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28.06.2018 11:24:25
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Kolumne

Baader Bond Markets: "Wink mit dem Zaunpfahl für die Notenbanken"



Klaus Stopp blickt umfassend auf die Wochen am Rentenmarkt zurück.
29. Juni 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Jetzt hat sich also auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zur weltweiten Neigung der Notenbanken geäußert, die Märkte mit Geld zu fluten. Und man kann sagen, die Experten aus Basel sind not amused. Um auf einen Konjunkturabschwung entsprechend reagieren zu können, sei es notwendig, die Geldpolitik weiter zu normalisieren, warnt die BIZ in ihrem Jahresbericht, was Mario Draghi als Wink mit dem Zaunpfahl auffassen muss. Und so begrüße ich den Appell von BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens an die Notenbanken, bitte die derzeit günstigen Bedingungen für die Bekämpfung von Schwachstellen zu nutzen.

Bietet doch der Wirtschaftsaufschwung die Chance, nötige Reformen durchzuführen und wirtschaftspolitische Maßnahmen neu auszurichten - eine Gelegenheit, welche die Notenbanken nicht verpassen sollten, bevor sich dieses Zeitfenster wieder schließt. So sieht die BIZ die Notenbanken, deren Devisenreserven sie verwaltet und für die sie auch als wirtschaftswissenschaftliche Denkfabrik dient, vor einer "heiklen Gratwanderung".

Dabei geht es darum, mit einer Normalisierung der Geldpolitik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Handlungsspielraum zurückzugewinnen, um die Anfälligkeit gegenüber langsam entstehenden Bedrohungen zu verringern, wie Generaldirektor Carstens warnt. Nur wenn die Notenbanken einen Leitzins deutlich über der Nulllinie festlegen, haben sie auch die Mechanismen in der Hand, auf einen sich abzeichnenden neuerlichen Inflationsanstieg zu reagieren. Auch sollte man eine Überreaktion vermeiden, wenn die Inflation hinter den Zielgrößen der Zentralbanken zurückbleibt bzw. die Volatilität an den Märkten vorübergehend ansteigt.



Mit ihrer Warnung trifft die BIZ insbesondere bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einen wunden Punkt, hat diese doch zuletzt zwar das Ausschleichen ihres Anleihekaufprogramms zum Jahresende avisiert. Doch will die EZB noch mindestens bis Herbst 2019 den Leitzins bei null belassen. Ich folge hier der Argumentation von BIZ- Generaldirektor Carstens, der mahnt, dass eine geldpolitische Normalisierung Spielraum für antizyklische Maßnahmen schaffen würde, die Gefahr finanzieller Schwachstellen mindern und den Schuldenaufbau bremsen würde. Denn eins ist klar, solange die EZB die Zinsen an der Nulllinie belässt, ist auch ihre Handlungsfähigkeit eingeschränkt.

Wider den Protektionismus

Der Handelskrieg zieht immer weitere Kreise und das nicht erst, seit das US-Repräsentantenhaus mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz verabschiedete, das schärfere Kontrollen für ausländische Investoren vorsieht. Dass ausgerechnet Harley-Davidson mit einer teilweisen Verlagerung der Produktion ins Ausland auf den herrschenden Handelskrieg reagiert, mag den, der die Gesetze des Marktes zu lesen weiß, nicht verwundern. Der traditionsreiche amerikanische Motorradhersteller, immerhin eine Industrie-Ikone der USA, will damit, der Logik des Marktes folgend, lediglich die Vergeltungszölle der EU umgehen. Dass ausgerechnet D. T., der Unberechenbare, der Harley-Davidson diese Situation eingebrockt hat, nun Verrat wittert, mag angesichts dessen, was wir inzwischen von Trump kennen, auch nicht mehr verwundern.

"Harley-Davidson folgt der Logik des Marktes, die Trump negiert."
 

Trumps Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium sowie die EU-Zölle haben den Motorradhersteller aus Wisconsin doppelt hart getroffen. Ohne die Produktion ins Ausland zu verlagern, rechnet Harley-Davidson mit Mehrkosten von bis zu 100 Millionen US-Dollar, weshalb man im zweitwichtigsten Markt Europa nicht mehr konkurrenzfähig sei. Trump reagierte auf das Vorhaben seines einstigen Lieblingsunternehmens mit Drohungen und üblen Beschimpfungen. Immerhin, bei führenden Republikanern im US-Kongress und Unternehmensverbänden trifft seine protektionistische Handelspolitik auf wachsende Kritik. Vor allem die Eskalation des Streits mit der EU sei kontraproduktiv, heißt es dort.

"Kritik an protektionistischer Handelspolitik "
 

So erachtet auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA und anderen großen Volkswirtschaften als eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft. Die Folgen könnten überaus gravierend sein, wenn sie als Bedrohung für das offene, multilaterale Handelssystem gewertet würden, schreibt die BIZ in ihrem Wirtschaftsbericht. Auch deutsche Konzernchefs beschwören immer wieder die Bedeutung des freien Handels für die Wirtschaft. Wer Waren mit Zöllen oder Handelsbarrieren künstlich verteuere, verringere das Volkseinkommen, sagte jüngst der Chef des Autozulieferers Conti, Elmar Degenhart.

"Handelskrieg sind eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft."
 

