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05.11.2018 11:32:16
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Kolumne

pfp Advisory: "US-Zwischenwahlen im Brennglas"



Christoph Frank analysiert die möglichen Ausgänge der US-Wahlen morgen, welche Auswirkungen die möglichen Konstellationen jeweils auf die Aktienmärkte insgesamt und auf einzelne Branchen haben könnten.
5. November 2018. FRANKFURT (pfp Advisory). Was hat die Aktienmärkte im Oktober so dramatisch nach unten gezogen? Erklärungsansätze gibt es viele, z. B. der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die auffallend häufigen "Gewinnwarnungen", die einen nahenden Wirtschaftsabschwung ankündigen könnten, die erhöhten Anleiheverkäufe der Fed, die reduzierten Anleihekäufe der EZB, die wegen der Berichtssaison fehlenden Aktienrückkäufe durch Unternehmen, der lange Börsenaufschwung davor, die in einigen Segmenten hohen Aktienbewertungen und der phasenweise überbordende Optimismus. Viele Erklärungen erscheinen mir nicht plausibel, da außer den Prognosesenkungen alle Phänomene auch schon vor dem Oktober zu beobachten bzw. bekannt waren. Alleine zur Erklärung des Mini-Crashs ausreichen dürfte keine einzige. Fakt ist, dass die Unsicherheit zugenommen hat, was sich an gängigen Volatilitätsindizes ablesen lässt.

Immerhin ein Unsicherheitsfaktor wird am Dienstagabend höchstwahrscheinlich verschwinden: die Unklarheit über den Ausgang der US-amerikanischen Zwischenwahlen. Am 6. November dürfen die Bürger Präsident Donald Trump und seiner Regierung ein "Zwischenzeugnis" ausstellen. Jüngsten Umfragen zufolge werden die Republikaner im Senat ihre Mehrheit verteidigen. Im Repräsentantenhaus, das im Gegensatz zum Senat nicht nur zu einem Drittel, sondern komplett neu gewählt wird, könnte es dagegen zu einem Machtwechsel kommen. Die Rohdaten lassen derzeit keine klare Aussage zu, während statistisch aufbereitete Ergebnisse (z. B. auf der Internetseite 'FiveThirtyEight') einen Tag vor dem Urnengang einem demokratischen Sieg eine hohe Wahrscheinlichkeit zubilligen.

Je nachdem, ob die Demokraten diese zweite Kammer des US-Kongresses "erobern" oder nicht, wird sich Donald Trump künftig mit seinen politischen Gegnern arrangieren müssen oder unverändert "durchregieren" können. Welche Variante besser für Aktien ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Intuitiv erscheint ein Sieg der Republikaner wünschenswerter als ein Patt im Gefüge Präsident-Senat-Repräsentantenhaus. Schließlich sind vielen Beobachtern die Blockadesituation unter Barack Obama oder auch hierzulande die späten Jahre unter Helmut Kohl und Gerhard Schröder noch in unguter Erinnerung, als die beiden Bundeskanzler jeweils gegen einen politisch anders zusammengesetzten Bundesrat regieren mussten und am Ende fast nichts mehr ging.

"Blockadesituation unter Barack Obama"
 
Andererseits kann genauso gut argumentiert werden, und dazu neige ich, dass eine zu mächtige Regierung gerade in Wirtschaftsfragen gewöhnlich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Politiker(innen) sind meist keine guten Wirtschaftsfachleute, die wenigsten haben vor ihrer politischen Karriere in der freien Wirtschaft gearbeitet. Am besten scheint mir in diesem Spannungsfeld die goldene Mitte zu sein: Die politischen Organe sollen sich nicht blockieren, um Stillstand zu vermeiden, aber auch nicht durchregieren können, um den größten (meist ideologiegetriebenen) Unsinn zu verhindern.

Empirische Untersuchungen weisen übrigens ebenfalls darauf hin, dass ein geteilter US-Kongress für die Aktienkursentwicklung die beste Variante ist. Beispielsweise lag der jährliche Durchschnittsertrag des S&P 500 seit 1928 laut einer Studie von Bank of America Merrill Lynch bei 12,0 Prozent, wenn sich ein republikanischer Präsident mit einem geteilten Kongress konfrontiert sah. Konnte er sich dagegen auf einen republikanisch dominierten Kongress stützen und durchregieren, lag die Rendite fast 10 Prozentpunkte niedriger, bei auffallend schlechten 2,1 Prozent.

