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14.07.2017 12:57:49
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Unberechenbare Notenbanken



Spekulationen über ein frühzeitiges Zurückfahren der EZB-Anleihen-Käufe setzt dem Euro-Bund-Future zu. Bundesregierung greift für zehnjährige Verbindlichkeiten tiefer in die Tasche.
14. Juli 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gut 1,0 Prozent hat der Euro-Bund-Future in einer bewegten Handelswoche hinzugewonnen und notiert aktuell bei 161,51 Prozent. Die gestrigen Einbußen bei dem Zinsbarometer sieht die Helaba im Zusammenhang mit Berichten über eine früher als erwartete Reduzierung der EZB-Wertpapierkäufe trotz jüngstem Rückgang der Inflation.

Marktbeobachter bringen eine mögliche Ankündigung diesbezüglich beim jährlichen Treffen von Notenbankern aus aller Welt im nordamerikanischen Jackson Hole ins Spiel, an dem der EZB-Präsident erstmals seit drei Jahren teilnehmen werde. Auch der 7. September wird laut Helaba als Datum für ein Ausstiegssignal aus der ultralockeren Geldpolitik seitens Mario Draghi gehandelt.

Einen möglichen Grund für den vorzeitigen Abbau der Käufe in Höhe von derzeit 60 Milliarden Euro monatlich macht die ABN Amro Bank an knapper werdenden Anleihen von Staaten wie Deutschland, den Niederlanden und Finnland fest. Die Währungshüter hätten seit einigen Monaten die vorgesehene Bond-Quote von Kernländern mit überdurchschnittlichen Käufen von französischen und italienischen Staatsanleihen erreicht.



Zinsbarometer angeschlagen

Beim Euro-Bund-Future rechneten nach Beobachtung von Stopp bis vor kurzem nur wenige Marktteilnehmer damit, dass eine Marktkorrektur schon so kurz bevorsteht. Aus technischer Perspektive werden sich die dunklen Wolken dem Rentenhändler der Baader Bank zufolge erst bei einem nachhaltigen Unterschreiten von 0,50 Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen wieder verziehen. Hierzu wäre ein Anstieg beim Euro-Bund-Future über die psychologische Marke von 162 Prozent notwendig. "Dazu muss man schon viel Phantasie haben", urteilt Stopp. Halt macht der Händler bei 160,71 und darunter bei 160,46 Prozent aus. "Die äußeren Einflüsse seitens der Notenbanker sind nicht vorhersehbar, daher ist jederzeit ein Test der Unterstützung möglich."

Höhere Kosten für Deutschland

Bei tendenziell gen Norden gerichteten Zinsen muss auch die deutsche Regierung für die Aufnahme von Schulden wieder tiefer in die Tasche greifen. Die Zuteilung für eine in dieser Woche emittierte zehnjährige Bundesanleihe (WKN 110242) im Volumen von 5 Milliarden Euro erfolgte laut Stopp bei einer Durchschnittsrendite von 0,59 Prozent, nachdem die Deutsche Finanzagentur diese Gattung (WKN 110240) im Vorjahr noch zum Nulltarif und im Februar dieses Jahres (WKN 110241) für einen Kupon von 0,25 Prozent bekam. Dass sich diese Serie so fortsetzen wird, ist nach Meinung der Baader Bank keineswegs ausgemachte Sache. "Anleger sollten nicht den Fehler machen, diese Schritte für zukünftige Neuemissionen als gegeben einzuplanen."

Abkehr von der HSH Nordbank
 

Das Geschäft mit Unternehmensanleihen beschreiben Händler als tendenziell verhalten. Diskussionen um den Verkauf der mit wackligen Schiffskrediten in Höhe von 10 Milliarden Euro belasteten HSH Nordbank sorgten für Druck bei entsprechenden Bonds, wie Gregor Daniel bemerkt. Ein mit 1,9 Prozent verzinster Wert der Nordlichter (WKN 542696) sei ebenso häufig abgestoßen worden wie ein Bond (WKN A0EY63) mit einem Kupon von 7,25 Prozent. "Beide Werte gaben im Wochenverlauf ordentlich nach", registriert der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Als potenzielle Käufer für die HSH stünden derzeit die Finanzinvestoren Apollo und Cerberus ebenso im Raum wie die Beteiligungsgesellschaft Lone Star und der Investor J.C. Flowers. Allerdings haben die nur Interesse an den gesunden Teilen der Landesbank, wie Stopp erklärt. Für die gleichzeitige Übernahme der internen "Bad Bank" müssten die Eigner Hamburg und Schleswig-Holstein noch eine Schippe drauflegen. Für etwaige Garantien entstünde zusätzlicher Finanzbedarf von drei bis vier Milliarden Euro. "Als wahrscheinlich gilt, dass die so genannte Abbaubank mit weiteren Bürgschaften der Länder ausgestattet und unter deren Dach abgewickelt wird."

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Offen sei bei dieser Variante, ob eine separate Abwicklung der Abbaubank ohne ein weiteres Beihilfeverfahren der EU möglich ist. Brüssel habe die Unterstützung der Länder nur unter der Auflage genehmigt, dass die Bank privatisiert oder geschlossen wird. Bei einer kompletten Abwicklung würden nicht nur die Länder stärker belastet. Privaten Anlegern drohe der Ausfall ihrer Forderungen. Immerhin habe die HSH Investmentzertifikate über mehrere Milliarden Euro begeben, von denen das Gros von den Sparkassen an ihre Privatkunden verkauft worden sei.

Anleger vertrauen auf Deutsche Bank

Eine in der vergangenen Woche emittierte, bis 2024 laufende Unternehmensanleihe von Hapag Lloyd (WKN A2GSC0) mit einem 5,125 prozentigen Kupon und einer Stückelung von 100.000 Euro ist Daniel zufolge weiterhin gefragt. Aktuell ist der mit einem Volumen von 450 Millionen Euro ausgestattete Bond für 100,55 Prozent zu haben.

Hoch sei zudem das Kaufinteresse an einer neuen dreijährigen Anleihe der Deutschen Bank (WKN A2GSC3) mit Volumen von 1,5 Milliarden US-Dollar, einem jährlichen Zins von 2,7 Prozent und einer Mindestanlage von 1.000 US-Dollar.

von: Iris Merker
14. Juli 2017, © Deutsche Börse AG
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