Alle diese Wahrheiten gehören nun mal zum 1x1 der Weltwirtschaft. Diese aber werden von der Trump-Administration, die ja gerne schon mal mit "alternative facts" argumentiert (ein anderes Wort für Lüge), negiert. Bekanntlich hat der Präsident ja bereits mit Strafzöllen auf Importautos gedroht. Auch dann würden die Reaktionen der Automobilhersteller nüchternen, wirtschaftlichen Abwägungen folgen. Sollten damit weitere Jobs in den USA gefährdet werden, wie etwa in der Stahlindustrie, ist kaum anzunehmen, dass Trump und seine Anhänger zur Einsicht kommen würden. Die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, scheint ihnen fremd zu sein!

"Trump scheint Fähigkeit zur Einsicht zu fehlen."
 
Griechenland erhält letzte Hilfszahlung

Das, was man Griechenland-Rettung nennt, geht nach acht Jahren zu Ende. Athen erhält zum Abschluss noch einmal einen Kredit in Höhe von 15 Milliarden Euro und eine Verlängerung der dringendsten Darlehenslaufzeiten um zehn Jahre. So sollen Zins- und Rückzahlungen älterer Kredite zehn Jahre später beginnen als ursprünglich geplant. Vom 20. August an soll sich Griechenland dann wieder über den Kapitalmarkt finanzieren können. Soweit der Plan

"Problem wird in die Zukunft verschoben."
 
Ob damit die griechische Krise vorbei ist, wie EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici sagte, darf allerdings in Frage gestellt werden. Denn mit der Ablehnung einer formellen Schuldentilgung durch die Gläubiger bleibt die Gesamtverschuldung Griechenlands bei strammen 180 Prozent des BIPs. Die vereinbarte Verlängerung der Kreditlaufzeiten um zehn Jahre verschiebt das Problem lediglich in die Zukunft.

Außerdem muss die griechische Regierung bis zum Jahr 2022 einen Primärhaushaltsüberschuss von 3,5 Prozent beibehalten und dann bis zum Jahr 2060 (!) durchschnittlich 2,2 Prozent ausweisen. Das haben schon wirtschaftlich stärkere Länder nicht geschafft. Aber es hat die Beibehaltung der Sparpolitik um weitere 42 Jahre zur Folge, was den Lebensstandard der Griechen kaum anheben wird. Dies bedeutet auch, dass die in Athen so ungeliebten Beobachterteams (früher Troika genannt) auch künftig vorbeischauen werden. Die Alternative wäre ein Schuldenschnitt gewesen, den der Internationale Währungsfonds (IWF) immer wieder gefordert hatte, aber insbesondere Deutschland stets vehement ablehnte. Ob nun mit der jetzigen Lösung, die eine Verlagerung des Problems auf nachkommende Generationen bedeutet, eine nachhaltige Schuldentragfähigkeit Griechenlands erreicht wird, darf zumindest bezweifelt werden.

Der IWF, der sich an dem dritten Hilfsprogramm für Griechenland nicht mehr beteiligt hatte, spielt nun an anderer Stelle in der Welt die Feuerwehr. Nachdem Argentinien den dramatischen Absturz des Pesos nicht hat verhindern können, wandte sich Buenos Aires an den wenig geliebten IWF. Dieser greift dem hochverschuldeten Land mit insgesamt 50 Milliarden US-Dollar unter die Arme, von denen nun 15 Milliarden US-Dollar ausgezahlt wurden. Ursachen für den dramatischen Absturz des ohnehin schon unter Druck stehenden Pesos sind vor allem die steigenden US-Zinsen, die den Run auf den US-Dollar beschleunigt haben.

"IWF unterstützt Argentinien."
 

Deutsche Bank besteht erste Runde im US-Stresstest

Es sei der härteste Test der Welt, sagen Bankmanager und meinen den Stresstest, bei dem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) durchrechnet, wie die Eigenmittelausstattung der Banken im Fall einer neuen Weltwirtschaftskrise aussehen würde. Das schlimmste Szenario sieht einen Anstieg der US-Arbeitslosenquote auf 10 Prozent vor, ein Absacken der Immobilienpreise um 30 Prozent bis 40 Prozent und zugleich ein Einbrechen der Kurse an den Aktienmärkten um zwei Drittel.

Selbst unter diesen drastischen Annahmen ist keine der 35 getesteten Banken durchgefallen, obwohl sie dann zusammen 538 Milliarden US-Dollar Verlust machen würden. Auch die krisengeplagte Deutsche Bank bestand die Prüfung. Zumindest was das Eigenkapital betrifft, erfüllt die US-Tochter der Deutschen Bank die Vorgaben der Fed. Demnach würde die Kernkapitalquote des Instituts selbst bei einer sehr negativen wirtschaftlichen Entwicklung nicht unter 12,2 Prozent fallen.

Doch zum Jubeln ist es noch zu früh. Denn die veröffentlichten Ergebnisse stellen nur den ersten Teil des Stresstests dar. Der zweite, wichtigere Teil folgt heute am 28. Juni, nach US-Börsenschluss. Hierbei rechnen die Prüfer der Fed nicht nur Bilanzen durch, sondern analysieren genau, wie eine Bank ihre Risiken und die Kapitalausstattung managt. Bei diesem Teil des Tests haben sie entsprechend mehr Ermessensspielraum. Sind die Prüfer nicht zufrieden, können sie US-Banken die Ausschüttung einer Dividende verbieten. Bei Auslandstöchtern ist dies zwar nicht möglich. Aber dennoch könnte die Fed der Deutschen Bank Vorschriften darüber machen, ob und wieviel Kapital sie der Konzernmutter in Frankfurt überweist. Für den neuen Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, ist also Demut angesagt.

"Der wichtigere Teil folgt heute am 28. Juni."
 
von Klaus Stopp.
29. Juni 2018, © Baader Bank

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.
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