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18.01.2019 08:43:00
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Kolumne

Baader Bond Market: ''Märkte reagieren eher gelassen auf Brexit-Votum''



Rentenhändler Klaus Stopp bespricht die Woche am Rentenmarkt - die Auswirkung des Brexit-Wirrwarrs, der zunehmenden Verschuldung, insbesondere Italiens, und berichtet über einige Neuemissionen.
18. Januar 2019. MÜNCHEN (Baader Bank). Noch ist das, was der Governor der Bank of England, Mark Carney, schon 2016 als das "größte Risiko für die Finanzstabilität Großbritanniens" bezeichnet hat, der Austritt des Landes aus der EU, nicht Realität geworden. Und muss es auch nicht zwingend werden. Aber nach der Klatsche, die sich Premierministerin Theresa May vom Parlament für ihren ausgehandelten Brexit-Vertrag eingefangen hat, herrscht Chaos auf der Insel. Dass die Kapitalmärkte angesichts der Situation relativ gelassen, ja scheinbar lethargisch reagieren, liegt an zwei Gründen. Zum einen war das Votum von den Börsianern erwartet worden, wenn auch nicht in dieser Deutlichkeit. Und zum anderen sind ja keine wirklich neuen Fakten entstanden. Dies ist am Kurs des britischen Pfunds ablesbar, das zunächst um 0,7 Prozent auf 1,2766 US-Dollar nachgegeben hatte, um sich anschließend auf 1,2895 US-Dollar zu erholen.

Renditeaufschläge für zehnjährige britische Staatsanleihen ziehen an

Doch nicht nur am Devisenmarkt, sondern auch am Bondmarkt kam es zu Bereinigungen eingegangener Absicherungsmaßnahmen und das führte beispielsweise bei der Rendite zehnjähriger britischen Staatsanleihen (aktuell: ca. 1,31 Prozent) gegenüber deutschen Bundesanleihen zu einer Spread-Ausweitung von bis zu 108,6 BP. Zu Jahresbeginn beliefen sich die Renditeaufschläge noch auf 104,1 BP.



Welcher Weg kann aus dem Chaos führen?

Welcher Weg nun aus dem Chaos führen soll, lässt sich schwer voraussagen. Man erinnert sich angesichts der verworrenen Situation humoristisch an Obelix, der in dem Comic-Abenteuer "Asterix bei den Briten" die Eigenarten der Inselbewohner gerne mit "Die spinnen, die Briten" kommentiert hat. Und ernsthaft betrachtet, wäre es aus Sicht der Europäer doch schön, wenn die Briten endlich für Klarheit sorgen würden. Nicht von Ungefähr forderte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker das Vereinigte Königreich auf, seine Absichten schnellstmöglich intern zu klären und offenzulegen. Doch bevor ein Plan B als Lösung aus dem Hut gezaubert werden konnte, musste Theresa May zuerst ein Misstrauensvotum überstehen.

Hätte das Parlament May die Gefolgschaft verweigert und wäre dem Misstrauensantrag von Oppositionsführer Jeremy Corbyn gefolgt, wäre der Weg für Neuwahlen frei gewesen. Um aber ihre Macht zu erhalten, verhinderten Mays Tories den Sturz der Premierministerin - obwohl sie der Regierungschefin doch kurz zuvor eine krachende Niederlage bereitet hatten. Alle nun noch möglichen Optionen haben jedoch ihre Tücken.

Schliddert Großbritannien sehenden Auges ins Chaos?

Zum einen könnte der Brexit noch einseitig von Großbritannien gestoppt werden. Doch diese Variante erscheint politisch nicht durchsetzbar. Aber auch ein zweites Referendum, von dem keiner wüsste, wie es ausgeht, würde für großen Druck sorgen. Zumal hierzu ein Aufschub des Austrittdatums am 29. März notwendig wäre und dazu auch die anderen 27 EU-Staaten ihre Zustimmung geben müssten. Nach jüngsten Meldungen der Zeitung "The Times" wäre hierzu die Europäische Union sogar bereit und entsprechende Pläne sollen bereits geprüft werden. Doch angesichts der anstehenden Europa-Wahlen vom 23. bis 26. Mai würde dies sogar neue Probleme schaffen, wie beispielsweise die Rolle der Briten bei den Wahlen. Sollte sich die EU hierauf nicht einlassen wollen, zumal die Briten dann noch sehr wahrscheinlich Zugeständnisse mit Brüssel aushandeln möchten, würde ein ungeregelter Brexit näher rücken. Den will eigentlich kein vernünftig denkender Mensch, weder in Brüssel noch in London, außer den sturen Hardlinern unter den Brexiteers. Sollte das Vereinigte Königreich also sehenden Auges in ein Chaos schliddern, weil es im Parlament keine Mehrheit für einen wie auch immer gearteten Austrittsvertrag gibt? EU-Chefunterhändler Michel Barnier jedenfalls beurteilt das Risiko eines Brexits ohne Abkommen so hoch wie noch nie. Sollte es so kommen, müsste man Obelix Recht geben.

