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09.07.2018 10:00:45
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Kolumne

Aus dem ETF Magazin: "Gottfried Heller über die Revolution der Geldanlage"



Der erfahrenste Vermögensverwalter Deutschlands erklärt, wie Investoren heute ein Portfolio zusammenstellen.
9. Juli 2018. München (ETF Magazin). In der Börsenwelt findet seit einiger Zeit eine lautlose Revolution statt. Im Mittelpunkt dieser Revolution stehen Indexfonds, die handelsüblich ETFs genannt werden - die Abkürzung für "Exchange Traded Funds", also börsengehandelte Fonds. Da sie passiv einen Börsenindex nachbilden, sind ihre jährlichen Kosten wesentlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds. Andererseits liefern Indexanlagen nur die Marktrendite. Anleger geben sich folglich mit einer mittelmäßigen Rendite zufrieden.

Doch dieser Einwand ist kein echtes Argument gegen ETFs. Zum einen ist ein Index ja schon eine Vorauswahl, eine Elite. Gute Aktien werden eingewechselt, die Altersschwachen fliegen raus. Im DAX sind beispielsweise nur noch elf Werte, die beim Start 1988 dabei waren.

Zum anderen erzielen Indexanleger zwar konstant "nur" die durchschnittliche Marktrendite, liegen damit aber immer noch auf lange Sicht über dem Durchschnitt aller aktiv gemanagten Fonds. Aktives Investieren ist spekulativer als passives Index-Investieren, weil hier der Anleger oder Fondsmanager bewusst vom Vergleichsindex abweicht und bestimmte Aktien oder Branchen über- oder untergewichtet. Das ist mal richtig, mal falsch.



Das Gleiche gilt für das Timing. Es kann gut gehen oder auch schief laufen; es besitzt insofern spekulativen Charakter. Schließlich mindern beim aktiven Investieren die höheren Kosten die Rendite. In Summe begründen diese Faktoren, weshalb aktive Fonds langfristig ETFs nicht schlagen können.

Für die USA hat der Indexanbieter S&P Dow Jones ausgerechnet, dass im Zehn-Jahres-Zeitraum mehr als 85 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds mit Schwerpunkt US-Aktien den S&P-500 nicht übertreffen konnten. Für in Europa aufgelegte Fonds sehen entsprechende Werte noch verheerender aus; diese nähern sich in einigen Segmenten bedrohlich der 100-Prozent-Marke. Forschungen haben ergeben, dass über 90 Prozent der Rendite und des Risikos eines Portfolios von den enthaltenen Aktienklassen bestimmt werden. Weniger als 10 Prozent sind also der Auswahl einzelner Papiere und dem Timing zuzuschreiben. Das ist eine schlechte Nachricht für das Heer der Analysten und Fondsmanager, aber eine gute Nachricht für Otto Normalsparer.

Drei-Phasen-Revolution

Diese Erkenntnis war - nach der Entdeckung der ETFs als neues Anlagevehikel - die zweite Phase der Revolution der Geldanlage. Die dritte Phase betrifft die praktische Umsetzung, denn es ist nicht damit getan, ein paar x-beliebige ETFs zu kaufen, und schon ist die Sache geritzt. Um eine optimale Rendite bei reduziertem Risiko zu erzielen, kommt es auf die Auswahl bestimmter Aktienklassen an. Die Nobelpreisträger Eugene Fama und Kenneth French haben nachgewiesen, dass niedrig bewertete Value-Aktien (Substanzaktien) langfristig besser abschneiden als Growth-Aktien (Wachstumsaktien) und Aktien kleiner Unternehmen (Nebenwerte, engl. Smallcaps) besser als die großen.

Aber noch eine dritte Aktienklasse leistet einen wichtigen Beitrag zur Rendite-Risiko-Entwicklung eines Portfolios: die Aktien der Schwellenländer. Über einen 15-Jahres-Zeitraum per Ende Dezember 2017 betrug die durchschnittliche Rendite der Schwellenländer (in Euro) 11,6 Prozent pro Jahr, die der Industrieländer 8,5 Prozent. Zudem korrelieren sie nur schwach mit den Industrieländer-Aktien. Sie bringen daher einen doppelten Nutzen: Steigerung der Rendite und Senkung des Risikos des Gesamtdepots, der Volatilität.

Die Schlussfolgerung daraus: Mit einer Übergewichtung von Value-, Nebenwerte- und Schwellenländer-Aktien werden langfristig höhere Renditen bei reduziertem Risiko erzielt als mit Standardindizes.



