Bitte warten...

21.11.2018 11:06:50
A A | Drucken
Kolumne

Hüfners Wochenkommentar: "Ein Ärgernis weniger?"



Hüfner kommentiert die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse und merkt an, dass für Anleger keine unmittelbaren Auswirkungen feststehen.
22. November 2018. MÜNCHEN (Assenagon). Es war ein beliebtes "Spiel" in den letzten Jahren, die Deutschen wegen ihrer hohen Leistungsbilanzüberschüsse an den Pranger zu stellen. Sie drängten ihre Handelspartner in eine unerwünschte Schuldnerposition. Umgekehrt schadeten sie sich aber auch selbst, denn sie lieferten Güter ins Ausland, die sie eigentlich auch gut zu Hause brauchen könnten.

Es gab tausend Ratschläge, was sie dagegen tun könnten. Der wichtigste war: Sie sollten die Löhne stärker erhöhen und im Staatshaushalt größere Defizite zulassen. Beides war für sie aber ein No-Go. Wieso sollten sie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit schwächen und eine unsolidere Wirt-schaftspolitik betreiben, nur weil die anderen nicht mit dem Erfolg der deutschen Exporteure mithalten können?

Alles lief auf einen Clash unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Philosophien hinaus. Das Ausland setzte auf Wachstum und Konsum, Deutschland wollte dagegen Stabilität und Export.



Deutsche Leistungsbilanz


Saldo in % des BIPs


Zum Clash ist es glücklicherweise nicht gekommen, bis jetzt jedenfalls nicht. Das liegt daran, dass der deutsche Leistungsbilanzüberschuss nicht mehr steigt, sondern sinkt. Seit dem Höhepunkt 2015 ist er von 8,9 Prozent des BIPs auf 7,8 Prozent zurückgegangen. Bis 2020 soll er nach den meisten vorliegenden Schätzungen auf unter 7 Prozent sinken. Das ist immer noch zu viel. Der Schwellenwert, den die EU für tolerierbare Leistungsbilanzüberschüsse festgelegt hat, liegt bei 6 Prozent. Aber es ist weniger als vorher.

Sind die Deutschen eingeknickt? Haben sie in der Auseinandersetzung mit ihren Kritikern nachgegeben? In keiner Weise. Tatsächlich haben sie selbst gar nichts getan, um aus der Rolle des bösen Buben herauszukommen. Weder haben sie die Löhne stärker erhöht, noch haben sie sich von ihrer restriktiven Haushaltspolitik verabschiedet, noch haben sie sonst etwas gegen die hohen Exporte getan. Alles ist so geblieben wie es war.

Was sich verändert hat, war das weltwirtschaftliche Umfeld. Da war einmal die starke Erhöhung der Ölpreise, die die Importrechnung der Deutschen aufblähte. 2015 war der Ölpreis bis auf unter USD 30 je Barrel in den Keller gerauscht. 2018 waren es zeitweise über USD 80. Hinzu kam die Auf-wertung des Euros. 2015 lag der Euro/Dollar-Kurs noch kurz vor der Parität. In diesem Jahr ist er zeitweise bis auf USD 1,25 je Euro gestiegen.

Der Welthandel leidet unter der schwächeren Weltkonjunktur. Wegen des bevorstehenden Brexits sind die deutschen Ausfuhren nach Großbritannien absolut zurückgegangen. Der Iran, auf den die Deutschen nach dem Atomabkommen große Hoffnungen setzten, ist nicht der große Absatzmarkt geworden, auf den viele gehofft hatten.

Eine Rolle spielt ferner, dass die Überschüsse im deutschen Staatshaushalt zwar hoch blieben, aber nicht mehr so stark anstiegen. Dadurch hat die gesamtwirtschaftliche Ersparnis nicht mehr so stark zugenommen. Konsum und Investitionen im Inland bekamen mehr Raum und konnten den Export zurückdrängen.

Zuletzt spielten auch die veränderten handelspolitischen Gegebenheiten auf den Weltmärkten eine Rolle. Der Protektionismus führt dazu, dass sich die Unternehmen aus dem schwierigeren Exportgeschäft zurückziehen. Sie schichten prophylaktisch Lieferketten aus dem Ausland ins Inland um, damit sie unabhängiger von Zöllen und anderen Beschränkungen werden.

Vielleicht hat sich auch - was man immer wieder hört, aber schwer beweisen kann - die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf den Weltmärkten verschlechtert. All das hat dazu geführt, dass sich die Leistungsbilanzüberschüsse in Deutschland zurückbilden.

Ist jetzt alles gut? Leider nein. Tröstlich ist zwar, dass Präsident Trump jetzt einen Vorwand weniger hat, Zölle gegen deutsche Produkte zu erheben. Das kann bei den anstehenden Verhandlungen über Zölle auf Autos hilfreich sein. Auch in der EU gibt es einen Streitpunkt weniger.

Ganz generell bieten die Deutschen ihren internationalen Kritikern weniger Angriffsflächen. Zudem gibt es weniger deutsche Kapitalexporte, die bei dem derzeit niedrigen Zinsniveau ohnehin nicht profitabel sind. Andererseits verringert sich das Wirtschaftswachstum. Wenn der Anteil des Leistungsbilanzüberschusses am BIP um einen Prozentpunkt zurückgeht, dann bedeutet dies, unter sonst gleichen Bedingungen, in etwa ein Prozent weniger Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes.

Im Übrigen sollte man sich nicht zu früh freuen. An den unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Philosophien, die zu den Leistungsbilanzungleichgewichten führen, hat sich nichts geändert. Die Probleme können daher jederzeit wieder auftreten.

Für den Anleger

Unmittelbare Auswirkungen für die Anleger hatte der deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz bisher nicht. Für die Kapitalmärkte ist es egal, wo die Unternehmen ihr Geld verdienen, ob im Ausland oder im Inland. Trotzdem sollten in den Portfolien Exportwerte in Zukunft eher untergewichtet werden. Im Inland wird das Wachstum zumindest in Deutschland tendenziell höher sein.

von Martin Hüfner
22. November 2018 © Assenagon



Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa - Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.


Bildquelle: Quelle: Bundesbank, eigene Schätzung
pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.