Bitte warten...

20.04.2017 08:51:39
A A | Drucken
Kolumne

Hüfners Wochenkommentar: "Boom im Assset-Management"



Hüfner analysiert das Wachstum der Fondsindustrie, dass die meisten anderen Branchen in Schatten stellt, und dessen weitere Perspektive.
20. April 2017. MÜNCHEN (Assenagon). Alle klagen über das langsame Wachstum der Wirtschaft. Das reale Bruttoinlandsprodukt nimmt in den meisten großen Industrieländern nur noch um 1 Prozent bis 2 Prozent pro Jahr zu. Das ist für die Menschen kaum mehr wahrnehmbar. Leider wird das auch so bleiben. Die Gesellschaften werden älter. Es sterben mehr Menschen als Kinder geboren werden. Da bleibt für große Expansion kein Raum.

Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Es gibt nach wie vor Branchen, die stark wachsen. Dazu gehört etwa der ganze Bereich der High-Tech oder auch die vielen Start-ups, die überall aus dem Boden schießen. Umgekehrt gibt es Wirtschaftszweige, die langsamer expandieren oder gar schrumpfen. Musterbeispiele sind die Stahl- oder die Textilindustrie. Sie spielten viele Jahre eine große Rolle in Deutschland. Heute sind die Unternehmen dieser Branchen, die sich hier halten können, fast ausgestorben.

Zu den Sektoren, denen keine größeren Expansionsmöglichkeiten zugetraut werden, gehört auch die Finanzindustrie. Vielfach wurde sie als die Stahlindustrie der kommen-den Jahre bezeichnet. In der Grafik habe ich das Wachstum unterschiedlicher Branchen in den letzten Jahren aufgezeigt. Das nominale Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 2010 insgesamt um 21 Prozent erhöht. Die Industrieproduktion wurde nur halb so viel ausgeweitet, nämlich nur um 11 Prozent (das ist allerdings preisbereinigt und insofern nicht ganz vergleichbar). Die Bilanzsumme der Banken ist in der Zeit nur um 3 Prozent gestiegen. Die finanziellen Aktiva der Versicherungen haben sich um 31 Prozent erhöht.



Freilich kann man auch in der Finanzindustrie nicht alles über einen Leisten schlagen. Es gibt einen Bereich, der um Meilen hervorragt. Das ist das Asset Management beziehungsweise die Fondsindustrie. Das Volumen der von dieser Branche betreuten Gelder hat sich nach den Statistiken der Bundesbank seit 2010 um ganze 68 Prozent ausgeweitet. Das entspricht einer jahresdurchschnittlichen Zunahme um rund 9 Prozent. Das ist ungewöhnlich. Es widerspricht allen pessimistischen Aussagen über die schlechten Aussichten der Finanzindustrie. Asset Manager können optimistisch sein.

Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Es gibt vier Gründe, die dahinterstehen.

Erstens: die Ersparnis der privaten Haushalte. Es handelt sich hier um einen Betrag von zuletzt 180 Milliarden Euro pro Jahr. Er resultiert aus der Zunahme des verfügbaren Einkommens plus der relativ hohen Sparneigung. Aufgrund der demografischen Entwicklung legen heute auch junge Leute mehr für das Alter zurück als früher. Das wird auch so bleiben. Die Fondsindustrie bekommt nicht alles Geld aus dieser Ersparnis, aber sie wird weiterhin profitieren.


Quelle: Bundesbank, Wachstum einzelner Branchen, Deutschland, 2010 = 100


Zweitens: Die Kurssteigerungen, die das Volumen der von den Asset Managern betreuten Gelder steigen lassen. Sie sind bei den einzelnen Asset-Klassen natürlich sehr unterschiedlich. Bei Renten gab es in den letzten sechs Jahren eine Rendite von knapp 4 Prozent pro Jahr, bei Aktien von knapp 9 Prozent pro Jahr. Grob geschätzt kann man sagen, dass etwas mehr als die Hälfte des Wachstums der Asset Manager auf Kurssteigerungen zurückzuführen ist. Das ist viel. Es nutzt andererseits den Kunden. Kurssteigerungen können freilich nicht als sichere Wachstumsquelle einkalkuliert werden. Es wird immer auch mal Zeiten mit Kursverlusten geben.

Drittens: Die Umschichtungen von Spareinlagen in Wertpapieranlagen. Das war schon lange erwartet worden, ist bisher aber nie eingetreten. Erst jetzt durch die niedrigen Zinsen ist offensichtlich Bewegung in die Entwicklung gekommen. Die Menschen merken, dass sie mit ihren Sparkonten Verluste machen, weil die Preissteigerung höher ist als die Zinsen. Sicher müssen sie manche Einlagen aus Vorsichtsgründen und als Ersparnis für größere Ausgaben halten. Der Gesamtbetrag der Spareinlagen in Deutschland beträgt heute knapp 600 Milliarden Milliarden. So viel "Vorsichtskasse" wird sicher nicht gebraucht. Da fließt einiges in höherrentierliche Fonds ab.

Freilich braucht die Umschichtung von Spareinlagen Zeit. In den letzten zwei Jahren haben sich die Spareinlagen der privaten Haushalte um 19 Milliarden Euro verringert. Es ist zu vermuten, dass zumindest ein Teil davon bei der Fondsindustrie angekommen ist. Ich gehe davon aus, dass der Prozess weitergehen, sich vielleicht auch noch verstärken, wird.

von Dr. Martin Hüfner
20. April 2017, © Assenagon

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.