Bitte warten...

28.03.2019 07:27:03
A A | Drucken
Kolumne

Hüfners Wochenkommentar: "Demografie schlägt Konjunktur"



Hüfner beobachtet, dass sich Konjunktur und Beschäftigung nicht mehr in die gleiche Richtung bewegen und sieht die alternde Bevölkerung als Ursache - Mit positiven Nebenwirkungen auch für Aktionäre.
28. März 2019. MÜNCHEN (Assenagon). Irgendetwas stimmt da nicht. Die Konjunktur schwächt sich immer stärker ab. Manche sprechen von einer drohenden Rezession. Umgekehrt ist der Arbeitsmarkt aber so stabil wie selten. Die Arbeitslosenquote ist in Deutschland so niedrig wie zuletzt vor 40 Jahren.

In anderen Ländern ist das nicht anders. Im gesamten Euroraum hat sich die Arbeitslosenquote trotz Wachstumsabschwächung in den vergangenen zwölf Monaten von 8,5 Prozent auf 7,8 Prozent verringert. Sogar in Italien, das sich bereits mitten in einer Rezession befindet, gibt es weniger Arbeitslose. Außerhalb Europas sind die Verhältnisse nicht so krass, weil dort das Wachstum noch höher ist. Aber auch in den USA zum Beispiel verlangsamt sich die Zunahme des realen BIPs, während die Arbeitslosenquote zurückgeht.

Konjunktur und Arbeitslosigkeit passen offenbar nicht mehr zusammen. In der Vergangenheit hatten sie sich immer relativ parallel bewegt. Die Grafik zeigt, dass die Arbeitslosenquote in den zurückliegenden 50 Jahren in jeder Rezession kräftig gestiegen ist. In der anschließenden Konjunkturerholung ging sie leicht zurück. Im nächsten Abschwung legte sie dann aber erneut zu. Das Muster vollzog sich bis zur Mitte der 2000er Jahre. In der großen Finanzkrise erhöhte sich die Arbeitslosigkeit erstmals nicht mehr so stark. Das lag damals an der starken Gegenwehr der Geld- und Finanzpolitik.



Neues Muster am Arbeitsmarkt


Quelle: Bundesbank


Seitdem ist der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Arbeitslosigkeit gänzlich verloren gegangen. Die Arbeitslosenquote hat sich in Deutschland unter Schwankungen von 10 Prozent 2005 auf heute 4,6 Prozent mehr als halbiert. Nichts deutet darauf hin, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert.

Dabei hätte sie eigentlich steigen müssen. Es gibt immer mehr Zuwanderer aus dem Ausland, die das Angebot an Arbeitskräften erhöhen. Immer mehr Frauen suchen eine Beschäftigung außer Haus. Ältere Menschen bleiben auch über das Rentenzugangsalter im Arbeitsprozess. Gleichzeitig wird in den Betrieben auf Teufel komm raus rationalisiert und digitalisiert. All das geht aber offenbar am Arbeitsmarkt insgesamt vorbei, außer in einzelnen besonders betroffenen Regionen.

Wie ist das Auseinanderlaufen der Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Konjunktur zu erklären? Ein Grund ist sicher, dass die Konjunktur gar nicht so schlecht ist, wie immer wieder gesagt wird. Auch die Digitalisierung ist nicht so dramatisch. Die Unternehmen brauchen weiter Personal. Lassen Sie sich von den Horrormeldungen nicht ins Bockshorn jagen. Es gibt derzeit in Deutschland über 600.000 sozialversicherte Beschäftigte mehr als vor einem Jahr (plus 2 Prozent) und 800.000 offene Stellen.

Wichtiger ist aber noch etwas anderes, das in diesem Zusammenhang häufig übersehen wird. Das ist die demografische Alterung. Immer mehr ältere Menschen scheiden aus dem Arbeitsleben aus und machen Arbeitsplätze frei. Früher wurden diese Arbeitsplätze problemlos durch jüngere Mitarbeiter besetzt. Das war dann neutral für die Arbeitslosenquote. Da inzwischen mehr Alte in Rente gehen als Junge in den Beruf einsteigen, suchen die Unternehmen händeringend Arbeitnehmer, nur um die Produktion aufrecht zu erhalten. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Hier entsteht eine ganz neue Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. Sie wird sich in Zukunft noch verstärken, wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht.

Das heißt: Die Demografie schlägt die Konjunktur in Sachen Arbeitsmarkt. Daraus ergeben sich erhebliche Konsequenzen. Erstens ist es natürlich gut für die Arbeitnehmer. Sie werden nicht mehr so schnell entlassen. Und wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren, dann ist es weniger schwer, eine neue Stelle zu finden. Allerdings muss der Arbeitsmarkt hinreichend flexibel sein.

Zweitens ist es gut für die Konjunktur. Die hohe Beschäftigung, zusammen mit der steigenden Zahl von Rentnern, schafft Einkommen und damit Kaufkraft. Das ist ein Gegengewicht zu einer sonst nachlassenden Nachfrage. Die Demografie stabilisiert die Konjunktur.

Drittens ist es eine Ehrenrettung für die demografischen Veränderungen. Sie sind nicht nur eine Belastung durch vermehrte Altersvorsorge, Knappheit von Arbeitskräften oder altersbedingt vielleicht geringere Innovationskraft der Wirtschaft. Sie stützen auch die Konjunktur.

Viertens wird die Wirtschaftspolitik bei der Aufgabe der Konjunkturstabilisierung entlastet. Die Demografie übernimmt einen Teil ihrer Arbeit. Die Regierung kann sich daher vermehrt anderen Aufgaben zuwenden, etwa der Förderung von langfristigen Investitionen.

Fünftens ist es gut für die Leistungsbilanz. Wenn der Konsum aufgrund der guten Einkommensverhältnisse auch bei schwächerer Konjunktur steigt, dann geht der Leistungsbilanzüberschuss zurück. Das ist genau das, was von Deutschland immer wieder gefordert wird. Bereits im vorigen Jahr hat sich der Überschuss leicht verringert. In diesem Jahr wird sich das fortsetzen.

Für Anleger

Dies sind weitere Argumente, dass die aktuelle Konjunkturschwäche nur unter außergewöhnlichen Umständen (ungeordneter Brexit, neue Handelsbeschränkungen etc.) zu einer Rezession führt. Die zyklischen Schwankungen der Wirtschaft werden auch in Zukunft geringer sein. Das sind auch gute Nachrichten für den Kapitalmarkt. Die Aktienkurse werden nach Auslaufen des Abschwungs steigen. Die Zinsen werden wegen der demografisch bedingten Zunahme der Ersparnis niedrig bleiben.

von Martin Hüfner
28. März 2019 © Assenagon

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.