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01.06.2018 10:34:46
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Kolumne

Baader Bond Markets: "Italien lässt die Märkte nicht zur Ruhe kommen"



Klaus Stopp blickt auf die Woche an den europäischen Finanzmärkten zurück, die durch die Situation in Italien sichtlich in Aufruhr sind. Die teils nicht mehr durch Nachrichten begründbare Volatilität des sonst eher trägen Bund-Futures zeuge von Panik.
1. Juni 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Trotz diverser Themen, die in normalen Zeiten die Finanzmärkte weltweit beschäftigen würden, dreht sich momentan alles um die Frage: "Was macht Italien mit dem Euro und seinen Partnern?" Hatte einst Helmut Kohl noch darauf gedrungen, dass Italien zu den Gründungsmitgliedern der gemeinsamen Währung gehört, so muss man sich inzwischen fragen, ob das wirklich eine gute Idee war. Politisch kann man es immer noch nachvollziehen, aber wirtschaftlich war Italien schon lange Zeit eines der Sorgenkinder Europas. Dies von der drittstärksten Wirtschaftsnation im Euroraum zu behaupten, lässt bereits tief blicken!

So hat Italien einen Schuldenberg angehäuft, der getrost als einer der höchsten bezeichnet werden kann. 2,3 Billionen Euro Schulden und davon der größte Teil bei der eigenen Bevölkerung, das macht die Sache für eine kommende Regierung nicht einfacher. Käme es zu einem Schuldenschnitt, so wäre auch die eigene Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen und das gilt es aus Sicht der populistischen Parteien zu vermeiden. Noch weiß niemand, ob Italien in den kommenden Monaten auf Neuwahlen zusteuert oder es doch noch zu einer populistischen Regierungskoalition kommen wird. Jedoch wird auch ein erneuter Urnengang der italienischen Bevölkerung keine neuen Machtverhältnisse hervorbringen. Zu groß sind die Vorbehalte innerhalb des italienischen Volkes, das sich schon seit Jahren von den Deutschen bevormundet sieht und in Deutschland erinnert man sich an die Anfänge der "Griechischen Tragödie". Auch damals waren die Deutschen die bösen Nachbarn, die nicht bereit waren, die Zeche der anderen zu bezahlen. Jedoch wurden anschließend Kompromisse im Umgang mit Athen eingegangen und darin liegt zum Teil auch die Ursache für die jetzige Krise. Die fehlgeleitete Euro-Rettungspolitik hat Begehrlichkeiten in vielen Ländern geweckt und den Aufstieg der radikalen Parteien erst möglich gemacht. Gemäß dem Motto: "Warum sparen, wenn es auch anders geht?"

Doch wie will man dieser Krise Herr werden und ist das überhaupt noch möglich? Im Vergleich zu Griechenland reden wir hier um einen zehnmal höheren Fehlbetrag, der refinanziert werden muss. Und wenn die Ideen der möglicherweise noch gestärkt aus Neuwahlen hervorgehenden antieuropäischen Bewegungen umgesetzt werden, so könnte das zum Platzen aller Träume eines geeinten Europas führen. In Zeiten einer schon lange nicht mehr für möglich gehaltenen Betonung eigener Interessen und Machtansprüche der US-Regierung wäre ein geeintes Europa wichtiger denn je. Aber geschwächt durch Brexit und die Abkehr vom Solidaritätsgedanken innerhalb Europas sind die einzelnen Staaten nicht in der Lage, eine gemeinsame Antwort auf politische Fehlentwicklungen zu geben. Und jetzt auch noch das! Italien hat ein ganz anderes Gewicht in der Eurozone als das Griechenland je hatte. Sollte sich Italien von dem gemeinsamen Wirtschaftsraum und dem Euro abwenden, so wäre das nicht mehr zu kompensieren. Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen und den Ausspruch von Mario Draghi "Whatever it takes" aus dem Jahre 2015 auf die neue Zeitrechnung übertragen, denn es ist an er Zeit, dass endlich unsere Politiker wach werden und ihrerseits Maßnahmen zum Zusammenwachsen Europas entwickeln. Immer nur auf die Europäische Zentralbank und die von ihr durchgeführten Ankaufprogramme zu setzen, ist keine Lösung, sondern nur ein Verschieben der Probleme in die Zukunft. Denn es ist an der Zeit, dass sich die Politiker ihrer Verantwortung bewusst werden und sich nicht nur hinter den Notenbankern verstecken.



