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23.02.2018 10:15:24
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Kolumne

Baader Bond Markets: "Die Finanzmärkte im Schatten der Notenbanken"



Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche am Rentenmarkt zurück.
23. Februar 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Normalerweise sagt man immer: "Wenn Du nicht mehr weiterweißt, dann bilde einen Arbeitskreis". Dies trifft im übertragenen Sinne auch auf die Notenbanker zu, und deshalb trifft man sich in gewissen Zeitabständen zu geldpolitischen Beratungen. Um den Marktbeobachtern eine Möglichkeit zu geben, in die Gedankenwelt der Währungshüter einzutauchen, hat man sich bei der US-amerikanischen Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vor längerer Zeit entschlossen, die Protokolle der Sitzungen mit einem zeitlichen Delay zu veröffentlichen.

Auf der Ratssitzung am 30. und 31. Januar wurde bei der Fed nicht nur der Wechsel an der Spitze vollzogen, sondern auch das Zinsniveau bestätigt. Die anschließenden Kommentare ließen allerdings nicht darauf schließen, dass man Zweifel an der bisherigen Markterwartung - mehrere Zinsanhebungen im Laufe des Jahres - hegen muss. Diese Einschätzung hat sich nach der Analyse der gestern publizierten Minutes nicht geändert, denn die Notenbanker äußerten die Zuversicht, dass die Inflation in diesem Jahr anziehen und man mittelfristig die angepeilte Teuerungsrate von 2 Prozent erreichen wird. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Zinserhöhung bereits im nächsten Monat deutlich.

"Fed-Minutes"
 

Aber auch das heute Nachmittag zu veröffentlichende EZB-Sitzungsprotokoll vom 25. Januar wird infolge der Äußerungen Draghis zum Euro-Wechselkurs insbesondere im Hinblick auf Kommentare zu den Risiken für das Erreichen des Inflationsziels in Augenschein genommen. Denn mit der bisherigen Aufwertung des Euros ist die anvisierte Inflationsrate von annähernd 2 Prozent wieder in weite Ferne gerückt. Zumal die Wechselkursrhetorik des US-Finanzministers Steven Mnuchin sowie die Schuldenpolitik der US-Regierung nicht dazu geeignet sind, mit einem festeren US-Dollar zu rechnen. Der Handlungsspielraum für die Währungshüter in der Eurozone ist somit deutlich eingeengt worden, und die Marktbeobachter erhoffen sich Hinweise auf die weitere Vorgehensweise.

"EZB-Protokoll"
 

Jedoch geht es bei Notenbanksitzungen nicht nur um die weitere Geldpolitik, sondern in diesen Tagen auch um anstehende Personalentscheidungen. So wird sicherlich auf der am gestrigen Mittwoch abgehaltenen "Nicht-geldpolitischen EZB-Sitzung" viel über anstehende Personalien (Vize-Chef und die Folgen der Korruptionsvorwürfe gegen den lettischen Zentralbankchef) gesprochen worden sein. Doch auch in den USA sind noch einige Positionen bei der Fed zu besetzen. Und nicht zuletzt steht nach der erneuten Nominierung des bisherigen japanischen Notenbankchefs, Haruhiko Kuroda, für weitere fünf Jahre noch die Bestellung zweier Stellvertreter aus. Die Wahl ist hierbei auf den Bank of Japan-Direktor Amamiya und den Universitätsprofessor Wakatabe gefallen, der als Vertreter einer aggressiven geldpolitischen Lockerung gilt.

"Es geht nicht immer nur um Zinsen."
 
Finanzplatz London ist auch nach dem Brexit keine Insel der Glückseligen



Manche Aussagen, die nicht mehr ganz neu sind, werden durch Wiederholungen nicht falsch. Dies trifft etwa auf das zu, was nun Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret gegenüber der "Welt" geäußert hat. Er warnte vor einem Deregulierungswettlauf mit Großbritannien nach dem EU-Austritt des Königreichs. Während sich manche britischen Politiker für den Brexit ja tatsächlich Vorteile im Wettbewerb der Finanzplätze ausrechnen, drängt Dombret auf gemeinsame Regeln, um Risiken im globalen Finanzsystem entgegenzuwirken. "Es gibt keine rein nationalen Finanzsysteme mehr", macht der Bundesbanker klar. Will heißen, Großbritanniens Finanzsystem kann auch nach dem Brexit keine Insel der Glückseligen sein. Dombret plädiert deshalb dafür, offen für ein von der britischen Bankenlobby vorgeschlagenes Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen zu sein. Ein solches Abkommen, das man zeitaufwändig verhandeln müsste, könnte den Banken - auch nach dem Brexit - grenzüberschreitende Geschäfte erleichtern.

