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13.07.2018 12:47:52
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Kolumne

Anleihen: Gewöhnungseffekte



Handelskonflikt, Nato-Streit und Turbulenzen in Großbritannien - das alles wird derzeit ignoriert. Die Flucht in bonitätsstarke Anleihen bleibt aus.
13. Juli 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Nervosität wegen des eskalierenden Handelskriegs hält die Anleger in Atem, in dieser Woche sorgte eine neue Liste der US-Regierung mit möglichen Strafzöllen gegen China erneut für Unruhe. Mittlerweile haben sich die Wogen aber etwas geglättet, was auch auf die bislang ausbleibende Reaktion der Chinesen zurückgeführt wird.

Mit den zuletzt angekündigten neuen Zöllen auf chinesische Importwaren ginge es insgesamt um Güter mit einem Warenwert von 200 Milliarden US-Dollar oder rund 9 Prozent des gesamten US-Importvolumens, wie die HSH Nordbank erläutert. Mit den ebenfalls zur Diskussion stehenden Zöllen auf Autos aus der EU seien es sogar 16 Prozent.

Kein Trend zu sicheren Bundesanleihen

Im Vergleich zum Freitag der vergangenen Woche hat sich der Euro-Bund-Future allerdings kaum verändert: Der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen liegt am Freitagmorgen bei 162,85 nach 162,82 Punkten vor einer Woche. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist seit Ende vergangener Woche sogar von 0,29 auf 0,33 Prozent gestiegen, in der Regel fällt sie in schwierigen Zeiten. "Schlechte Nachrichten werden einfach ignoriert", kommentiert Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.



 

Nach Einschätzung von Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank sind der unruhige Nato-Gipfel, Regierungsturbulenzen in Großbritannien, höhere Aufschläge für Unternehmensanleihen und fallende Rohstoffpreise zwar eher Zeichen eines "Risk-Off"-Umfelds. "Zu allem Überfluss gab es vom italienischen Europa-Minister auch noch Andeutungen, man denke über einen Plan B nach, womit ein Ausstieg aus dem Euro gemeint ist." Die Meldung, innerhalb der EZB diskutiere man über eine erste Leitzinserhöhung schon im Juli 2019 statt erst nach Ende des Sommers, könne aber zu dem Renditeanstieg beigetragen haben.

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"Chaostage" in London
 

Genau beobachtet wird auch das Geschehen in Großbritannien, wo die prominenten Brexit-Befürworter David Davis und Boris Johnson von ihren Ministerämtern zurücktraten. Klaus Stopp von der Baader Bank spricht von "Chaostagen" in London. "Man wird abwarten müssen, ob die Premierministerin die Brexit-Erwartungen im eigenen Land weiter abbauen kann oder es riskiert, einen Brexit-Vertrag dem Parlament vorzulegen, den dieses ablehnen könnte", meint Stopp. In beiden Fällen bewege sich May weiterhin auf dünnem Eis, entspreche ihr Vorschlag doch dem eines "sanften Brexits", der weder die "Remainer" noch die "Leaver" zufriedenstellen dürfte.

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Otto und K+S stoßen auf riesiges Interesse
 

Im Handel mit Unternehmensanleihen wurden Papiere der Merck KGaA (WKN A13R96) mit extrem langer Laufzeit abgegeben - wenn auch nicht im großen Stil, wie Daniel meldet. Fällig ist das Papier 2074, der Kupon liegt bei 2,625 Prozent.

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Sehr gut an kommt eine neue Nachranganleihe der Otto GmbH & Co. KG (WKN A2LQ0B) mit unendlicher Laufzeit und einer Mindeststückelung von 1.000 Euro. "Wir sehen sehr viel Umsatz", berichtet Daniel. Der Hamburger Versandhändler kann die Anleihe frühestens nach sieben Jahren kündigen, bis dahin liegt der Zins fest bei 4 Prozent, danach ist er variabel. Aktuell notiert die Anleihe bei 100,52 Prozent.

 

Extrem hohe Umsätze meldet Rainer Petz von Oddo Seydler auch für eine neue Anleihe vom Düngemittelspezialisten K+S (WKN A2NBE7) - trotz 100.000 Euro-Stückelung. Hier liegt der Kupon bei 3,25 Prozent bei einer Laufzeit bis 2024. "Die Otto- und K+S-Anleihen zeigen, dass bekannte Namen und attraktive Zinsen doch viele Anleger anziehen und richtig viel Liquidität in den Markt bringen." Die häufig kritisierte niedrige Liquidität im Anleihehandel sei eben doch auch auf die unattraktiven Zinsen zurückzuführen.

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Die SUNfarming GmbH hat unterdessen beschlossen, die Begebung ihrer Unternehmensanleihe mit Laufzeit bis 2023 (ISIN DE000A2LQZZ1) zu verschieben, wie am gestrigen Donnerstag bekannt wurde. Auf Anregung insbesondere institutioneller Investoren soll das Emissionskonzepts "optimiert" werden. Ein neuer Vorstoß soll im Laufe des zweiten Halbjahrs erfolgen.

Hohe Renditen für Lira-Anleihen

Die türkische Lira fällt unterdessen auf immer neue historische Tiefs zum Euro und US-Dollar. Hintergrund sind der deutliche Anstieg der Inflation und Sorgen um eine stärkere Kontrolle des Staatspräsidenten über die Notenbank. "Bei ausländischen Investoren kommt die neue Linie in der Türkei sicher nicht gut an", kommentiert Daniel. Umsatz in Anleihen in türkischer Lira sieht Daniel aber nicht. "Anleger haben die Papiere schon verkauft oder stehen jetzt da wie das Kaninchen vor der Schlange."

Die Renditen sind entsprechend hoch: Eine auf Lira lautende Anleihe der Europäischen Investitionsbank EIB (WKN A19YDR), die bis März 2021 läuft und einen Kupon von 12,5 Prozent bietet, rentiert mittlerweile um 19 Prozent.

von: Anna-Maria Borse
13. Juli 2018, © Deutsche Börse AG
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