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18.02.2019 10:52:41
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Kolumne

Aus dem ETF Magazin: "Anleihe-ETFs als Anpassungskünstler"



Börsenbeben und Zinswende machen Investoren das Leben schwer. Diese sieben Renten-ETFs bieten einen vielversprechenden Ausweg.
18. Februar 2019. MÜNCHEN (ETF Magazin). Was haben die Zinswende, billiges Geld, der Euro-Rettungsschirm und der Bitcoin-Boom gemeinsam? Alle vier konnten sich schon einmal mit dem Ehrentitel "Börsen-Unwort des Jahres" schmücken. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Das billige Geld ließ die Schulden der Welt seit der Finanzkrise auf das Doppelte anwachsen. Der Euro-Rettungsschirm beschert unserem Kontinent eine politische Zerreißprobe, und der Bitcoin-Boom entpuppte sich tatsächlich als typische Spekulationsblase. Lediglich bei der Zinswende ist der Fall komplexer. Seit Jahren wird sie von Sparern herbeigesehnt. Doch genau jetzt, wo sie womöglich bald auch Europa erreicht, wird sie von Anlegern bereits gefürchtet. Aktionäre und Anleihen-Freunde geraten in eine schwierige Lage: Die Zinswende kommt zur falschen Zeit.

Gerade jetzt, wo sich womöglich der Aktien-Bullenmarkt dem Ende nähert und die Börsen immer öfter kräftig in die Knie gehen, sorgen steigende Renditen dafür, dass aus dem vermeintlich sicheren Anleihen-Hafen eine gefährliche Untiefe wird. Denn wenn die Zinsen in den USA weiter steigen und auch die EZB nachziehen muss, fallen nach dem Börsen-Einmaleins automatisch die Kurse der Anleihen - ein gefährliches Spiel für Rentenanleger.

Für Anleger entsteht ein Rendite-Risiko-Dilemma, bei dem es gilt, flexibel zu bleiben. Doch wie sollen sich Anleger genau positionieren? Hermann Pfeifer, Deutschland-ETF-Chef der französischen Armundi, sieht "niedrige Durationen als das Gebot der Stunde". Solche kurzlaufenden Anleihen mit einer Laufzeit von maximal fünf Jahren zeigen sich schließlich in der Regel deutlich unbeeindruckter von steigenden Zinsen. Für gut informierte Anleger ist das jedoch nicht die einzige Möglichkeit - im Gegenteil. Außer mit kurzlaufenden Anleihen können Anleihen-Investoren ihre Strategie in Zeiten der Zinswende durch verschiedene Ansätze verfeinern. Sieben clevere Renten-ETFs sind besonders vielversprechend.



Die richtigen ETFs

Die neuen ETFs für Floating Rate Notes sind ein Weg, die Zinswende zu meistern - und bei ETF-Investoren einer der beliebtesten. "Aus gutem Grund", sagt Pfeifer. In der Vergangenheit hätten sich Floating Rate Notes als Anpassungskünstler bewährt. Denn anders als festverzinsliche Anleihen richtet sich die Verzinsung der "Floater" nach dem Referenzzinssatz der Zentralbanken. Einfach ausgedrückt: Steigen die Leitzinsen, steigt auch der Kupon der Floater entsprechend. Steigende Zinsen haben deshalb so gut wie keine Auswirkungen auf den Kurs dieser Anleihen.

Amundi selbst bietet Anlegern mit dem Floating-Rate-USD-Corporate - Hedged-ETF Zugang zu 40 bis 100 solcher Floating Rate Notes. Emittenten der im ETF enthaltenen Anleihen sind Unternehmen aus Industrie-nationen mit hoher Bonität. Der Fokus liegt dabei auf US-amerikanischen Papieren. Das Konzept kommt bei Anlegern an: Mit einem Fondsvolumen von über 2,7 Milliarden Euro gehört dieser ETF derzeit du den beliebtesten Renten-ETFs in Deutschland.

Des Weiteren versprechen die vornehmlich kurzlaufenden Anleihen im Portfolio zusätzliche Flexibilität und werden darüber hinaus gegen US-Dollar-Euro-Währungsschwankungen abgesichert. Quantitativ und geografisch breiter engagiert sich der iShares-EUR-Floating-Rate-Bond-ETF von Blackrock. Über 230 variabel verzinsliche Euro-Anleihen aus der ganzen Welt finden sich hier im Portfolio wieder. Auch bei diesem ETF beträgt die durchschnittliche Restlaufzeit nur zwei Jahre.

Das Beste aus zwei Welten

Eine weitere Spezialität auf dem Anleihenmarkt feiert auf Grund der besonderen Umstände ebenfalls Hochkonjunktur. Das weltweite Emissionsvolumen für Wandelanleihen steuert in diesem Jahr auf die 120-Milliarden-Dollar-Marke zu - es wäre das stärkste Jahr seit der Finanzkrise und das logische Comeback einer Anlageklasse, die ihre Tauglichkeit in Zeiten steigender Zinsen in der Historie bereits nachweisen konnte. Und das verdankt die Wandelanleihe ihrem speziellen Charakter: Während die Kurse klassischer Anleihen mit jedem weiteren Zinsschritt stärker unter Druck geraten, haben Investoren mit Wandelanleihen die Möglichkeit, an steigenden Aktienkursen zu partizipieren und ihre sogenannten Convertibles in Aktien umzutauschen. In Zeiten fallender Aktienkurse garantieren solche Hybridprodukte aber weiterhin denselben Kapitalschutz wie herkömmliche Anleihen.