"Dombret drängt auf gemeinsame Regeln."
 

Die Londoner Bankenvereinigung UK Finance hatte ein solches Freihandelsabkommen für Bankdienstleistungen 2017 vorgeschlagen und angeregt, die Lizenzen der Banken und Finanzdienstleister gegenseitig anzuerkennen. Ferner soll bei der Aufsicht auch nach dem Austritt des Landes am 29. März 2019 weiterhin eng zusammengearbeitet werden. Kurzum: Man würde mit dem Brexit alle bisherigen Abkommen aufkündigen, um anschließend die Regularien auf beiden Seiten so schnell wie möglich wieder anzuerkennen, nur eben nicht unter dem Label EU.

"Nachdenken über Freihandelsabkommen für Finanzen."
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Bisher will die EU-Kommission von einem solchen Ansinnen nichts wissen, weil man den Binnenmarkt nicht aufweichen will. Dombret, der um die Bedeutung des Finanzplatzes London weiß, versucht hier schon mal über die Zeit nach dem eigentlichen Austritt hinauszudenken. Das macht die EZB ohnehin, verlangt sie doch von umzugswilligen Auslandsbanken, ihre konkreten Brexit-Pläne offenzulegen - und zwar bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2018. Schließlich brauchen die in London angesiedelten Institute Tochtergesellschaften mit Sitz in einem EU-Staat. Lizenzanträge für ihr Einlagen- und Kreditgeschäft gibt’s eben nur bei der EZB, die seit November 2014 die größten Bankengruppen im Euroraum direkt beaufsichtigt.

"EZB macht Druck auf umzugswillige Banken mit Sitz in London."
 

Letztendlich weiß auch Brexit-Minister David Davis, dass es London nach dem EU-Austritt nicht einfacher haben wird. Man wolle nicht in eine Welt wie in den düsteren Endzeit-Filmen "Mad Max" abrutschen, in der es keine Regeln gäbe, sagte er diese Woche. Davis und andere Minister aus London waren auf Werbetour in Europa, um zu versichern, ihr Land sei auch nach dem Brexit ein verlässlicher Partner. Ob man sich konkret näher kommt, wird sich erst in der zweiten Brexit-Verhandlungsrunde zeigen, die im März beginnt. Zumindest bis dahin ist die Angst vor Mad Max noch nicht vom Tisch.

"Der Brexit und die Angst vor "Mad Max""
 
Altmaier gibt den Schäuble

Natürlich sind die Fußstapfen groß, die Wolfgang Schäuble seinem Nachfolger als Bundesfinanzminister, Peter Altmaier, hinterlassen hat. Aber der Neue gibt sein Bestes. Wie Schäuble, der sich als harter Verhandlungsführer gegenüber Griechenland profiliert hatte, pocht nun auch Altmaier vor der Auszahlung weiterer Hilfsgelder an Griechenland auf die Einhaltung von Reformauflagen seitens Athens.

"Bundesfinanzminister pocht auf Einhaltung der Reformauflagen seitens Athens."
 

Die Finanzminister der Währungsunion waren diese Woche in Brüssel zusammengekommen, um über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche vom 6,7 Milliarden Euro an Athen zu beraten, für die eigentlich schon am 22. Januar grünes Licht gegeben wurde. Laut Diplomaten sind lediglich zwei von insgesamt 110 Reformen von Athen noch nicht umgesetzt worden. Dabei geht es zum einen um die Einführung eines Systems zur Zwangsversteigerung von Immobilien überschuldeter Eigentümer via Internet. Und zum anderen steht die Privatisierung des ehemaligen Athener Flughafens Hellenikon aus, der in ein Touristenareal umgewandelt werden soll.

