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29.03.2019 11:31:38
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Kolumne

Baader Bond Market: "Unter der Nullrendite-Linie"



Klaus Stopp berichtet umfassend von den Rahmenbedingungen und der Handelswoche im Anleihemarkt.
29. März 2019. MÜNCHEN (Baader Bank). Nachdem bisher nur Staatsanleihen Japans und der Schweiz negative Renditen vorweisen konnten, ist nun auch die Bundesrepublik Deutschland Mitglied dieses erlesenen Clubs. Erstmals seit Oktober 2016 fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wieder unter die Nullrendite-Linie. Vor Jahresfrist rentierten solche Staatsanleihen noch mit ca. +0,60 Prozent, aber aktuell nur noch mit ca. -0,083 Prozent. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren neben diversen wirtschaftlichen sowie politischen Entwicklungen in der Vergangenheit die jüngsten schwachen Konjunkturdaten und die Kommentare führender Notenbanker. Dadurch ist nun das letzte Fünkchen Hoffnung auf baldige Zinserhöhungen dies- und jenseits des Atlantiks erloschen.

In USA kippt die Zinskurve

Minuszinsen im zehnjährigen Bereich sind eine eindeutige Botschaft hinsichtlich der langfristigen Konjunkturerwartungen an die Marktteilnehmer. Darüber hinaus gilt das Kippen der US-Zinskurve als möglicher Indikator für eine Rezession. Denn vorangegangene Wirtschaftsabschwünge hatten sich bisher stets mit einer inversen Zinskurve angekündigt. Jedenfalls notieren die Renditen für dreimonatige US-Treasuries (ca. 2,44 Prozent) erstmals seit zwölf Jahren wieder über dem Wert für zehnjährige Bonds (ca. 2,36 Prozent). Auslöser hierfür war unter anderem die Aussage des Fed-Präsidenten Jerome Powell am vergangenen Mittwoch, als er eine Zinserhöhung für 2019 gänzlich ausschloss. Passend dazu äußerte sich auch der Präsidenten der Federal Reserve Bank von Chicago Charles Evans. Denn seines Erachtens sind die Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft derzeit größer als die Aufwärtsrisiken und somit sei es an der Zeit, eine Pause einzulegen. In eine ganz andere Richtung tendiert allerdings der Wunschkandidat Trumps für den vakanten Fed-Direktorenplatz, Stephen Moore. Nach seinem Dafürhalten ist es schon jetzt an der Zeit, die Zinsen um einen halben Prozentpunkt zu senken. Zum besseren Verständnis für diese Aussage sollte man allerdings wissen, dass es sich hierbei um Trumps Ex-Wahlkampfberater handelt und nicht auszuschließen ist, dass er sich revanchieren möchte.

Auch andere europäische Staatsanleihen gefragt

Aufgrund der Rezessionsängste und den anhaltenden geostrategischen Unsicherheiten sind aber nicht nur Bunds gefragt, sondern in diesem Zuge interessieren sich Investoren auch für Staatsanleihen anderer Eurostaaten. So nähert sich die Rendite zehnjähriger niederländischer Bonds mit 0,123 Prozent ebenfalls der Nulllinie, und auch französische Staatsanleihen können mit aktuell 0,297 Prozent von diesem Trend profitieren.



Japanisierung der europäischen Geldpolitik

Investoren, die vor Kurzem noch auf allmählich ansteigende Zinsen gesetzt hatten, müssen daher enttäuscht sein. Kein Wunder also, dass so mancher Beobachter bereits von einer "Japanisierung" der europäischen Geldpolitik redet. Bekanntlich sind die Renditen für zehnjährige Bonds aus Tokio durch die extrem lockere Geldpolitik der Bank of Japan seit vielen Jahren im Bereich der Nulllinie verankert und es ist zu befürchten, dass auch die Europäische Zentralbank den rechten Zeitpunkt der Zinswende verschlafen hat. Man hat seitens der Notenbanker zwar den Politikern der Eurozone Zeit für eine Haushaltssanierung verschafft, jedoch wurde diese nur in den wenigsten Fällen genutzt.

