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11.03.2016 13:45:41
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Orientierungsversuche



Die jüngsten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank löst widersprüchliche Reaktionen am Kapitalmarkt aus. Zehnjährige Bundesanleihen verlieren.
11. März 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Freude war von nur kurzer Dauer. "Die Senkung des Leitzinses auf null Prozent, die Erhöhung des Einlagen-Zinssatzes auf minus 0,4 Prozent und die Ausweitung der Anleihe-Käufe von 60 auf 80 Milliarden Euro monatlich reichen nicht mehr aus, die Märkte zu befriedigen", beschreibt die Helaba die Wirkung auf die gestrigen gelpolitischen Expansionspläne der Europäischen Zentralbank. Nach der Euphorie schloss der DAX fast 500 Punkte unter dem Tageshoch von 9.995 Zählern. "Die Reaktion der Finanzmärkte zeigt, dass die Europäische Zentralbank nach Meinung vieler Marktteilnehmer ihr Pulver verschossen und ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt hat."

Auch an den Bondmärkten hielt die Hochstimmung nicht lange. Staatsanleihen im Euroraum profitierten nur flüchtig von der zusätzlich verordneten Liquidität. "Die Kurse der Bundesanleihen brachen regelrecht ein, mittlere Laufzeiten führten den Absturz an." Der richtungsweisende Euro-Bund-Future verlor von seinem Tageshoch bei 163.40 über 2 volle Punkte. "Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen stieg auf über 0,3 Prozent", berechnet Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Markt quasi leergefegt
 

Gregor Daniel hält die vielerorts geäußerte Kritik an der EZB-Politik für berechtigt."Egal, wie viel Geld die Notenbanker in die Hand nehmen, sie können die gewünschten Reaktionen nicht erzwingen", urteilt der Händler von Walter Ludwig. Am Beispiel Japans erkenne man, dass die immer weitere Öffnung der Geldschleusen nicht funktioniert. "Die Zentralbank sollte vielleicht lieber Öl kaufen."

Insbesondere die Ausweitung der monatlichen Anleihen-Käufe ist für Klaus Stopp keine gute Lösung. Die europäischen Währungshüter näherten sich bereits oftmals ihrer Maximalgrenze von 33 Prozent, bis zu der sie Bonds eines Landes überhaupt in ihre Bücher nehmen dürfen. "Außerdem ist der Markt ohnehin schon weitestgehend leergefegt."

Klaus StoppStopp
 
Ganz im Zeichen der EZB
 

Der Handel mit Anleihen stand in dieser Woche ganz im Zeichen der EZB-Ratssitzung. Wie Arthur Brunner von der ICF Bank bemerkt: " Im Vorfeld der Zinsentscheidung war nicht allzu viel los."

Widersprüchliche Konjunkturdaten wie der überraschend deutliche Anstieg der hiesigen Industrieproduktion einerseits und schwache chinesische Außenhandelszahlen andererseits machten sich nach Berichten von Tillmann am Markt kaum bemerkbar. "Sichere Anlagen spielten bis Donnerstag eine wichtige Rolle."

Arthur BrunnerBrunner
 

Bonds von Mittelständlern beliebt

Den Handel mit Mittelstands-Anleihen beschreibt Brunner als rege. "Die Insolvenz von German Pellets scheint verdaut." Als Beispiel nennt der Händler eine Anleihe von Ferratum (WKN A1X3V2) mit einem Kupon von 8 Prozent und einer Laufzeit bis Oktober 2018, die wieder bis 108,2 Prozent gelaufen ist. Der Kurs einer 2018 fälligen SAF Holland-Anleihe (WKN A1HA97) mit einem jährlichen Zins von 7 Prozent habe sich bis auf 109,25 Prozent erholt. Gestiegene Nachfrage macht Brunner auch für eine Hybrid-Anleihe von VW (WKN A1ZE21) mit einem Kupon von 4,625 Prozent aus. Ebenso sei das Interesse an einem VW-Wert (WKNs A1VCZP) mit einer Verzinsung von jährlich 3,875 Prozent groß.

Neue Covestro-Bonds kommen an
 

Über drei Anleihen zu je 500 Millionen Euro mit einer Stückelung von 1.000 Euro beschaffte sich Covestro erfolgreich frisches Geld. Neben einem zweijährigen Floater (WKN A169MF) mit vierteljährlicher Zinszahlung in Höhe von 60 Basispunkten über dem 3-Monats-Euribor ist seit gestern auch ein fünfjähriger Bond des deutschen Kunststoffhersteller (WKN A169MG) mit einem jährlichen Kupon von 1 Prozent an der Börse Frankfurt handelbar. Der dritte im Bunde (WKN A169MH) mit Fälligkeit im September 2024 und einem Kupon von 1,75 Prozent wird laut Daniel von Anlegern bereits gut angenommen.

Von einer Lufthansa-Anleihe (WKN A12UAP) mit einem Kupon von 1,125 Prozent mit Rückzahlung im September 2019 trennten sich Daniels Kunden hingegen mehrheitlich.

Gregor DanielDaniel
 

Eyemaxx strebt Tausch an

Seit Mittwoch befindet sich laut Brunner eine neue fünfjährige Anleihe von Eyemaxx Real Estate (WKN A2AA2Q) mit einem Kupon von 7 Prozent und halbjährlicher Ausschüttung in der Zeichnungsphase. Das Immobilienunternehmen erhofft sich über den von Creditreform mit BBB benoteten und grundpfandrechtlich besicherten Bond die Aufnahme von bis zu 30 Millionen Euro. "Mit der Emission soll gleichzeitig eine bis 2016 laufende Anleihe (WKN A1K0FA) des Mittelständlers auf freiwilliger Basis umgetauscht werden." Der Rückgabe sei auf insgesamt drei Millionen Euro begrenzt.

Ultimatum für Heta-Gläubiger verstreicht

Am heutigen Freitag läuft das Rückkaufangebot für Heta-Anleihen der ehemaligen Bank Hypo Alpe Adria aus. Der Garantiegeber Kärnten bietet den Inhabern vorrangiger Schuldtitel 75 Prozent und den Gläubigern nachrangiger Schuldtitel 30 Prozent des bereinigten Nennbetrages und ziele damit auf eine Reduzierung von 11 auf 7,8 Milliarden Euro. Stopp zufolge droht bei einer im Raum stehenden Ablehnung ein jahrelanger Rechtsstreit, dem tatsächlich die erstmalige Insolvenz eines österreichischen Bundeslandes vorausgehen könne.

Eine große Investorengruppe, zu der unter anderem die Commerzbank, HSH Nordbank und Deutsche Pfandbriefbank gehören, halte allein Bonds im Wert von fünf Milliarden Euro und könne den Deal platzen lassen Denn das Angebot werde nur wirksam, wenn zwei Drittel der Gläubiger zustimmen. Noch spekulierten Anleger darauf, dass Österreich dem Bundesland zu Hilfe kommt, um die Insolvenz zu verhindern. "Doch zuvor wird die zuständige Finanzmarktaufsicht einen Schuldenschnitt bei der Bad Bank machen, der spätestens Ende Mai erfolgen muss." Bis dahin laufe das über die Heta verhängte Schuldenmoratorium, was eine Rückzahlung der Anleihen ausschließe.

von: Iris Merker
© 11. März 2016 - Deutsche Börse AG
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