meine ehrliche Antwort: Ich weiß es nicht.

Das war übrigens auch meine Antwort, als mich ein Vorstand eines Softwareunternehmens nach unserem eigentlichen Meeting hastig auf dem Flur abfing und mich so lange mit Fragen löcherte, dass ich fast meinen Anschlusstermin verpasst hätte. Wohin Konjunktur und Aktienmarkt laufen werden, weiß ich nicht, und das sage ich nicht, weil ich mich um eine Antwort drücken will, sondern weil es die einzige seriöse Antwort ist. Wir bei pfp Advisory raten keine DAX-Stände oder BIP-Wachstumsraten zum Jahresende oder machen ähnlichen Firlefanz mit. Wir versuchen, Unternehmen so gut wie möglich zu verstehen und zu bewerten.

Nach dieser sorgfältigen Analyse kommen die guten ins Töpfchen (den Fonds) und die schlechten ins Kröpfchen (weder in den Fonds noch auf die Kandidatenliste). So gehen wir in jeder Phase des Konjunkturzyklus vor, egal, ob gerade ein Wirtschaftsabschwung vor der Tür steht oder nicht. Den Luxus einer Marktprognose leisten wir uns privat und in Diskussionen, aber nicht in der Fondsberatung. Denn wir glauben, dass wir - anders als bei der Aktienauswahl - in puncto Marktmeinung keinen Mehrwert bieten können. Auch deshalb rate ich Anlegern generell dazu, sich niemals auf ein bestimmtes Marktszenario zu versteifen (à la "der Markt geht 2019 runter"). Gerade in einer Umbruchphase wie jetzt ist es wichtig, flexibel zu bleiben und auf Sicht fahren zu können.

Ob die Wirtschaft bzw. die Aktienkurse 2019 aufwärts oder abwärts gehen, werden etwa 50 Prozent aller Experten richtig tippen. Wissen können es 0 Prozent jetzt und 100 Prozent in der Rückschau.

von Christoph Frank
3. Dezember 2018, © Deutsche Börse AG

Über den Autor

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DB Platinum IV Platow Fonds (WKN DWS030), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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