Die konservativen Abgeordneten aus Mays Tory-Partei wissen zwar "No" zu sagen (Motto: "No Deal, no Problem"), sind aber nicht in der Lage auszudrücken, was sie en Detail wollen, insbesondere wie man die Grenzfrage zwischen Nordirland und der Republik Irland lösen könnte. Sie lehnen auch die Auffanglösung ("Backstop") ab, die einen Verbleib in der Zollunion, gegebenenfalls auch befristet, vorsieht und so eine "harte" Grenze verhindert.

May könnte versuchen, ihren Deal aufzuhübschen

Vor diesem Hintergrund dürfte es May erneut versuchen, Brüssel Zugeständnisse abzuverhandeln, um ihren Deal aufzuhübschen und dem Parlament schmackhaft zu machen. Ob dies gelingt, wird sich bald zeigen. Denn bereits am Montag ist erneut Mayday: Dann muss die Premierministerin dem Parlament ihren Plan B vorstellen und nach maximal 7 Sitzungstagen darüber erneut abstimmen lassen. Die Uhr tickt also gnadenlos. Jedoch hat man den Eindruck, dass infolge der seit 2017 durchgeführten Renovierungsmaßnahmen am Elisabeth Tower die Briten nicht mehr wissen, was die Stunde geschlagen hat!

EZB sorgt sich um Monte dei Paschi

Man kann es sich im Leben sehr einfach machen. Und zwar mit der Devise "Wenn es schlecht läuft, sind immer die anderen schuld". Nach diesem Motto agieren Populisten. Und Matteo Salvini ist ein solcher. Diesmal sind es die Vorgaben der EZB-Aufseher, die von Instituten in der Euro-Zone mehr Rückstellungen für faule Kredite verlangen, was Italiens Vize-Ministerpräsident nicht in den Kram passt. Jedoch ist es nicht die Schuld der EZB, dass insbesondere italienische Banken davon betroffen sind. Die europäischen Währungshüter haben den Banken der Eurozone - und wohlgemerkt nicht nur italienischen Instituten - eine Frist bis 2026 gegeben, um Rücklagen zur Abdeckung ihrer Problemkredite i.H.v. 657 Milliarden Euro zu bilden. Es geht also darum, die faulen Kredite entweder zu verkaufen oder mit Eigenkapital abzudecken.

Salvini attackiert Bankenaufsicht

So nennt er das Vorgehen der EZB ein "Foulspiel", das politisch motiviert sei und Italiens Banken 15 Milliarden Euro kosten könnte. Die EZB attackiere das Bankensystem in Italien, so die Argumentation des rechtspopulistischen Lega-Führers. Weil davon 225 Milliarden Euro auf italienische Institute entfallen, trifft die Aufforderung der EZB, die Non Performing Loans (NPL) bis 2026 voll abzuschreiben, die italienischen Banken am härtesten.

Vize-Ministerpräsident wirft im Glashaus mit Steinen

Dass der Vertreter eines Landes für dessen Interessen eintritt, dagegen ist nichts zu sagen. Salvini aber stellt die Realitäten auf den Kopf. Er wäre gut beraten, wenn er im Glashaus sitzend nicht mit Steinen werfen, sondern stattdessen lieber schweigen und kooperativ mit der EZB zusammenarbeiten würde. Denn natürlich ist es sowohl im Interesse eines stabilen Finanzsystems als auch der Aktionäre von Banken, dass die Institute gesunde Bilanzen aufweisen. Und dass die EZB hier Druck aufbaut, gehört schlicht und einfach zu deren begründeten Aufgaben. Welche Maßnahmen sonst notwendig werden, zeigt das Beispiel der Banca Carige. Diese wurde von der EZB erst vor wenigen Tagen unter Zwangsverwaltung gestellt. Außerdem sorgt sich die EZB erneut um das Bankhaus Monte dei Paschi di Siena (MPS). In einem Schreiben an den Vorstand begründen die Bankenaufseher dies mit Schwächen bei der Kapitalausstattung und der Profitabilität des Instituts. Erst vor knapp drei Jahren war die älteste Bank der Welt nach einer gescheiterten Kapitalerhöhung mit knapp 7 Milliarden Euro von Rom gerettet worden. Italien hält seitdem 68,5 Prozent an der Bank.

