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22.01.2016 13:42:33
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Neue Rekorde für Euro-Bund-Future



Unsicherheit über den Zustand der Weltwirtschaft und ein niedriger Ölpreis treiben Anleger in als sicher geltende zehnjährige deutsche Staatsanleihen.
22. Januar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Angst vor einer Weltwirtschaftskrise wie 2008 bestimmt den Anleihehandel ebenso wie die Aussicht auf weitere EZB-Lockerungsmaßnahmen im Rahmen der Sitzung am 10. März. Nach der deutlichen Kommunikation Draghis am Donnerstag erwartet die HSBC eine weitere Rücknahme des Einlagesatzes um 10 Basispunkte auf dann -0,40 Prozent. Das Anleihen-Kaufprogramm werde vermutlich nicht weiter ausgedehnt, während eine Aufweichung der selbstauferlegten Restriktionen beim Ankauf der Bonds durchaus möglich sei.

 

Die Aussichten auf noch mehr billiges Geld hat Arthur Brunner zufolge die Märkte etwas beruhigt. "Zuvor hatten insbesondere Sorgen um die Weltwirtschaft und die niedrigen Ölpreise den Euro-Bund-Future auf einen neuen Rekordstand von 161,94 Punkte getrieben", bemerkt der Händler der ICF Bank. Im gesamten Wochenverlauf hat das hiesige Rentenbarometer von knapp 160 auf aktuell 161,22 Prozent zugelegt. "Zehnjährige deutsche Staatsanleihen bringen derzeit 0,465 Prozent Rendite, Bundesanleihen bis einer Laufzeit von sechs Jahren kommen auf einen negativen Ertrag", berechnet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Arthur BrunnerBrunner
 
"The Sky is the Limit"
 

Technisch befindet sich der Euro-Bund-Future nach Meinung von Klaus Stopp in einem weiterhin intakten Aufwärtstrend gestützt vom Novemberhoch bei 160,66 Prozent. Eine weitere Unterstützung macht der Händler der Baader Bank bei 160,52 Prozent aus. "Erst bei einem nachhaltigen Durchbrechen dieser Marke würden die diversen Hochs und Tiefs vom Dezember und Januar im Bereich von 159 Prozent neuen Halt bieten." Doch dazu bedarf es Stopp zufolge einer kompletten Wandlung des aktuellen Sentiments. Nach oben gebe es aktuell lediglich Renditeniveaus, die eine psychologische Hürde darstellen. "The sky is the limit", urteilt Stopp.

Klaus StoppStopp
 

Heta-Gläubiger pochen auf volle Rückzahlung

Das von Kärnten unterbreitete Rückkaufangebot für Heta-Anleihen stößt scheinbar bei den Gläubigern auf wenig Gegenliebe. Eine große Investorengruppe, zu der unter anderem die Commerzbank, HSH Nordbank und Deutsche Pfandbriefbank gehört, lehnen die Offerte nach eigenen Angaben ab, bieten aber mehr Zeit für die Rückzahlung. Auch deutsche Versicherungen hätten bereits den Daumen gesenkt. Damit der Deal zustande kommt, müssten zwei Drittel der Gläubiger bis März zustimmen.

Insgesamt geht es laut Stopp um Anleihen der ehemaligen Bank Hypo Alpe Adria im Volumen von 11 Milliarden Euro, für die Kärnten eine Garantie gegeben hatte. Das österreichische Bundesland biete den Inhabern vorrangiger Schuldtitel 75 Prozent und den Gläubigern nachrangiger Schuldtitel 30 Prozent des bereinigten Nennbetrages, dafür habe es 7,8 Milliarden Euro eingeplant. Ob dieser Vorschlag überhaupt akzeptiert wird hält der Händler für fraglich. Alle Investoren zielten in diesem Marktumfeld eher auf möglichst geringe Verluste, obwohl die Europäische Zentralbank die betroffenen Banken bereits im Vorjahr angewiesen habe, mindestens 50 Prozent der Heta-Forderungen abzuschreiben. "Eine finale Einigung kann sich also noch hinauszögern."