"Fitch stuft Griechenland hoch."
 

Unterdessen sieht Fitch Griechenland weiter auf dem Wege der Besserung. So hat die Ratingagentur die Bonität des Landes von "B-" auf nun "B" heraufgesetzt, und das bei einem positiven Ausblick. Fitch begründet das Upgrade mit der zügigen Umsetzung der Reformvorgaben und der Erwartung, dass Griechenland das aktuelle Programm pünktlich bis August dieses Jahres abschließen kann. Außerdem wird erwartet, dass die Eurogruppe dem Land im Laufe des Jahres noch weitere Schuldenerleichterungen einräumen wird. Allerdings sollte man bei aller Freude über die Anhebung der Bonitätsbewertung nicht vergessen, dass die neue Bonitätsnote "B" immer noch Ramschniveau bedeutet und der Investmentgrade-Bereich fünf Stufen entfernt ist. Gestern hat sich auch die Ratingagentur Moody's zu diesem Schritt entschlossen. Der Eurostaat wird nun dort mit "B3" nach zuvor "Caa2" (extremly speculative) bewertet.

"Moody's auch."
 
Sixt bringt 6-jährigen Bond



In dieser Handelswoche ließen es die Unternehmen am Primärmarkt für Corporate Bonds eher ruhig angehen. So besorgten sich lediglich Sixt, Grand City Properties und Icade frisches Geld am Kapitalmarkt.

Die Autovermietung Sixt begab einen 6-jährigen Bond (A2G9HU) mit einer Laufzeit bis zum 21.02.2024 und refinanzierte somit erfolgreich 250 Millionen Euro. Sixt zahlt seinen Investoren jährlich 1,50 Prozent Zinsen und stattete das Papier mit der bei Privatanlegern beliebten Mindeststückelung von 1.000 Euro aus. Ebenfalls wurde ein optionaler Kündigungstermin 2 Monate vor Endfälligkeit in den Emissionsbedingungen festgeschrieben. So ist der Bond ab dem 21.12.2023 jederzeit zu 100 Prozent kündbar. Emittiert wurde zu 98,75 Prozent, was einem Spread von +105 bps über Mid Swap gleichkam.

"Privatanleger-freundliche Mindeststückelung von 1.000 Euro bei Sixt-Anleihe"
 

Grand City Properties begab in dieser Woche eine 500 Millionen Euro schwere Anleihe (A19WVU) mit einer Laufzeit bis zum 22.02.2027. Dieser 9-jährige Bond ist mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,50 Prozent ausgestattet und wurde zu 97,115 Prozent begeben. Dies kam einem Emissionsspread von +80 bps über Mid Swap gleich. Das luxemburgische Immobilienunternehmen, welches sich auf den Erwerb und die Sanierung von Wohnimmobilien in Deutschland spezialisiert hat, nahm eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen auf. Zusätzlich gibt es am 22.11.2026 ein Kündigungsrecht seitens des Emittenten zu 100 Prozent.

"Grand City Properties zahlt Investoren 1,50 Prozent Zinsen jährlich."
 

Als letzter im Bunde konnte das französische Immobilienunternehmen Icade erfolgreich 600 Millionen Euro am Kapitalmarkt einsammeln. Die Gesellschaft mit Sitz in Paris stattete den Bond (A19WVX) mit einem Kupon von 1,625 Prozent aus. Fällig wird das Papier am 28.02.2028. Der Emissionsspread belief sich auf +65 bps über Mid Swap, was einem Emissionspreis von 98,438 Prozent entsprach. Icade ließ sich neben einer Make Whole Option einen optionalen Kündigungstermin in die Anleihebedingungen aufnehmen. Folglich kann der Emittent die Anleihe am 28.11.2027 zu 100 Prozent kündigen. Sowohl Grand City Properties als auch Icade wählten für Ihre Bonds die Mindeststückelung von 100.000 Euro.

"Französischer Immobilienspezialist Icade nimmt 600 Millionen Euro auf."
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23. Februar 2018, © Baader Bank AG

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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