Als Faustformel gilt unter Anlegern, dass Kursanstiege zu zwei Dritteln, Kurseinbrüche aber lediglich zu einem Drittel mitgemacht werden - ein asymmetrisches Rendite-Risiko-Profil zu Gunsten des Inhabers. Wie wichtig ein solches impliziertes Wandlungsrecht gerade in dieser Zeit sein kann, zeigt eine Langzeit-Studie der Bank of America Merrill Lynch. Darin analysierten die Experten die Phasen steigender Zinsen in den USA in den vergangenen 20 Jahren. Wenig verwunderlich: Seit 1998 gab es acht Perioden, in denen die US-amerikanische Zentralbank die Zinsen um mindestens 120 Basispunkte nach oben schraubte - der S&P-500 konnte jedes Mal zulegen, herkömmliche Staatsanleihen generierten in dieser Zeit durchweg negative Renditen.

Wirklich erstaunlich ist jedoch das gute Abschneiden der Wandelanleihen. Diese legten nämlich - ähnlich wie Aktien - in jeder Periode steigender Zinsen zu und schlugen damit normale Anleihen in 100 Prozent der Fälle. In Zeiten hoher Volatilität, wie beispielsweise um die Jahrtausendwende oder in Zeiten der Finanzkrise zwischen 2008 und 2009, schnitten die "Convertibles" im Schnitt sogar besser ab als Aktien. Wandelanleihen bieten daher tatsächlich das Beste aus zwei Welten: Es sind potenzielle Aktien mit Airbag-Funktion.

Für Axel Riedel, Deutschland-Chef des ETF-Anbieters SPDR, sind Wandelanleihen sogar ein "Flugzeug mit mehreren Triebwerken". Der vermeintliche Nachteil: Solche Wandelanleihen sind häufig nur in großen Stückzahlen zu erwerben. Ein diversifiziertes Wandelanleihen-Portfolio können sich deshalb nur sehr große Anleger zusammenstellen - oder ETF-Insider. Schließlich gelingt heute mit einem Wandelanleihen-ETF ganz problemlos der Zugang zu diesen Papieren.

So enthält das Portfolio des Thomson-Reuters-Global-Convertible-Bond-ETF fast 300 Positionen. Ein Großteil der Emittenten stammt dabei aus den USA, China und Japan. Anleger, die ausschließlich auf europäische Wandelanleihen setzen möchten, finden im UC-Thomson-Reuters-Balanced-European-Convertible- Bond-ETF der Unicredit den richtigen Fonds.

Viele Ansätze - ein Ziel

Für Anleger, die weiterhin auf klassische Anleihen setzen und sich dennoch gegen die fortschreitende Zinswende absichern wollen, gibt es ebenfalls eine Lösung. ETF-Anbieter iShares wartet gleich mit zwei Varianten auf - ein ETF fokussiert sich auf in US-Dollar lautende Unternehmensanleihen mit hoher Bonität, der andere deckt den Euro-Bereich ab. Deutsche Unternehmensanleihen machen dabei über 15 Prozent aus. Beide ETFs tragen jedoch den wichtigen Zusatz "Interest Rate Hedged". Dahinter steckt die Absicherung durch monatliche Verkäufe von Futures auf deutsche beziehungsweise amerikanische Staatsanleihen. Diese so erzielte Rendite wird von der Gesamtrendite zwar abgezogen und schmälert folglich die kurzfristige Performance, sorgt langfristig aber für eine niedrigere Volatilität und für ruhige Nächte bei den Anlegern.

Der neue europäische ETF-Anbieter Tabula wählt einen ebenfalls spannenden Ansatz. "Das Zinsrisiko können wir mit Hilfe von Credit-Default-Swap-Indizes (CDS) isolieren und steuern", skizziert Tabula-CEO Michael John Lytle die Strategie des ersten ETF des Anbieters. Die Basis bilden dabei die iTraxx-Total-Return-Indizes. Das sind Indizes, die nicht die Kurse von Unternehmensanleihen, sondern die von Kreditausfallversicherungen abbilden. Die allgemeine Zinsentwicklung rückt so in den Hintergrund, was zählt, ist ausschließlich die Unternehmensbonität. "Der Fonds soll traditionelle Anleihenbestände ersetzen, muss also eine konkurrenzfähige Rendite bieten", lautet dabei das ambitionierte Ziel von Tabula. Der ETF mischt deshalb auch europäische Kreditrisiken im High-Yield-Bereich bei. Das Resultat ist eine derzeitige Rendite von circa 4,5 Prozent. Anleger, die das Renditepotenzial weiter nach oben schrauben wollen, finden im iTraxx-Crossover-ETF eine passende Möglichkeit. 50 Schuldner und damit mehr als die Hälfte aller Positionen stammen hier aus dem riskanten Non-Investment-Grade-Segment.

Das Unwort "Zinswende" entpuppt sich also nur für diejenigen als Albtraum, die keine Lösungen finden. Mit den passenden ETFs haben jedoch sowohl Privat- als auch professionelle Anleger die Möglichkeit zu reagieren. Mario Draghi oder Jerome Powell sind keine echte Bedrohung, Unflexibilität und Sturheit schon. Wer sich der neuen Situation anpassen will, der findet zwischen herkömmlichen Aktien- und Anleihen-ETFs eine Reihe von oft übersehenen, aber vielversprechenden Instrumenten, die wie für diese Zeit gemacht scheinen - echte Anpassungskünstler eben.

von Wilhelm Nordhaus, © Februar 2019, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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