Bitte warten...

28.06.2018 08:45:59
A A | Drucken
Kolumne

Hüfners Wochenkommentar: "Damoklesschwert Protektionismus"



Hüfner analysiert, ob die theoretisch negativen Folgen von Handelsbeschränkungen auf Wachstumsraten, Inflation, den internationalen Handel und geopolitische Spannungen auch in der Praxis eintreffen könnten.
29. Juni 2018. MÜNCHEN (Assenagon). Protektionismus war der Schocker der Börse in den vergangenen Wochen. Die US-Amerikaner verschärften ihre Drohungen. Die Handelspartner reagierten mit Vergeltungsmaßnahmen. Die Anleger waren verunsichert. Der DAX ist in eineinhalb Wochen um 900 Punkte eingebrochen.

Das war im Prinzip das, was viele erwartet hatten. Ich möchte hier jedoch etwas Wasser in den Wein gießen. Natürlich gehen von protektionistischen Maßnahmen negative Effekte auf die Börsen aus. Ich glaube jedoch, dass bei dem Kurseinbruch auch andere Dinge eine Rolle spielten, wie die schwächer werdende Konjunktur oder die Zinserhöhung in den USA. Die negativen Wirkungen des Protektionismus werden sich erst später zeigen.

Rein theoretisch führt die Erhebung von Zöllen zu a) weniger Wachstum, b) mehr Inflation, c) einer Umlenkung von Handelsströmen und d) einer Verschlechterung der geopolitischen Situation. Schauen wir uns das im Einzelnen an.



Wachstum: Wenn man die Wirkung von Zöllen mit ökonometrischen Modellen untersucht, stößt man auf die erstaunliche Tatsache, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen der Amerikaner und ihrer Partner das Wirtschaftswachstum fast überhaupt nicht beeinflussen. Die Abgaben auf Aluminium und Stahl sowie auf die chinesischen Einfuhren werden das reale Bruttoinlandprodukt um vielleicht ein bis zwei Zehntel Prozentpunkte verringern. Wenn man die angedrohten Zölle auf Autos aus Europa und Japan dazu nimmt, kommt man auf etwas mehr. Es bleibt aber immer noch verkraftbar.

Interessant ist, dass das Wachstum sowohl in den USA als auch in China und Europa in ähnlicher Größenordnung betroffen ist. Es ist also keineswegs so, dass die USA einen Handelskrieg nur gewinnen können. Es gibt keine Gewinner, sondern nur Verlierer.

Hinzu kommen Effekte, die man in ökonometrischen Modellen nicht erfassen kann. Da ist einmal die Unsicherheit in den Unternehmen darüber, was alles noch passieren kann. Sie führt zu einem Attentismus der Investoren und Verbraucher. Der US-amerikanische Notenbankchef, Jerome Powell, hat in letzter Zeit mehrfach darauf hingewiesen, dass US-amerikanische Unternehmen Investitionen und Personaleinstellungen wegen der Unsicherheit über die Handelspolitik verschieben. In Europa ist ähnliches zu beobachten.

Deutschland: Aufträge aus dem Ausland


Jan 17 = 100, saisonbereinigt


Hinzu kommt, dass sich das Produktivitätswachstum verlangsamt. Die Produktionsverflechtung zwischen den Unternehmen ist in den letzten Jahren außerordentlich schnell gewachsen. Manche Produkte werden im Verlauf des Produktionsprozesses mehrfach über die Grenzen hin und her transportiert. Das erhöht die Produktivität. Es muss jetzt wegen der Zölle zurückgefahren werden. Das trifft die USA we-gen der Einbindung in den NAFTA-Raum stärker als Europa, das an den hiesigen Produktionsketten nichts ändern muss. Gravierend sind ferner die Wirkungen auf einzelne Unternehmen. Der Automobilkonzern Daimler beispielsweise hat jetzt wegen der protektionistischen Belastungen eine Gewinnwarnung herausgegeben. Hier spielen aber auch die Dieselaffäre und andere strukturelle Probleme in dem Sektor eine Rolle. Man darf nicht alle Schuld dem Protektionismus in die Schuhe schieben.

Inflation: Auch hier dürften sich die Auswirkungen gesamtwirtschaftlich gesehen in engen Grenzen halten. Nach ökonometrischen Modellen ist der Effekt geringer als ein Zehntel Prozentpunkt. Für den einzelnen Bürger kann das allerdings schon spürbar sein. Wer Whiskey trinkt, wird es nicht mögen, wenn dieser durch den Handelskrieg teurer wird.

Umlenkung von Handelsströmen: Längerfristig werden die Zölle zu einer Verschiebung der Handelsströme führen. Exporte und Importe zwischen Ländern, die nach wie vor frei sind von zusätzlichen Beschränkungen, werden zunehmen, die anderen werden abnehmen. Allerdings geht diese Verlagerung nicht so schnell. Die Grafik zeigt, dass die deutschen Auftragseingänge aus dem Ausland zuletzt aus den Ländern des Euroraumes zurückgegangen sind, diejenigen aus Drittländern dagegen gestiegen sind. Das ist genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich erwarten müsste.

Geopolitische Veränderungen: Der auf Dauer wichtigste Effekt ist die Zunahme der weltpolitischen Spannungen. Das schafft Unruhe, Unordnung und Unübersichtlichkeit in der Welt. So etwas mögen nicht nur die Börsen nicht. Manch einer denkt an die Weltwirtschaftskrise vor 90 Jahren, als der Zusammenbruch des Welthandels die Krise verschärfte und am Ende den Weg zum Zweiten Weltkrieg ebnete.

Noch weiß niemand, wie weit der Handelskrieg diesmal gehen wird. Ich glaube nicht, dass es wie damals zu einer kumulativen Bewegung nach unten kommen wird. Der US-Präsident hat vor den Wahlen im Herbst dieses Jahres kein Interesse, dass es zu einer Rezession oder zu einem Börsen-Crash kommt. Allerdings wissen alle, wie unberechenbar Trump ist.

Für Anleger

Handelsbeschränkungen kommen als neuer Faktor in die Risikobewertung von Aktienkursen und Credit Spreads hinzu. Investieren Sie in Werte, die von solchen Nachrichten möglichst wenig betroffen sind. Ich vermute, dass das eher der Konsumgütersektor ist. Schauen Sie sich die Regionen an, die von der Umlenkung der Handelsströme profitieren. Das wird Europa sein. Die Makrowirkungen des Protektionismus werden nicht so offensichtlich sein. Die Konjunktur ist nicht gefährdet. Protektionismus ist eher ein schleichendes Gift, das sich erst auf Dauer bemerkbar macht.

von Martin Hüfner
28.Juni 2018 © Assenagon

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.