Kaum Neuemissionen

Am Primärmarkt für Corporate Bonds ist den Händlern zufolge eher ruhig. Stopp macht das aktuelle Marktumfeld mitverantwortlich. easyJet als neuer Emittent plane seit geraumer Zeit die Begebung einer Anleihe, lasse aber weiter auf sich warten. Lediglich das früher unter dem Namen Kraft Foods bekannte und inzwischen umfirmierte Unternehmen Mondelez International legte eine mit eine mit jährlich 1,625 Prozent Zinsen ausgestattete Anleihe (WKN A18W1G) im Volumen von 700 Millionen Euro auf, die im Januar 2023 fällig wird.

Anleger halten sich zurück

Mittelstands-Anleihen gerieten nach Beobachtung von Brunner in dieser Woche generell unter Druck. "Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen ist gering, es sind wenige Käufer am Markt", beschreibt der Händler die gegenwärtige Situation. Gleichzeitig trennten sich Investoren beispielsweise von einer 182,5 Millionen schweren Scholz-Anleihe (WKN A1MLSS). "Mit der Verlegung der Zentrale nach London hat das Unternehmen die Anleihe-Gläubiger verärgert." Der mit 8,5 Prozent verzinste und im März 2017 fällige Bond ist seit Montag von knapp 40 auf 17,5 Prozent gefallen. Mitte 2015 stand der Wert noch bei 104 Prozent.

Ebenso trennten sich Anleger laut Brunner verstärkt von einer German Pellet-Anleihe (WKN A1H3J6) mit einem Kupon von 7,5 Prozent, die im Wochenverlauf von 97 auf 55 Prozent regelrecht abgestürzt ist. Bei der im April fälligen Anleihe stehe die Refinanzierung der 52 Millionen Euro noch nicht. Eine weitere 2018 zur Rückzahlung vorgesehenen Anleihe des Unternehmens (WKN A1TNAP) mit einem Kupon von 7,25 Prozent ist von 95 auf 34 Prozent abgesackt.

Deutsche Bank-Bonds in Mitleidenschaft gezogen

"Die allgemeine Marktverfassung ist schwierig, Geldseiten sind rar, aber verkaufen wollen die Teilnehmer auch nicht unbedingt" beschreibt Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Nachrang-Emissionen der Deutschen Bank (WKNs A0TU30, A0DEN7) hätten angesichts der veröffentlichten Ergebnisse nicht unerwartet Federn lassen müssen. "Der Markt beruhigte sich dann wieder etwas, die Tiefststände wurden verlassen und auf dem danach erreichten Niveau scheint sich ein Boden auszubilden."

Vertrauen in Widerstandskraft von VW
 

Verhalten gekauft wird Daniel zufolge eine im Januar 2019 zur Rückzahlung anstehenden VW-Anleihe (WKN A1GY7M) mit einem Kupon von 3,25 Prozent. Nachdem der Wert im Zuge der Diskussion um Abgasmanipulationen auf 101 Prozent abgesackt war, steht die Anleihe mittlerweile wieder bei 105,21 Prozent.

Daniel GregorGregor
 


FACC-Anleihe unter Druck

Von Abgaben geprägt ist laut Daniel in dieser Woche eine in 2020 fällige Anleihe des Luftfahrtzulieferers FACC (WKN A1HL07) mit einem Kupon von 4 Prozent. Anleger seien angesichts der betrügerisch abgeflossenen 50 Millionen Euro an liquiden Mitteln aus der Finanzbuchhaltung nervös geworden. Das hat den Kurs des Bonds zwischenzeitlich um knapp 10 Prozent gedrückt.

Mittlerweile hat sich die Anleihe der Österreicher wieder bis 98 Prozent leicht erholt. Statt einer bislang angenommenen Cyber-Attacke handelt es sich nach Angaben von FACC um einen verschmerzbaren Angriff auf das Vermögen. Die IT-Systeme seien nicht betroffen, und auch die Produktion laufe uneingeschränkt weiter.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 22. Januar 2016
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