Vertrauensabstimmungen hoch im Kurs

Auch in Griechenland musste sich der Ministerpräsident Alexis Tsipras zur Wochenmitte der Vertrauensfrage stellen. Denkbar knapp konnte er diese jedoch mit 151 zu 149 Stimmen für sich entscheiden. Dies ebnete den Weg für eine Unterzeichnung des Mazedonien-Abkommens, wird aber für Spannung bei weiteren Regierungsaktivitäten sorgen.

Weltweite Schulden auf Rekordniveau

Bei der Höhe dieser Zahl kann einem schwindelig werden. Auf den Rekordwert von mehr als sage und schreibe 244 Billionen US-Dollar türmt sich der Berg der weltweiten Schulden von Privathaushalten, Unternehmen und Staaten. Das ist das Ergebnis des am Dienstag veröffentlichten Schuldenmonitors des Internationalen Finanzinstituts in Washington für das dritte Quartal 2018.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung nimmt Verschuldungsquote ab

Und dabei gibt es sogar noch eine gute Nachricht. Aufgrund des weiterhin stabilen Wirtschaftswachstums nimmt die Verschuldungsquote gemessen an der weltweiten Wirtschaftsleistung sogar ab - und zwar von 320 Prozent auf 318 Prozent seit 2016. Absolut gesehen aber ist die Verschuldung um 12 Prozent angewachsen.

Schwellenländer besonders betroffen

Die höchsten Verschuldungszuwächse verzeichnen dabei die Schwellenländer, die mit starken Kapitalabflüssen zu kämpfen haben. Besonders betroffen sind davon Argentinien, Brasilien und die Türkei. Viele Staaten wie Ägypten, Nigeria, Kolumbien und Argentinien müssen spätestens Ende 2020 große Teile ihrer Staatsschulden wieder refinanzieren. Nicht von Ungefähr bezeichnet der Internationale Währungsfond (IWF) die massive Verschuldung als eines der wesentlichen Risiken für die Weltwirtschaft und somit auch für die Finanzmärkte.

USA sollte Lösung bei Shutdown in Angriff nehmen

In diesem Zusammenhang sei aber auch noch auf die Schuldenproblematik in den USA hingewiesen. Nachdem die Fronten im Haushaltsstreit dermaßen verhärtet sind, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass ohne baldige Einigung am 1. März zusätzlich die Verschuldungsobergrenze zum Tragen kommt. Vieles erinnert hierbei an das Geschicklichkeitsspiel Mikado (wer sich bewegt, verliert) und man darf gespannt sein, wer dieses Stäbchen bewusst bewegen wird, um sich einen Vorteil in der öffentlichen Wahrnehmung zu verschaffen.

Weber statt Weidmann oder beide?

Momentan hat man das Gefühl, dass in Europa nichts mehr so ist, wie es noch vor einigen Jahren war. Und dabei denkt man sicherlich nicht nur an die Finanzkrise, sondern auch an die politischen Beziehungen der einzelnen Staaten untereinander. Dieser immer stärker werdende nationale Ansatz in der Denkweise verschiedener europäischer Regierungen ist nicht zuletzt in Ungarn und Polen festzustellen, die ein anderes Verständnis von gemeinsamen Werten und einem entsprechenden Handeln haben. Aber auch der Reformstau in Frankreich sowie Italien und der daraus resultierende Unwille in der Bevölkerung ist kurz vor den Europawahlen Ende Mai zum Problem geworden. Denn man kann davon ausgehen, dass in das neue EU-Parlament immer mehr "Europa-kritische" Politiker einziehen werden und vielleicht ist das der Grund, weshalb die Regierung der Bundesrepublik Deutschland inzwischen bei verschiedenen europäischen Chefposten ihre Ansprüche anmeldet. Jedoch hat man in der Vergangenheit stets innerhalb der Gemeinschaft versucht, keinem Staat zu viele Schlüsselpositionen zuzuschreiben, was zumindest bei Italien - nach Meinung verschiedener Beobachter - nicht konsequent umgesetzt wurde.

