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29.06.2018 12:37:17
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Kurzfristiges Aufatmen



Nach einer weiteren turbulenten Woche an den Märkten ist nun etwas Ruhe eingekehrt. Händler und Analysten bleiben aber in Habachtstellung.
29. Juni 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der anhaltende Schlagabtausch zwischen den USA und China im Handelskonflikt hat in dieser Woche die Suche nach sicheren Anlagen beflügelt, Bundesanleihen profitierten. "Der Handelsstreit und auch der EU-Gipfel sorgten für Unsicherheit", berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. Am heutigen Freitag hat sich die Lage mit der Einigung in der Asylpolitik auf dem EU-Gipfel ein bisschen entspannt - zumindest vorerst.

Der Euro-Bund-Future notiert am Freitagmorgen bei 161,98 Punkten nach 162,40 Punkten am Mittwoch. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell mit 0,34 Prozent, im Tief waren es in dieser Woche 0,3 Prozent.

Risikoaversion dürfte bleiben

"Auch wenn sich die EU auf dem ‚Migrationsgipfel' auf eine gemeinsame Erklärung verständigt hat, bleibt das politische Schicksal von Bundeskanzlerin Merkel offen", meint Markus Koch von der Commerzbank. Die Risikoaversion der Anleger werde die Nachfrage nach Bundesanleihen daher ebenso unterstützen wie eher schwächere Wirtschaftsdaten.



"Wir rechnen nicht mit einem Handelskrieg, also mit einer nicht mehr kontrollierbaren Abwärtsspirale aus immer neuen protektionistischen Maßnahmen", erklärt Sintje Boie von der HSH Nordbank. Allerdings könnte sich der Welthandel wohl auf einem neuen höheren "Protektionismusniveau" einpendeln - mit Wachstumseinbußen für die Weltwirtschaft. "Schwierig für die Wachstumsentwicklung sind nicht nur die Zölle selbst, die verzerrend wirken, sondern die indirekten Effekte daraus wie eine Stimmungsverschlechterung und eine Zunahme der Unsicherheit." Investitionen würden zurückgestellt und globale Wertschöpfungsketten zerstört, mit der Folge von Wettbewerbseinbußen für Unternehmen und Reaktionen auf den Finanzmärkten.

Nachdem die US-Amerikaner Anfang Juni Strafzölle auf Stahl und Aluminium eingeführt und die Europäer mit Gegenmaßnahmen in Form von Zöllen auf Motorräder, Whiskey und Jeans gekontert hatten, treten am 6. Juli Zölle in Höhe von 25 Prozent auf mehr als 800 Produkte von China in die USA importierte Güter in Kraft. Im Gespräch sind zudem Zölle auf Autoimporte in die USA und Beschränkungen auf chinesische Investitionen in US-Hochtechnologie.

Griechenland-Einigung ohne Folgen
 

Wenig beachtet wurde das letzte Rettungspaket für Griechenland. "Athen erhält zum Abschluss noch einmal einen Kredit in Höhe von 15 Milliarden Euro und eine Verlängerung der dringendsten Darlehenslaufzeiten um zehn Jahre", erläutert Klaus Stopp von der Baader Bank. "Ob damit die griechische Krise vorbei ist, darf allerdings in Frage gestellt werden." Denn mit der Ablehnung einer formellen Schuldentilgung durch die Gläubiger bleibe die Gesamtverschuldung Griechenlands bei 180 Prozent des BIPs. "Die vereinbarte Verlängerung der Kreditlaufzeiten um zehn Jahre verschiebt das Problem lediglich in die Zukunft."

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Auch Brunner zeigt sich skeptisch. "Der IWF war diesmal nicht dabei, er beteiligt sich nur an tragfähigen Konzepten." Der Händler geht davon aus, dass die Kredite nie zurückgezahlt werden. Griechische Anleihen zeigen sich kaum verändert. Der Renditeaufschlag zehnjähriger Papiere liegt mit aktuell 367 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen in etwa auf dem Niveau der vergangenen drei Monate, wie Brunner feststellt.

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Italien: weiter hohe Renditeaufschläge

"In der Periphere bleibt Italien im Fokus", erklärt unterdessen Koch von der Commerzbank. In einer Zeit steigender italienischer Nettoemissionen und auslaufender Nettokäufe der EZB würden Investoren wohl höhere Renditeaufschläge verlangen. Die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen liegt aktuell bei 2,72 Prozent nach in der Spitze 3,16 Prozent Ende Mai. Anfang Mai ¬- vor den Querelen um die Regierungsbildung - waren es allerdings nur 1,74 Prozent.

Auto-Anleihen verlieren

Auch im Handel mit Unternehmensanleihen machen sich die Zollstreitigkeiten bemerkbar. Wegen eventueller US-Zölle auf Autoimporte stieg der Renditeaufschlag für Automobil-Anleihen, wie Brunner meldet. "VW-Hybridanleihen erlebten deutliche Kursverluste." Unter Abgabedruck geriet dem Händler zufolge auch die Wandelanleihe des Entwicklers von Pflegeimmobilien SeniVita Social Estate (WKN A13SHL). "Hintergrund ist ein überraschender Wechsel im Vorstand und im Aufsichtsrat", erklärt Brunner. Außerdem soll sich die Feststellung des Jahresabschlusses erneut über den geplanten Veröffentlichungstermin zum 30. Juni hinaus verzögern.

 

Ein durchaus reges Handelsaufkommen sieht Rainer Petz von Oddo Seydler in den neuen Hybridanleihen von Volkswagen International Finance: Das eine Papier (WKN A192QE) bietet 3,375 Prozent, das andere (WKN A192QF) 4,625 Prozent. Beide werden in zehn Jahren zum Floater. Allerdings liegt die Stückelung hier bei 100.000 Euro. "Vor allem in der 4,625 Prozent-Anleihe sind die Umsätze gut", berichtet Petz.

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Neues von Hochtief und Underberg

Eine Neuemission kam zum Beispiel von Hochtief: Die in privatanlegerfreundlicher Mindeststückelung von 1.000 Euro (WKN A2LQ5M) erhältliche Anleihe läuft bis Juli 2025 und bietet jährlich 1,75 Prozent Zinsen. "Die Anleihe kommt gut an", stellt Brunner fest.

Außerdem hat Semper Idem Underberg, der Spirituosenhersteller mit Marken wie Underberg und Asbach, eine neue Anleihe (WKN A2LQQ4) über eine Privatplatzierung unter institutionellen Anlegern auf dem Markt gebracht. Seit Mittwoch ist diese im Handel und kann auch von anderen Anlegern gekauft werden, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, Spezialist für das Papier, berichtet. Die Anleihe läuft bis Juli 2024 und hat einen Kupon von 4 Prozent. Aktuell liegt der Kurs bei 100,5 Prozent.

von: Anna-Maria Borse
29. Juni 2018, © Deutsche Börse AG
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