Was erwartet die Aktienmärkte also am 6. November und in den zwei Jahren bis zur nächsten US-Wahl? Stark reagieren dürften die Kurse wahrscheinlich nur, wenn das Wahlergebnis deutlich von den Prognosen abweicht. Gelänge z. B. einer der Parteien ein Erdrutschsieg, würden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt und müssten sich erst einmal neu am Markt positionieren, was wahrscheinlich erst einmal Unruhe verursachen würde.

"Was erwarten die Aktienmärkte?"
 
In den zwei Jahren danach bis zur nächsten Wahl würde Donald Trump bei einem gespaltenen Kongress mehr Schwierigkeiten haben, wichtige Gesetzesvorhaben umzusetzen, zumal er einen sehr konfrontativen Regierungsstil pflegt. Weitere Steuersenkungen oder Deregulierungen im Finanzsektor, die den Demokraten nicht genehm wären, wären erst einmal vom Tisch. Die Handelspolitik bliebe dagegen wohl die gleiche. Denn die Einführung von Strafzöllen wurde ja mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet und beruhte auf Exekutivbefehlen. Bis zu einem formalen Handelsabkommen, über das die Legislative abstimmen müsste, kann Trump auf diese Weise handelspolitisch schalten und walten, wie er will. Wären die Verluste der Republikaner bei den Mid-Terms allerdings umfangreicher, könnte der Druck auf Trump aus den eigenen Reihen zunehmen, in der Handelspolitik weniger konfrontativ aufzutreten und wieder mehr auf Kooperation und freien Handel zu setzen. Das wäre die beste aller Welten: Viele Unternehmen würden aufgeschobene Investitionsvorhaben nachholen, das weltwirtschaftliche Umfeld würde wieder stabiler und planbarer, zerstörtes Vertrauen kehrte zurück. Dieses Szenario würde den Börsen gefallen.

Für den weniger wahrscheinlichen Fall, dass die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kammern behalten, dürfte sich Donald Trump in seiner Politik bestätigt fühlen. Weitere Steuerreformen und Deregulierungen könnten folgen. Profitieren dürften neben Banken und Finanzkonzernen auch die Ölindustrie, da Umweltschutzauflagen wohl weiter gelockert würden. Langfristig wären die Auswirkungen vermutlich nicht so positiv. Steigende Schulden, zunehmende Finanzierungskosten und inflationärer Druck dürften die Zinsen tendenziell weiter erhöhen, wodurch Anleihen gegenüber Aktien noch mehr an Attraktivität gewönnen. Die große Rotation von Anlagegeldern aus dem Aktienmarkt hin zum Anleihemarkt würde verstärkt.

"Steigene Schulden, zunehmende Finanzierungskosten"
 
Was können Aktionäre also tun? Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist: Wer langfristig agiert, braucht sich um Wahlausgänge eigentlich nicht zu kümmern. Diverse Studien zeigen indes, dass nach US-Zwischenwahlen solche Sektoren am besten abschnitten, die sich durch langfristiges Wachstum auszeichnen, typischerweise Technologie, Konsum und Gesundheit. Auffallend schlecht performten dagegen Aktien aus den Bereichen Energie, Telekom und Versorger. Dass das Portfolio des DB Platinum IV Platow Fonds zurzeit in Technologie und Konsum stark und in Energie, Telekom und Versorger überhaupt nicht investiert ist, sollte angesichts dieser Befunde ex ante kein Nachteil sein, obwohl wir diese sektorale Verteilung gar nicht aktiv angestrebt haben. Offenbar hat unser strikter Bottom-up-Auswahlprozess "automatisch" diejenigen Einzeltitel verstärkt ins Rampenlicht geschoben, die derzeit auch gemäß einer Branchen-Selektion als aussichtsreich gelten.

von Christoph Frank
5. November 2018, © Deutsche Börse AG

Über den Autor

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DB Platinum IV Platow Fonds (WKN DWS030), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DB Platinum IV Platow Fonds (WKN DWS030), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Frank schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

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