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19.03.2019 15:44:20
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Kolumne

Aus dem ETF Magazin: "ESG-ETFs sind unübersichtliches Terrain"



2019 wird das Jahr der Nachhaltigkeits-ETFs. Doch trotz ähnlichem Ziel unterscheiden sich die Konzepte der Fonds gewaltig. Martin Pöhlsen vom ETF Magazin beschreibt die drei wichtigsten Konzepte, ihre Vor- und Nachteile.
19. März 2019. MÜNCHEN (ETF Magazin). Nach der klassischen Finanzmarktliteratur streben Kapitalanleger danach, eine möglichst hohe Rendite mit einem selbst definierten Risikoappetit zu erreichen sowie Kapitalströme finanzieren zu können. In Zukunft sollen Anleger ein weiteres Investmentziel in ihre Allokationsüberlegungen aufnehmen: die Nachhaltigkeit (engl. Sustainability). Das wünscht sich unter anderem die EU, die bereits entsprechende Gesetze vorbereitet. Nachhaltigkeit meint Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Anleger sollen ihr Geld nachhaltig operierenden Unternehmen zur Verfügung stellen und nicht in kontroversen Geschäftsfeldern investieren.

Derartige Investmentstrategien laufen im Allgemeinen unter dem Oberbegriff Socially Responsible Investments (SRI) oder auch ESG-Investments, wobei ESG für Environmental, Social and Governance steht. Nach den Vorstellungen der EU sollen Finanzinstitute, die im Auftrag ihrer Kunden Anlageentscheidungen treffen, künftig ESG in interne Prozesse integrieren. Die neuen Anforderungen sollen für Vermögensverwalter, Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds und Anlageberater gelten. Das Thema ist nicht neu, aber es gewinnt immer mehr an Fahrt, auch im ETF-Markt. Das verdeutlichen die jüngsten Zahlen bei den Mittelzuflüssen und Neuemissionen. Die Angebote treffen das Anlegerinteresse: 2018 flossen allein in Europa rund vier Milliarden Euro in ESG-ETFs.

Aber was genau ist ESG? Wie können Unternehmen aus vielerlei Branchen standardisiert in ESG-Kriterien kategorisiert werden? Um die Deutungshoheit streiten sich derzeit sogenannte Experten, Lobbyisten und Politiker. Der ETF-Markt ist schon einen Schritt weiter. Index- und ETF-Anbieter haben sich Gedanken gemacht und ihre Überlegungen in Konzepte und Produkte gepackt. Die ETF-Angebote können in drei Kategorien eingeteilt werden: Exklusion, Best-in-Class und Thematic.



Drei ESG-Kategorien

Der einfachste Ansatz ist die sogenannte Exklusion, bei der Unternehmen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden, weil sie Geschäfte in unerwünschten Branchen tätigen. Dabei werden Toleranzgrenzen eingebaut, die sich je nach Index unterscheiden. Beispielsweise kann ein Unternehmen ausgeschlossen werden, wenn es in einen ungewünschten Geschäftsbereich verwickelt ist (Zero Tolerance) oder wenn der Anteil des aus diesem Bereich generierten Umsatzes einen kritischen Wert, wie beispielsweise fünf Prozent am Gesamtumsatz, übersteigt. Die im Anlageuniversum verbleibenden Unternehmen werden im einfachen Exklusion-Ansatz anschließend auf keine weiteren ESG-Kriterien hin überprüft.

Die Best-in-class-Methode geht einen Schritt weiter. Die Unternehmen werden dabei hinsichtlich aller relevanten ESG-Kriterien beurteilt und erhalten anschließend ein quantitatives ESG-Rating. Auf Basis dieses Ratings werden dann die besten x Prozent der Unternehmen im jeweiligen Sektor, Land oder einer Region ausgewählt. In der Regel werden die ausgewählten Unternehmen dann nach ihrer Marktkapitalisierung oder auch manchmal nach dem ESG-Rating gewichtet.

Neben den separaten Exklusion- und Best-in-class-Ansätzen gibt es auch eine kombinierte Methode, nach der zunächst unerwünschte Geschäftsbereiche ausgeschlossen werden und aus den verbleibenden Unternehmen die besten ausgewählt werden. Darüber hinaus sind auch ETFs auf einzelne ESG-Themen wie Wasserkraft und -aufbereitung, Gleichberechtigung oder geringe CO2-Emissionen verfügbar.

Gefragte ETFs

Das größte Interesse der Investoren erhalten aktuell die Best-in-class-Ansätze, während sich die Mittelzuflüsse in den anderen Kategorien derzeit noch sehr in Grenzen halten. Durch die stark wachsende Zahl der Produkte stehen Investoren vor einem Auswahlproblem zwischen ETFs, die sich teilweise stark unterscheiden. So ist die neue Produktvielfalt für Investoren natürlich von Vorteil, allerdings wird die Auswahl eines geeigneten ESG-ETF dadurch immer schwieriger.