Wie blank die Nerven der Finanzmarkt-Akteure liegen, zeigt die Entwicklung der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in Italien, die am 4. Mai noch mit ca. 1,71 Prozent und am gestrigen Mittwoch in der Spitze über 3,10 Prozent zu Buche stand, was natürlich auch Auswirkungen auf die Renditen anderer Peripheriestaaten hatte, die ebenfalls unter Druck kamen.

Lautenschläger erinnert die Politiker an ihre Aufgaben

Noch vor Wochen haben sich die Marktteilnehmer immer wieder mit der Frage beschäftigt, wann wird die Europäische Zentralbank nun endlich das Anleihekaufprogramm vollständig beenden und wie werden die weiteren Schritte sein. Doch die Welt hat sich verändert und die Frage, welche sich die Marktteilnehmer jetzt stellen, ist: "Wie reagiert die Europäische Zentralbank (EZB) auf diese neuerliche Vertrauenskrise?"

"Wann ist die EZB soweit?"
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Schenkt man der EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger Glauben, dann werden die aktuellen Verwerfungen an den Anleihemärkten nur bedingt Auswirkungen auf die weitere Geldpolitik der europäischen Notenbank haben. Denn sie betonte in ihrer Rede in Frankfurt, dass es nicht die Aufgabe der EZB sei, die strukturellen Probleme des Euroraums zu lösen und führte weiter aus: "Es ist an der Zeit für die Politik, zu handeln und die Reformwiderstände zu überwinden und zu tun, was getan werden muss." Wahre Worte!

In ihrer Rede deutete sie auch an, dass der Juni der Monat sein könnte, in dem die Notenbanker ein für alle Mal beschließen, Ende des Jahres die Nettoanleihekäufe zu beenden. Denn in den nächsten Monaten kommt es sicherlich nicht mehr darauf an, neues Geld zu investieren, da die bereits angekauften Anleihen auch weiterhin für einen Liquiditätsengpass sorgen werden, sondern viel wichtiger wird die Frage sein, ob angesichts der schwächeren Wachstumsaussichten in der Euro-Zone, möglichen Strafzöllen und der Italien-Krise die Spekulation auf eine erste Zinsanpassung Mitte 2019 noch sinnvoll erscheint. Schenkt man den Terminkontrakten Glauben, dann ist diese Erwartungshaltung zumindest vorerst etwas gedämpft worden.

Jedoch hat sich auch der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Augustin Carstens, dafür ausgesprochen, an dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik festzuhalten. Zumal seines Erachtens ein zu später und zu langsamer Ausstieg "große Gefahren" in sich berge. Zugleich warnte Carstens alle Notenbanker vor Experimenten mit dem weit verbreiteten Inflationsziel von 2 Prozent. Sollte vereinzelt nach jahrelanger Betonung dieses Ziels sogar ein Überschießen toleriert werden, so sieht er die Gefahr des Verlusts der Glaubwürdigkeit, deren Aufbau es vieler Jahre bedurfte. Diese aber zu zerstören, ist in sehr kurzer Zeit möglich und das gilt es zu verhindern.

"Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut der Notenbanken."
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Nur Gulaschsuppe wird durch mehrmaliges Erwärmen besser

Es gehört schon etwas Mut oder auch Blauäugigkeit dazu, in solchen Krisenzeiten die Werbetrommel für "Sovereign Bond Backed Securities (SBBS)" zu rühren. Das Timing konnte nicht schlechter sein! Bei diesen Bonds handelt es sich um verbriefte Bündel verschiedener Staatsanleihen aller 19 Euroländer. Der irische Notenbankpräsident Philip Lane ist einer der führenden Befürworter dieser Instrumente, wobei das Risiko, das Investoren eingehen, unterschiedlich vergütet wird.

"SBBS als der Weisheit letzter Schluss?"
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Die als sicher eingestuften European Safe Bonds enthalten etwa zwei Drittel erstrangige europäische Staatsanleihen und bringen somit etwas niedrigere Zinsen. Die European Junior Bonds hingegen haben ein höheres Ausfallrisiko, versprechen dafür aber höhere Gewinne. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass es solche Pläne in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat. Aber immer wieder hat Deutschland mit dem Hinweis auf die Gefahr eines Einfalltors für eine Vergemeinschaftung von Staatsschulden dieses Ansinnen abgelehnt. So hatte bereits in der Ära Wolfgang Schäuble der Wissenschaftliche Rat des Finanzministeriums davor gewarnt, dass bei einer Rückkehr der Schuldenkrise die SBBS massiv unter Druck geraten würden.