Theresa May spielt ihren letzten Trumpf aus

Jetzt ist es doch noch so weit gekommen. Theresa May hat ihren Hut in den Ring geworfen und ihren Rücktritt angeboten, um ihren Deal durch das Parlament bringen zu können. Ob dieser Plan aufgehen wird, steht allerdings immer noch in den Sternen. Denn niemand vermag zu sagen, ob der Sprecher des Unterhauses diesem Wunsch entsprechen würde. Und trotz der von Boris Johnson, einem der prominentesten Brexit-Befürworter, signalisierten Bereitschaft, unter diesen Umständen dem Deal zuzustimmen, ist eine Mehrheit für Mays Deal immer noch nicht in Sicht.

In dem Abstimmungsmarathon wurden alle acht vom Sprecher des Unterhauses, John Bercow, vorgeschlagene Alternativen zum Brexit-Deal abgelehnt. Das Parlament hat lediglich der von Brüssel vorgeschlagenen Brexit-Verschiebung auf den 12. April bzw. 22. Mai 2019 zugestimmt. Somit geht die Hängepartie nun weiter. Allerdings hat man mit der beschlossenen Umsetzung der neuen Termine in britisches Recht vielleicht auch die Möglichkeit am 1. April erneut eine Abstimmung über den Deal von Theresa May anzusetzen. Lirpa, Lirpa!

China kann für die Finanzmärkte zum Problem werden

Mit der vielfach romantisierten Seidenstraße, ohne die ein Stoff-, Gewürz- und Opiumhandel nicht möglich gewesen wäre, hat das chinesische Projekt gleichen Namens nicht mehr viel zu tun. Bezeichnenderweise ist es China, das dieses Vorhaben nach seinen Vorstellungen vorantreibt. Gemäß dem Motto: "Wer zahlt, schafft an" hat man schon rund 200 Mrd. Euro in weltumspannende Standorte gesteckt - unter anderem in den Ausbau von Häfen und Straßen in Pakistan sowie Afrika, um die Vertriebswege neu zu strukturieren. Die nötigen Devisenreserven für ein solches Projekt hat das Reich der Mitte durch seine Handelsüberschüsse angehäuft. Und jetzt baut Peking - zum Leidwesen von Hamburg und Rotterdam - im Süden Europas die italienischen Häfen Triest und Genua aus, was den Seeweg nach Europa um fünf Tage verkürzt.

Bestimmt Europa nicht mehr die Regeln?

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der gerne auch mal in größeren Zusammenhängen denkt, erachtet die neue Seidenstraße als eines der wichtigsten geopolitischen Konzepte der letzten Jahrzehnte. Seines Erachtens würde das Projekt in einigen Regionen sicherlich für Stabilität sorgen, aber hegemonistisch sei es allemal. Daraus spricht die Furcht, dass die Seidenstraße eine Dynamik entfalten könnte und man auf dem eigenen Kontinent nur noch eine untergeordnete Rolle spielen würde. Deshalb haben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei dem Besuch von Chinas Präsident Xi in Paris versucht, die gemeinsamen europäischen Interessen zu vertreten. Schließlich wäre eine aktivere, gemeinsame Rolle der Europäer angesichts der "neuen Seidenstraße" wünschenswerter als dass die einzelnen europäischen Staaten um chinesische Gelder konkurrieren. Denn sollte es gelingen, gegenüber China als Partner auf Augenhöhe aufzutreten, könnte man gegebenenfalls die Seidenstraße dazu nutzen, einen Gegenpol zur protektionistischen Politik von D. T., dem Unberechenbaren, aufzubauen. Es geht also darum, die Seidenstraße als Chance zu erkennen. Und in diesem Zusammenhang hat Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian noch ein weiteres Argument angeführt: Man kann nicht gegen die Erderwärmung kämpfen, ohne China auf seiner Seite zu haben.