Deshalb macht es durchaus Sinn, mit Manfred Weber, dem Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkpartei (EVP), den Spitzenkandidaten für Europas Konservative und somit einen möglichen Nachfolger des bisherigen EU-Präsidenten in Position zu bringen. Diese Vorgehensweise hat bisher inkludiert, dass der als möglicher Kandidat auf den Chefsessel bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelte Bundesbankpräsident Jens Weidmann nicht zum Zuge kommt. Jedoch sollte insbesondere in solch unruhigen Zeiten der bestmögliche Kandidat ausgewählt werden und kein Verteilen der Posten nach Staatsbürgerschaft erfolgen. Um dazu allerdings überhaupt in der Lage zu sein, hat die Bundesregierung beschlossen, den Ende April auslaufenden Vertrag von Jens Weidmann um weitere 8 Jahre zu verlängern.

Jedoch wird auch ein Nachfolger für den überraschend zum 1. Februar zurückgetretenen Weltbank-Chef Jim Yong Kim gesucht. Da in der Vergangenheit stets ein US-Bürger dieser Institution vorstand - was allerdings inzwischen nicht mehr der wachsenden Bedeutung der Schwellenländer gerecht wird - schossen Spekulationen bis hin zu einer möglichen Berufung von Ivanka Trump ins Kraut. Dies hätte zwar sicherlich in das Verhaltensmuster ihres Vaters gepasst, wurde aber inzwischen von offizieller Seite dementiert und so werden u.a. mit der ehemaligen Pepsico-Chefin Indra Nooyi oder Ray Washburne, dem Chef der Entwicklungshilfe-Organisation der USA, erste Kandidaten genannt. Jedoch erklärte die Weltbank-Führung, dass bei der Besetzung des Chefpostens auch Nicht-US-Bürger berücksichtigt werden. Das Verfahren soll transparent sein und man hofft, die Entscheidung über die Nachfolge Kims bis Mitte April getroffen zu haben.

Fresenius bringt zwei Anleihen mit Privatanleger freundlicher Mindeststückelung

Endlich bringt ein Unternehmen mal wieder zwei Bonds mit einer Mindeststückelung von 1.000 Euro an den Kapitalmarkt, dürften sich viele Privatanleger in dieser Berichtswoche gedacht haben, als Fresenius die Details für seine zwei Anleihen bekannt gab. In letzter Zeit haben Unternehmen immer wieder auf die besonders bei institutionellen Kunden beliebte Mindeststückelung von 100.000 Euro zurückgegriffen, wie dies die beiden anderen Emittenten Fedex und Vinci machten.

Deutschlands größter privater Krankenhausbetreiber Fresenius begab gleich zwei Bonds und sammelte so insgesamt 1 Milliarden Euro am Kapitalmarkt ein. Dabei zahlt das Unternehmen den Investoren bei der ersten Tranche (A2NBMS) bis zur Fälligkeit am 15.02.2025 einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,875 Prozent. Begeben wurde das Papier zu 99,257 Prozent, was einem Emissionsspread von +165 BP über Mid Swap gleichkam. Abgerundet wird das Angebot mit einem Kündigungsrecht seitens des Emittenten - jederzeit ab dem 15.11.2024 - zu 100 Prozent. Ebenfalls 3 Monate vor Endfälligkeit am 15.02.2029 ist die zweite Anleihe (A2NBMT) von Fresenius zu 100 Prozent kündbar. Der Bond ist mit einer jährlichen Verzinsung von 2,875 Prozent ausgestattet und wurde zu 99,164 Prozent begeben. Dies entsprach einem Spread von +215 BP über Mid Swap.

Das weltweit operierende Logistikunternehmen Fedex mit Sitz in Memphis nahm mittels einer dreijährigen Anleihe frisches Geld am Kapitalmarkt auf. Mit dem 640 Millionen Euro schweren Bond (A2RWNH) refinanziert sich das Unternehmen, welches weltweit mehr als 330.000 Mitarbeiter beschäftigt, bis zum 13.05.2022 zu einem Zins von jährlich 0,70 Prozent. Der Spread von +75 BP über Mid Swap bedeutete einen Ausgabepreis von 99,929 Prozent. Fedex nahm eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen auf.

Als Letzter im Bunde begab der französische Baukonzern Vinci eine Anleihe mit einem Volumen von 950 Millionen Euro. Der Bond (A2RWMX) zahlt den Gläubigern bis zur Fälligkeit am 18.01.2029 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 1,625 Prozent. Der Emissionspreis lag bei 99,034 Prozent, was einem Spread von +93 BP über Mid Swap entsprach. Das Unternehmen mit Sitz in Rueil-Malmaison nahm neben einer Make Whole Option einen zusätzlichen Kündigungstermin in die Emissionsbedingungen auf. So ist der Bond drei Monate vor Endfälligkeit jederzeit ab dem 18.10.2028 zu pari kündbar.

von Klaus Stopp.

18. Januar 2019, © Baader Bank

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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