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02.03.2018 08:08:09
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Kolumne

Baader Bond Markets: "Drei, vier oder doch nur zwei Zinserhöhungen in den USA?"



Klaus Stopp blickt umfassend auf die Woche am Rentenmarkt zurück.
3. März 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Eine Antwort auf diese Frage erhofften sich die Marktteilnehmer von der ersten Anhörung des neuen Fed-Präsidenten, Jerome Powell, im Kongress. Das halbjährlich stattfindende Testimony vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses war die erste Gelegenheit, eine seriöse Einschätzung der zukünftigen US-Notenbankpolitik vorzunehmen. Die mit Spannung erwarteten Ausführungen lassen den Eindruck entstehen, dass die von seiner Vorgängerin eingeleitete behutsame Normalisierung der Geldpolitik auch weiterhin Bestand haben wird. Somit wird sich die Zinspolitik an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren und nicht als ausgesprochen aggressiv zu bezeichnen sein.

Die Schwierigkeit wird also darin bestehen, einen Mittelweg zwischen dem Vermeiden einer Überhitzung der US-Wirtschaft und dem Erreichen des angepeilten Inflationszieles zu finden. Sollte wider Erwarten die Konjunktur zu heiß laufen, so hat Powell bereits jetzt signalisiert, die Zinsen auch schneller anzuheben. Viele Marktbeobachter haben diesen Hinweis als Indiz für vier Zinsanhebungen in 2018 angesehen, jedoch erscheint mir diese Schlussfolgerung als zu voreilig. Denn die US-Unternehmen und somit die gesamte US-Konjunktur profitieren aktuell von einer Vielzahl von Faktoren, die nur eine begrenzte Haltbarkeit haben. So werden die jetzt wirksam gewordenen steuerlichen Effekte nicht ewig die Ertragslage der Unternehmen verbessern und auch die Schutzzölle sind nicht dazu geeignet, eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu erzeugen. Bezeichnete man früher die USA immer als die Lokomotive der Weltwirtschaft, trifft die Aussage nach der Installation von Schutzzöllen und den damit provozierten Gegenmaßnahmen betroffener Handelspartner mit Sicherheit nicht mehr zu.



Somit führt die "America-First"- Denkweise des Lokomotivführers D.T., dem Unberechenbaren, für die USA früher oder später aufs Abstellgleis. Es ist also noch nicht sicher, ob die US-Wirtschaft das halten kann, was man sich in den USA von den ganzen Maßnahmenpaketen verspricht und somit Jerome Powell überhaupt auf einen strafferen Kurs umschwenken muss.

"Manövriert D.T. die Lokomotive der Weltwirtschaft aufs Abstellgleis?"
 

Ob und wann die andere bedeutende Notenbank, die Europäische Zentralbank (EZB), auf den Kurs der US-Notenbank (Fed) einschwenken wird, ist die zweite an den Finanzmärkten oftmals gestellte Frage. Jedoch gibt es bereits zwischen Chef und designiertem Vize unterschiedliche Auffassungen hierzu. So sieht der neue Stellvertreter de Guindos eine Annäherung der EZB-Politik an die Fed-Vorgaben. EZB-Präsident Mario Draghi betont hingegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit - trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Eurozone - die Notwendigkeit einer sehr lockeren Geldpolitik. Hatte man nach der Veröffentlichung des Protokolls der Ratssitzung vom 25. Januar noch den Eindruck, dass sich alle Mitglieder des EZB-Rates inzwischen mit einem Kommunikationswechsel inclusive der Forward Guidance zu Anleihekäufen und Zinsen angefreundet hätten, so ist dies eher als neuerliches Indiz für die Zerrissenheit innerhalb des EZB-Rates zu werten.

