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19.02.2016 14:56:05
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Börse Frankfurt News

Anleihen: Zwischen Bangen und Hoffen



Bonds bonitätsstarker Länder bleiben trotz Erholung der Aktienmärkte gefragt, auch an einzelnen Mittelstands-Anleihen finden Anleger Gefallen.
19. Februar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). An den internationalen Märkten hat sich die Stimmung in dieser Woche spürbar verbessert. DAX und Dow Jones Industrial haben über 700 Punkte zugelegt, nachdem sich die asiatischen Börsen von den Neujahrsfeierlichkeiten mit stabileren Kursen zurückmeldeten. "Der erneute Anstieg der Preise macht Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung bei Öl, was insbesondere für die Schwellenländer von Bedeutung wäre", begründet Arthur Brunner.

Trotz höherer Risikobereitschaft der Anleger hielten sich qualitativ hochwertige Staatsanleihen ebenfalls recht gut. Bei zwischenzeitlich hektischem Auf und Ab notiert das deutsche Rentenbarometer am heutigen Freitag nach wie vor über 165 Prozent. Gleichzeitig gerieten Bonds der Peripheriestaaten zwischenzeitlich unter Druck, was nach Ansicht des Händlers der ICF Bank eher ein Krisenzeichen ist. Etwa hätten die zeitweiligen Verluste zehnjähriger portugiesischer Bonds die Rendite in der Spitze auf 4,5 Prozent getrieben. Ebenso rentierten spanische Anleihen gleicher Laufzeit höher. "Das Thema Sicherheit spielt in den Köpfen der Anleger weiterhin durchaus eine Rolle", schließt Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank aus den Bewegungen am Kapitalmarkt.

Notenbanken wieder am Zug
 

Die Aussicht auf eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik hüben wie drüben habe zur Beruhigung beigetragen. "Weltweit könnte es eine neue Runde billigen Geldes geben", meint Brunner. In dieser Woche hat EZB-Dragi einmal mehr auf die hinreichende Flexibilität bei den Anleihen-Käufen hingewiesen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank beobachtet. "Mit ihrem inzwischen auf 1,5 Billionen Euro angelegten Programm will die Notenbank erreichen, dass Geschäftsbanken weniger in Staatsanleihen investieren und stattdessen mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben." Dies würde die Konjunktur unterstützen und die Inflation anheizen. Nur lasse der große Durchbruch bisher auf sich warten.

Klaus StoppStopp
 
Sollte der EZB-Rat im März weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen, wachse das Lager der Kritiker bezüglich der aus Stopps Sicht reformverhindernden Zinspolitik um eine weitere exponierte Person. Laut Nachrichtenmagazin Spiegel wird Wolfgang Schäuble beim G20-Treffen Ende des Monats in Shanghai die Trommel für eine Kehrtwende der ultralockeren Geldpolitik rühren. "Nach Auffassung des deutschen Finanzministers führt die Politik des billigen Geldes zu immer neuen Blasen an den Finanzmärkten."

Planänderung der Federal Reserve?
 

"In den USA scheint, wenn überhaupt, maximal eine weitere Zinserhöhung für dieses Jahr anzustehen", ergänzt Brunner. "Auch ein mögliches Zurückrudern der Federal Reserve steht im Raum."

Stopp sieht in der Korrektur der Bondstrategie von BlackRock ein Indiz für eine mögliche Änderung des eingeschlagenen geldpolitischen Pfades. Nachdem die Zinsen in den USA erst im Dezember angehoben wurden, erwarte der weltgrößte Vermögensverwalter nun eine weitere Lockerung. "Sollte diese Rolle rückwärts passieren, würden neue Unsicherheiten ausgelöst", ist Stopp überzeugt.

Arthur BrunnerBrunner
 

Apple überzeugt

Über den Primärmarkt für Unternehmensanleihen hat sich Apple mit der Ausgabe von neun Anleihen verschiedener Laufzeiten insgesamt erfolgreich 12 Milliarden US-Dollar frisches Geld besorgt, wie Brunner berichtet. Für den Händler ist das ein Zeichen des Vertrauens in Unternehmen mit Investment Grade.

Mittelstands-Anleihen selektiv auf Erholungskurs

Nach dem Ausverkauf der vergangenen Wochen hat sich auch die Lage bei Mittelstands-Anleihen stabilisiert. "Das gesamte Segment wurde in den vergangenen Monaten nicht zuletzt durch die German Pellets-Pleite in Sippenhaft genommen," weiß Brunner.

Anleihen wie die von KSW Immobilien (WKN A12UAA) mit einer Laufzeit bis Oktober 2019 und einem jährlichen Zins von 6,5 Prozent konnten laut Brunner in dieser Woche deutlich zulegen. Die Projektgesellschaft der KSW-Gruppe zur Errichtung und Verpachtung des Hotel- und Restaurantprojekts habe nach dem Verkauf von "Kosmos-Ensemble" den Rückkauf der Anleihe angekündigt. Ab dem 7. Oktober 2016 könne KSW die Anleihe zu 103 Prozent des Nennwerts zurückzahlen. Im Wochenverlauf hat der Wert von 96,15 auf aktuell 103,45 Prozent gewonnen.

Obwohl sich die Aktie von Travel24 seit vergangener Woche etwas erholt hat, kann eine im September 2017 fällige Anleihe des Unternehmens (WKN A1PGRG) davon kaum profitieren, wie Brunner registriert. Die Anleihe notiert aktuell bei 25 Prozent. "Anleger spielen offenbar derzeit alles oder nichts."

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft spricht von ansehnlichen Umsätzen mit einer Stada-Anleihe (WKN A14KJP), die in beide Richtungen gehandelt würde. Der in 2022 fällige Wert mit einem Kupon von 1,75 Prozent tritt auf Wochensicht mit etwas über 100 Prozent mehr oder weniger auf der Stelle. Insbesondere zum Wochenbeginn tendenziell verkauft worden ist Daniel zufolge ein BWW-Bond (WKN WKN A1ZN0T) mit 1,25 Prozent jährlichen Zinsen und einer Laufzeit bis 2022.

von: Iris Merker
© 19. Februar 2016 - Deutsche Börse AG
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