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19.04.2017 08:22:49
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Kolumne

Börse Frankfurt Magazin: "Das offene Xetra-Orderbuch - ein zentraler Vorteil im Aktienhandel"



Xetra, der wichtigste Handelsplatz für Aktien in Deutschland, bietet Investoren mit dem offenen Orderbuch Einblick in die Marktlage, was für die geschickte Platzierung der Kauf- und Verkaufsaufträge hilfreich sein kann.
19. April 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Früher, vor der Digitalisierung des Börsenhandels, führten Kursmakler für jedes Wertpapier ein Orderbuch, eine Art Kladde, in der sie Kauf- und Verkaufsaufträge notierten und auf deren Basis dann die Preise festlegten. Das Orderbuch des Handelsplatzes Xetra ist im Prinzip ähnlich, mit dem für Investoren nützlichen Unterschied, dass sie es einsehen können. Angeschlossene Händler haben im Handelssystem selbst Zugang dazu, allen anderen bietet die Internetseite der Börse Frankfurt Einblick mit einer Markttiefe der zehn besten Kauf- und Verkaufsangebote.

Xetra ist mit rund 1.000 Aktien und über 1.500 gelisteten ETFs, ETCs und ETNs der liquideste Marktplatz in Deutschland für Aktien und der liquideste Europas für die Indextracker. Der durchschnittliche Tagesumsatz liegt zurzeit bei 5 Milliarden Euro. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme ist Xetra keine Plattform nur für Profis, etwa 10 Prozent des Handelsvolumens auf Xetra wird privaten Anlegern zugeordnet.

Jedes Wertpapier hat in Xetra ein Orderbuch, in dem alle Kauf- und Verkaufsangebote, die mit Limit aufgegeben worden sind, dem Preis nach sortiert werden. Die Limite legen fest, welcher Preis mindestens erzielt, bzw. maximal bezahlt werden soll. Market-Orders können sofort "bestens" oder "billigst" ausgeführt werden, sodass sie nicht im Orderbuch erscheinen.



Was Investoren im Xetra-Orderbuch sehen

Die wichtigsten Spalten sind "Bid" und "Ask". Dort stehen die Limite der aufgegebenen Orders. In der Bid-Spalte stehen die Kaufangebote, auch Geld genannt. Das sind die zehn höchsten Preise, zu denen in diesem Moment Marktteilnehmer bereit sind, Wertpapiere zu kaufen. Wer verkaufen will, für den ist das die relevante Seite. In der Spalte mit den Asks - auch Brief genannt - sind die zehn niedrigsten Verkaufsangebote aufgelistet, zu denen Marktteilnehmer bereit sind, ihre Aktien abzugeben. Bid und Ask ergeben zusammen die Handelsspanne eines Wertpapiers, den Spread.

In den Spalten jeweils links und rechts von Bid und Ask ist das Volumen zu den Bids und Asks verzeichnet, genauer: die aufaddierte Stückzahl an Wertpapieren zu diesem Preis. Wiederum rechts und links davon steht, aus welcher Anzahl an Kauf- und Verkaufsaufträgen sich das Volumen zusammensetzt.

Im ersten Beispiel der Commerzbank-Aktie, einem sehr rege gehandelten DAX-Wert, heißt das konkret, dass drei Aufträge für insgesamt 3.479 Anteile zu einem Preis von 8,315 Euro an erster Stelle auf der Geldseite des Orderbuchs stehen. Darauf folgen zwei Kauforders, bei denen die Käufer bereit sind, 8,314 Euro für 828 Anteile zu bezahlen. Dem gegenüber befinden sich neun Verkaufsangebote für 5.917 Anteile zu 8,319, gefolgt von neun Aufträgen für 4.976 Anteilen zu 8,320 Euro.