Vor diesem Hintergrund bekommt die im Protokoll nachzulesende Ankündigung, "die Sprachregelung zum geldpolitischen Kurs könne im frühen Jahresverlauf 2018 überprüft werden", einen anderen Sinn. Denn dieser Prozess kann sich auch über einen Zeitraum von mehreren Sitzungen hinziehen und nicht Gegenstand eines einzigen Treffens der EZB-Ratsmitglieder sein. Es scheint also weiterhin bei den EZB-Notenbankern so zu sein, dass die Angst vor der eigenen Courage einen eindeutigen Kommunikationswechsel verhindert.

"EZB noch nicht reif für den Kommunikations-Wechsel"
 
Wo Parteien das Azurblaue vom Himmel herunter versprechen

Am 4. März finden in Italien die Parlamentswahlen statt. Und wieder reden viele Beobachter von einem Schicksalstag für Europa. Gar von einem "Countdown ins Chaos" schreibt der "Stern". Denn die volkswirtschaftlichen Herausforderungen des Landes sind enorm. So verharrt die italienische Staatsverschuldung zwar wegen des anziehenden Wirtschaftswachstums, das die EU auf unterdurchschnittliche 1,5 Prozent für 2018 taxiert, auf stabilem Level. Allerdings befinden sich die wirtschaftlichen Kennzahlen allesamt auf sehr hohem Niveau. Mit 2,3 Billionen Euro oder horrenden 132 Prozent des BIPs weist Italien die weltweit dritthöchste Staatsverschuldung auf und mit gut 15 Prozent an der Gesamtkreditsumme bilden Problemkredite einen dreimal so hohen Anteil wie im Durchschnitt der Währungsunion. Zieht man die Rückstellungen ab, so haben die faulen Kredite laut der italienischen Zentralbank ein Volumen von 81 Milliarden Euro. Und die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 32,2 Prozent weiterhin extrem hoch.

"Am 4. März wählt Italien"
 

Auf die Parteien, die um den Einzug ins Parlament ringen, warten also riesige Herausforderungen. Aber nicht die wirtschaftliche Lage ist es, die zentrales Thema des Wahlkampfes geworden ist. Nach Schlagzeilen über einen angeblich von einem Nigerianer verübten Mord und den darauffolgenden Schüssen eines Neofaschisten auf dunkelhäutige Menschen in der Kleinstadt Macerata dreht sich alles um das Thema Sicherheit. Natürlich ist dies ein wichtiges Thema. Aber den großen wirtschaftlichen Problemen scheint keine Partei in Italien gerecht zu werden. Ein Macron à la Italiana ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, sinnvolle Reformen der früheren italienischen Regierungen Monti und Renzi, etwa in puncto Rente und Arbeitsmarkt, werden infrage gestellt. Von Steuersenkungen bis Grundeinkommen würden "vor allem Wahlgeschenke" versprochen, beobachtet die Konrad-Adenauer-Stiftung. Anders ausgedrückt, die Parteien versprechen dem Wahlvolk das "Azurblaue vom Himmel" herunter.

"Volkswirtschaftliche Herausforderungen des Landes sind enorm"
 
Dabei ist völlig unklar, wer Italien künftig regieren wird. Denn drei ähnlich starke Lager stellen sich zur Wahl. Stärkste Einzelpartei könnte die populistische, europafeindliche Bewegung "Fünf Sterne" werden. Aber auch die Rechtspopulisten der Lega Nord konnten in den aktuellen Umfragen deutlich zulegen. Und dann ist da noch Silvio Berlusconi. Auf den Wahlplakaten seiner Forza Italia steht zwar "Berlusconi Presidente", obwohl er bis Ende 2019 als verurteilter Steuerhinterzieher gar kein politisches Amt bekleiden darf. Man darf also gespannt sein auf den 4. März und das Ergebnis der italienischen Parlamentswahl - zumal das auch noch der Tag ist, an dem das Ergebnis des Mitgliedervotums der SPD bekanntgegeben werden soll.