Wenn man sich die Entwicklung an den internationalen Rentenmärkten in den vergangenen Tagen vor Augen führt, dann kann jeder Marktteilnehmer nachvollziehen, was mit solchen gebündelten Wertpapieren passiert wäre. Käuferstreik wäre wahrscheinlich noch eine freundliche Umschreibung dafür. Einzig faszinierend ist hierbei und bei der "Finanztransaktionssteuer" mit welcher Sturheit die EU-Kommission immer wieder solche Themen aufwärmt. Vielleicht sollte man den Politikern in diesem Zusammenhang erklären, dass nur Gulaschsuppe durch mehrmaliges Erwärmen immer besser wird!

Es lebe das Chaos

Am besten lässt sich diese Handelswoche der Extreme mit der Buxl-Future-Bewegung belegen, der in der Berichtswoche aufgrund diverser Krisenmeldungen eine Bandbreite von fast 11 Punkten vorweisen konnte. Doch auch der als Sorgenbarometer der Eurozone bekannte Euro-Bund-Future hat bei vielen Rentenhändlern Schwindelgefühle verursachte, denn die Schnelligkeit der Auf- und Abwärtsbewegungen entbehrten oftmals der logischen Grundlage und waren nur mit Panik zu erklären. Annähernd 5 Punkte an Tradingrange waren somit auch in diesem Laufzeitsegment nicht verwunderlich und so wurde u.a. infolge eines Short-Coverings ein neues Jahreshoch bei 164,15 Prozent markiert.

Waren es zuerst die Forderungen der eurokritischen Regierung, die für Verstimmung an den Finanzmärkten sorgten und waren es anschließend - nach dem Scheitern - die Ängste vor einer nochmaligen Stärkung der populistischen Regierungsmehrheit infolge möglicher Neuwahlen, so müssen heute "die neuen Möglichkeiten zur Geburt einer politischen Regierung" mit ins Kalkül gezogen werden.

Die Chart-Analyse ist bei solch volatilen Marktbewegungen nur bedingt möglich, da eine Übertreibungsphase das gesamte Bild verfälscht. Wenn man diese Ausreißer bei der Marktbewegung herausrechnet, so bleibt immer noch eine Tradingrange zwischen 160,80 Prozent und der psychologischen Marke von 163 Prozent. Ob in den kommenden Tagen auch noch der Roll-Over vom Juni- in den September-Kontrakt für Verwerfungen sorgen wird, muss abgewartet werden.

Heute notiert der Euro-Bund-Future bei ca. 161,52 Prozent, was einer Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe von ca. 0,37 Prozent entspricht.

Der Wind pfeift um das "Euro-Haus"

Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich aktuell in einer tiefen Krise. Die politischen Unsicherheiten in Europa sowie auch die allgemeine Marktstimmung rund um den Globus wirken sich derzeit negativ auf den Euro aus.

So musste die Einheitswährung auch in dieser Berichtswoche neue Tiefschläge verkraften. Zur Wochenmitte fiel der Euro zwischenzeitlich bis auf 1,1510 US-Dollar zurück und notierte damit so niedrig wie im Juli vergangenen Jahres. Damit befindet sich der Euro auf aktuellem Niveau deutlich näher an seinem 12-Monatstief bei 1,1110 US-Dollar (30. Mai 2017) als am bisherigen Jahreshoch bei 1,2555 US-Dollar, aufgestellt Mitte Februar 2018. Das sah vor wenigen Wochen noch ganz anders aus. Einige Analysten sahen damals den Euro auf dem besten Wege in Richtung 1,30 US-Dollar. Bei dem jetzigen Marktumfeld hat es die gemeinsame Währung Europas ganz schwierig, sich aus dem Abwärtsstrudel zu befreien. Dazu fehlen momentan auch die nötigen Impulse. Zur Stunde handelt der Euro bei ca. 1,1700 US-Dollar.

Die türkische Lira konnte ihren Wertverfall nicht zuletzt durch die präsidiale Aufforderung, US-Dollar und Euro zu verkaufen, stoppen. Der Euro handelt derzeit um die Marke von ca. 5,22 Türkische Lira, nachdem in der Vorwoche noch ein Allzeithoch bei 5,7689 Türkische Lira erreicht wurde.

Das Vertrauen in den Euro ist durch die jüngsten Entwicklungen massiv erschüttert worden. Somit ist zu verstehen, dass die Privatanleger, welche bestrebt sind ihr Vermögen sorgfältig und risikobewusst anzulegen, auf Fremdwährungsanleihen in US-Dollar, brasilianischem Real, norwegischer Krone, türkischer Lira sowie australischem Dollar ausweichen.

von Klaus Stopp.
01. Juni 2018, © Baader Bank

Über den Autor

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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