Die Handelsspanne, die für Anleger ja indirekte Kosten darstellt, steht in diesem Moment bei 0,4 Cent. In der Internetdarstellung sind die angebotenen Volumen der Kaufangebote optisch in Form von grünen Balken und der Verkaufsangebote von roten Balken veranschaulicht.

Wie kommt es zur Ausführung?

Gehandelt wird auf Xetra, wenn Bid und Ask zueinander passen. Entweder entsprechen sich die Limits der Aufträge, oder Marktteilnehmer stellen Market-Orders ein, die zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt werden. Bei der Ausführung haben Market-Orders Vorrang vor Limit-Orders. Grundsätzlich gilt Preis-Zeit-Priorität, d.h. die Limite entscheiden, welcher Investor zum Zug kommt, und erst im zweiten Schritt der Zeitpunkt der Ordereingabe.

Wenn Orders ausgeführt werden, verschwinden sie aus dem Buch und die nächstbesten Bids oder Asks rücken nach.

Bestellt: Quotes der Designated Sponsors

Zur Gewährleistung von Liquidität und Preisqualität müssen Unternehmen der zweiten und dritten Reihe mit weniger Handel in ihren Aktien mindestens einen Designated Sponsor verpflichten. Das gilt auch für ETFs. Bei ETFs, die hohe Umsätze versprechen, sind viele "freiwillig" als Liquiditätsspender aktiv. Die Designated Sponsors haben strenge Vorgaben hinsichtlich des maximalen Spreads, des minimalen Volumens, für das der Quote gültig sein muss, und für die zeitliche Präsenz mit Preisangeboten im Orderbuch. Die Limite der Designated Sponsors stehen nach denselben Regeln im Orderbuch wie die der übrigen Marktteilnehmer.

Wie Investoren das Orderbuch lesen können

Bei Aktien wird der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Hier kann das Orderbuch kurzfristige Indikationen geben, ob ein Wert eher steigen oder fallen sollte. Außerdem bietet es wichtige Hinweise, wie liquide eine Aktie aktuell gehandelt wird. Bei ETFs hängt der Preis vom Referenzindex ab und die Designated Sponsors garantieren Liquidität. Dennoch kann das offene Orderbuch bei der Orderaufgabe hilfreich sein, konkret bei der möglichst geschickten Platzierung der Kauf- oder Verkaufsaufträge.

Liquidität in der Markttiefe

Mehrere Vorteile bietet Investoren der Einblick in die Markttiefe: Zum einen können sie ihren Auftrag bewusst zu einem Limit platzieren, das ausreichend Volumen für ihre Verkaufsorder bietet, im Beispiel etwa eine Verkaufsorder von bis zu 4.000 Commerzbank-Aktien bei einem Limit von 8,314 Euro.

Zum anderen zeigt das Orderbuch die Liquidität eines Wertpapiers anhand der Markttiefe. Das ist insbesondere bei großen Aufträgen wichtig, wenn an der Spitze nur Orders mit sehr kleinen Auftragsgrößen stehen. In dieser Situation können Investoren bereits bei Orderaufgabe den zu erwartenden Durchschnittspreis errechnen und erfahren diesen nicht erst in der Abrechnung.

Oder sie stellen sich bewusst mit einer Limit Order in den aktuellen Spread und können bei Ausführung ihrer Order von einem besseren Preis gegenüber dem aktuell besten Geld- oder Brief-Limit profitieren. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass sich der Markt auch vom aktuellen Preisniveau entfernen kann und eine Ausführung in diesem Fall nicht sichergestellt ist.

Offenes Xetra-Orderbuch auf boerse-frankfurt.de

Auf der Internetseite der Frankfurter Börse ist das offene Orderbuch abgebildet, zum einen auf jedem Datenblatt einer Aktie oder eines ETFs in der Übersicht, zum anderen unter dem Menüpunkt Offenes Orderbuch im Bereich Aktien und ETF/ETP.

von Edda Vogt für das Börse Frankfurt Magazin

19. April 2017. © Deutsche Börse

Das Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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