Für beide Ereignisse wappnet man sich bereits in Brüssel. Die EU-Kommission bereite sich auf mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten nach der Italien-Wahl und dem SPD-Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag in Deutschland vor, hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei einer Diskussionsveranstaltung zunächst verraten, um das Gesagte danach wieder zurückzuziehen. Nein, so sollte seine Aussage nicht fehlinterpretiert werden, betonte Juncker. Des Weiteren merkte er noch an, dass es seines Erachtens nach der Wahl in Italien eine handlungsfähige Regierung geben werde.

Sinn warnt vor Macron

Hans-Werner Sinn ist auf Emmanuel Macron nicht gut zu sprechen. So hat der ehemalige Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung die kommende Bundesregierung in der "Welt am Sonntag" davor gewarnt, dem französischen Staatspräsidenten bei der Reform der Euro-Zone zu weit entgegenzukommen. Bei einer Umsetzung von Macrons Ideen würde die Euro-Zone nur kurzfristig stabilisiert, aber langfristig destabilisiert werden. Dabei dreht es sich im Kern immer wieder um dasselbe Thema: Die Vertiefung der Eurozone als eine Umschreibung für die Vergemeinschaftung von Schulden. Wenn Deutschland für die Schulden der Euro-Partner bürgt, so Sinns Argumentation, können sich die Länder Südeuropas munter weiterverschulden. Und dies würde eine neue Verschuldungswelle lostreten, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des ganzen Kontinents schwächen würde.

"Länder Südeuropas könnten sich munter weiter verschulden"
 
Neue Schulden muss die Bundesrepublik derzeit jedenfalls nicht machen. Mit 1.475 Milliarden Euro Einnahmen und Ausgaben von 1.438 Milliarden Euro erzielte der deutsche Staat 2017 einen rekordhohen Finanzierungsüberschuss von 36,6 Milliarden Euro. Noch nimmt die Bundesrepublik also mehr ein als sie ausgibt. Ob das mit einer Großen Koalition aus Union und SPD auch noch so sein wird, darf zumindest bezweifelt werden. Auch das Versprechen des designierten Wirtschaftsministers Altmaier, die erfolgreiche Arbeit von Wolfgang Schäuble weiterzuführen, hat keine beruhigende Wirkung entfalten können. Zumal den Sozialdemokraten oftmals nachgesagt wird, dass sie am liebsten das Geld der Anderen ausgeben.

EU erwägt Regulierung des Bitcoins

Noch im Dezember war der Bitcoin auf ein Rekordhoch von 20.000 US-Dollar geklettert. Anfang Februar erfolgte dann der Absturz der Digitalwährung auf 6.000 US-Dollar, bevor sie sich wieder auf über 10.000 US-Dollar erholt hat. Kein Zweifel, der Bitcoin ist heftigen Schwankungen ausgesetzt. Und wie die EU-Kommission es sieht, ist die Kryptowährung in ihrem Wert nicht sicher, so dass Investoren Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren. Daher schließt Brüssel ein Vorangehen bei der Regulierung von Kryptowährungen nicht mehr aus, wie jetzt der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis sagte. Bereits vor zwei Wochen hat die Kommission die Finanzaufsichtsbehörden gebeten, die Warnhinweise für Anleger zu verschärfen.

"Kryptowährung in ihrem Wert nicht sicher"
 
Bei einer künftigen Regulierung geht es der EU auch darum, die Anti-Geldwäscherichtlinie auf Bitcoins anzuwenden. Für weiterführende Regulierungsschritte bedarf es aber Absprachen auf internationaler Ebene. Schließlich werden Kryptowährungen auf der ganzen Welt gehandelt. Es sei ein globales Phänomen, und deshalb sei eine globale Antwort nötig, sagte Dombrovskis. Allerdings merkte er auch an, dass Europa die Chancen annehmen müsse, welche die Kryptowährungen bieten. Wie die genau aussehen sollen, ließ Dombrovskis aber offen.

Bisher jedenfalls eröffnet insbesondere die Nicht-Regulierung von Bitcoin und Co. die Chance für wilde Spekulationen.

3. März 2018, © Baader Bank AG

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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