Hinzu kommt, dass die Emittenten bei der Namensgebung ihrer Produktlinien immer wieder die gleichen einschlägig bekannten Begrifflichkeiten nutzen, obwohl dahinter zum Teil völlig voneinander abweichende Konzepte stehen. Um ein Beispiel zu nennen: Der Indexanbieter MSCI kann nach Produktanzahl und Anlagevolumen als Marktführer für ESG-Indizes bezeichnet werden. Allein im Anlageuniversum des MSCI-World finden sich derzeit sieben ETFs, die einen ESG Ansatz verfolgen und die alle einen unterschiedlichen Index abbilden. Die Strategien reichen dabei von einem einfachen Ausschluss von Unternehmen mit Engagement in der Produktion umstrittener Waffen bis hin zu der Auswahl der Unternehmen mit den besten ESG-Ratings.

Insgesamt bietet MSCI Indizes zu fünf verschiedenen ESG-Konzepten. Zwei fallen dabei in den reinen Exklusion-Bereich, drei weitere wenden neben einer Exklusion noch einen Best-in-class-Ansatz an. Die neu aufgelegte Produktfamilie "ESG Core" von iShares verwendet dabei mit "ESG Screened" einen reinen und strengen Exklusion-Ansatz. Von den 1632 im MSCI-World-Index befindlichen Aktiengesellschaften werden bei dieser Methode 105 Unternehmen ausgeschlossen, die Hälfte davon wegen der Beteiligung an Kohlekraft.

Das ESG-"Leaders"-Konzept hingegen ist beim Ausschluss weniger streng: Die Hälfte der Umsätze eines Unternehmens darf in problematischen Geschäftsbereichen erzielt werden. Dafür aber wird anschließend ein Best-in-class-Ansatz angewendet, der aus jeder Branche nur die 50 Prozent der Unternehmen mit dem besten ESG-Rating berücksichtigt. Aus dem MSCI-World-Index verbleiben so 831 Unternehmen.

Die strengsten ESG-Kriterien aber setzt der Social Responsible Investing (SRI)-Ansatz an. Zunächst werden ähnlich der "ESG Screened"-Methode alle Aktiengesellschaften ausgeschlossen, die mehr als fünf Prozent ihrer Umsätze in problematischen Geschäftsbereichen verdienen. Aus den verbleibenden Unternehmen werden anschließend in jedem Sektor nur die 25 Prozent mit dem höchsten ESG-Rating ausgewählt. Im MSCI World SRI bleiben nach diesen Kriterien nur noch 398 von 1632 Aktien übrig. Etwa 60 Prozent der in ESG-ETFs investierten Gelder sind im SRI-Ansatz bei den Anbietern UBS, iShares, Amundi und BNP angelegt.

Zu den skizzierten Konzepten gesellen sich weitere, die entweder leichte Abweichungen beinhalten oder zusätzliche Kriterien berücksichtigen. Sämtliche ESG-Ansätze verfolgen dabei als erstes Ziel, die gleiche Rendite zu erreichen wie die nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes - trotz ihrer besseren ESG-Bilanz und trotz der Reduzierung des Anlageuniversums.

Langfristig könnte sogar gelten, dass Unternehmen mit einem guten ESG-Rating durch gute Unternehmensführung und die Vermeidung von Risiken höhere Renditen erzielen. Kurzfristig aber wächst mit zunehmender Abweichung der Zusammensetzung der Tracking Error der ESG-Indizes gegenüber dem MSCI-World-Index. Auffällig ist, dass der Tracking Error des SRI-Ansatzes deutlich höher ist als der des ESG Screened. Neben der Performance des Index spielt auch die Tracking Difference des abbildenden ETF eine Rolle, wobei der Hauptfokus auf der Auswahl des geeigneten und gewünschten Index liegen sollte. Unterschiede in der Tracking Difference liegen im Mittel bei etwa 20 Basispunkten pro Jahr.

Ein weiteres und häufig vernachlässigtes Entscheidungskriterium sind die Handelskosten der einzelnen ETFs. Die Geld-Brief-Spannen der ESG-ETFs mit globalem Underlying fallen an der Börse spürbar breiter aus als beim größten MSCI-World-ETF. Die Gründe für die abweichenden Spreads sind u. a. erhöhte Hedging-Kosten durch die Abweichungen von der Zusammensetzung des Standardindex sowie die geringere Fondsgröße und die derzeit noch niedrigeren Handelsumsätze in den ESG-ETFs.

Fazit

ESG-Investoren haben viele neue Möglichkeiten, aber gleichzeitig auch ein Auswahlproblem. Obwohl die einzelnen ETFs alle einen ähnlichen Namen haben und einen ESG-Ansatz verfolgen, existieren große Unterschiede bei den Indexkonzepten und der ETF- Qualität. Investoren sollten genau prüfen, ob der jeweilige ETF ihrem Anforderungsprofil entspricht und die Produktqualität stimmt. von Martin Pöhlsen, © März 2019, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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