Der Geist der Schuldenkrise

Doch China wäre nicht China, wenn es nicht seine eigenen Beweggründe für ein solches Projekt hätte. Denn infolge des immer noch schwelenden Handelskrieges mit den USA, ist China auf der Suche nach neuen Handelspartnern. Dadurch kann man gegenüber den USA gefestigter auftreten und mit einer guten Konjunkturauslastung schwindet die Gefahr einer neuen Schuldenkrise, die aufgrund des gewaltigen Kreditberg Chinas droht. Nachdem Peking das rückläufige Wachstum der Wirtschaft durch eine monetäre und steuerliche Lockerung befeuert hat, gaben die Banken des Landes Kredite in Rekordhöhe aus, was den Schuldenberg auf 34 Billionen US-Dollar anwachsen ließ. Beobachter sprechen von einer regelrechten Schuldensucht. Daraufhin wurde eigens eine Kampagne gegen die Überschuldung von Staatsbetrieben und Lokalregierungen gestartet, die teilweise zwar erfolgreich war, aber gleichzeitig dem Wachstum schadete. Vielleicht muss man sich an bescheidenere Wachstumsziele gewöhnen, die für 2019 immerhin noch zwischen 6 und 6,5 Prozent liegen dürften.

Ein erneuter Haushaltsstreit mit Italien ist vorprogrammiert

Die EU-Kommission ist gut beraten, wenn sie ihr Augenmerk nicht nur auf die Verhandlungen mit London richtet, sondern sich schon jetzt auf einen erneuten Haushaltsstreit mit Italien vorbereitet. Denn Italien kommt wirtschaftlich nicht voran und die Wirtschaftsleistung ist in keinem anderen Land der Eurozone so rückläufig wie in Italien. Wie die Tageszeitung "Sole 24 Ore" berichtet muss Rom seine Konjunkturprognose drastisch senken, und zwar von 1 auf 0,1 Prozent. Damit wird auch die mit der EU vereinbarte Neuverschuldung von 2,04 Prozent nicht zu halten sein. Vielmehr rechnet man in Rom dem Bericht zufolge mit rund 2,3 Prozent.

Im Rahmen des Haushaltsverfahrens muss Rom schon bald seine Etatpläne für die Jahre 2020 und 2021 vorlegen. Da die Prognosen der EU-Kommission und der Regierung in Rom nicht annähernd gleich sind, sondern sich dramatisch voneinander unterscheiden, erwartet der Vize-Chef der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, schwierige Verhandlungen.

China springt zur Seite

Wie uneinsichtig Rom zurzeit agiert, verdeutlicht auch die Tatsache, dass Rom als bisher einziges G7-Land in das Projekt "neue Seidenstraße" eingebunden wurde. Die dabei unterzeichneten Vereinbarungen mit einem Gesamtvolumen von mehreren Milliarden Euro, unter anderem für den Bau von Stahlfabriken in China oder den Export von Landwirtschaftsprodukten wie Orangen und Schweinefleisch sind ein willkommenes Konjunkturprogramm für Italien. Umgekehrt steckt Peking insbesondere in die Häfen von Genua sowie Triest eine Menge Geld und erweitert mit dem Projekt seinen wirtschaftlichen aber auch politischen Einfluss.

Dabei könnte man angesichts der Schuldensituation Italiens auch auf die Idee kommen, dass sich hier ein Muster wiederholt, das man bereits von Griechenland kennt. Im überschuldeten Hellas hatte sich China unter anderem 51 Prozent des Athener Hafens Piräus gesichert. Und nun nützt Peking auch die Situation des wirtschaftlich angeschlagenen Italiens aus, um seine geostrategische Expansion fortzusetzen.

Befürchtungen nicht nur im restlichen Europa

Ob dies am Ende allen Beteiligten nutzen wird oder Italien sich in eine Abhängigkeit von China begibt, wird sich schon bald zeigen. Befürchtungen gibt es jedenfalls nicht nur im restlichen Europa. Auch Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hat von Peking gefordert, das Abkommen dürfe keine Einbahnstraße sein. Die Regierung in Rom aber gibt sich demonstrativ unbeeindruckt - auch gegenüber den skeptischen Tönen in der EU.

Im anstehenden Europa-Wahlkampf wird Italien sein wahres Gesicht zeigen und es ist zu befürchten, dass Rom einem vom Brexit geschwächten Europa Zugeständnisse abringen wird.

von Klaus Stopp.
29. März 2019, © Baader Bank

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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