Stück für Stück

Damit haben wir den Bauplan für ein Portfolio mit hoher Sicherheit und gleichzeitig langfristig überdurchschnittlichen Erträgen. Erste Priorität hat dabei die Verlustvermeidung. Einen Teil des Risikos - die Wertschwankungen - kann man vollständig beseitigen. Deren Ursachen sind im Wesentlichen auf drei unterschiedlichen Ebenen zu suchen: beim jeweiligen Unternehmen, auf der Ebene der Aktienklasse, und schließlich auf der Ebene, die alle Aktien weltweit betrifft. Das Einzelwertrisiko kann durch breite Streuung "weg diversifiziert" werden. Ebenso das Aktienklassenrisiko. Das Gesamtmarktrisiko lässt sich leider nicht "weg diversifizieren".

Im Durchschnitt bleibt langfristig ein Risiko von etwa 40 Prozent, während ca. 60 Prozent des Risikos durch breite Diversifikation beseitigt werden können.

Vier einfache Regeln genügen damit, um langfristig höhere Renditen bei reduziertem Risiko zu erzielen:

1. Investments breit streuen: Das senkt das Risiko.
2. International investieren: Das steigert die Rendite und reduziert das Risiko.
3. Langfristig überlegene Aktienklassen übergewichten, also Substanzwerte mit hoher Dividende, sowie Nebenwerte und Aktien der Schwellenländer.
4. Anlagehorizont auf fünf oder mehr Jahre verlängern.

Zusätzlich kann man dem Portfolio einige Anleihen als Sicherheitsnetz beifügen, um das Restrisiko weiter zu senken. Durch die Beimischung einer risikofreien Anlage - zum Beispiel Bundesanleihen mit kurzer Laufzeit - sinkt zwar proportional die Rendite, zugleich mindert sie aber die Schwankungen überproportional.

Für Kleinanleger geeignet

Bereits mit 10.000 Euro lässt sich ein ertragreiches Aktiendepot mit breiter Streuung erstellen - mit nur vier ETFs, zu gleichen Teilen von je 2.500 Euro. Wir brauchen einen ETF für den MSCI-World-Index, der 1.600 Aktien der Industrieländer enthält, einen ETF für den MSCI-World-Value-Factor-Index, der 400 internationale Value-Aktien enthält, einen ETF für den MSCI-World-Size-Factor-Index, in dem sich 900 mittelgroße Aktien der Industrieländer befinden, sowie einen ETF auf den MSCI-Emerging-Markets-Index mit 1960 Aktien aus den Schwellenländern.

Bei einem 50.000-Euro-ETF-Depot können wir weitere ETFs hinzunehmen und somit das Portfolio noch besser austarieren. Wenn Sie diese Anlagesumme vollständig in Aktien anlegen wollen, finden Sie in meinem neuen Buch viele Auswahlmöglichkeiten. Sie könnten ein ETF-Portfolio mit zehn Positionen zu gleichen Teilen bestücken, das heißt pro ETF 5.000 Euro.

Ein gut strukturiertes 50.000-Euro-Portfolio könnte mit folgenden Indizes gestaltet werden: MSCI-Europe-Value, MDAX, MSCI-USA-Value, S&P-Small-Cap-600, MSCI--AG-Far-East, MSCI-Japan-Small-Cap, MSCI-Emerging-Markets-IMI, MSCI-Emerging-Markets-Small-Cap, Stoxx-Europe-600 und S&P-500. Sie können die Wertschwankungen des Aktienportfolios noch etwas reduzieren, indem Sie zusätzlich einen ETF des globalen Immobilienindex beimischen, da Immobilienaktien schwach mit Industrieaktien korrelieren.

Je nachdem, welche Indizes Sie bei der Wahl Ihrer ETFs verwenden, wird dieses Portfolio insgesamt rund 7.000 bis 8.500 Aktien enthalten. Sie können aus diesem 100-Prozent-Aktien-Portfolio auf einfache Weise ein Mischportfolio von, sagen wir, 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen oder mit jedem anderen Mischungsverhältnis aufbauen. In diesem Fall sind 35.000 Euro in Aktien-ETFs und 15.000 in Anleihen-ETFs zu investieren. An der Struktur des Aktienportfolios ändert sich nur der Anlagebetrag pro ETF. Anstatt 5.000 Euro pro ETF beim 100-Prozent-Aktien-Portfolio sind es nun nur 3.500 Euro pro ETF beim Mischportfolio.

Bei der prozentualen Gewichtung der einzelnen Aktienklassen empfehle ich Gleichgewichtung. Auf diese Weise werden die Nebenwerte - die Schnellboote - hochgestuft, und große Werte - die Dickschiffe - werden heruntergestuft. Dadurch wird das Portfolio langfristig eine etwas höhere Rendite erzielen. Allerdings nimmt auch die Volatilität leicht zu.

Bei der Gestaltung eines Portfolios sollten Sie die langfristig ertragreicheren Aktienklassen zwar übergewichten, aber auch ein paar Standardindizes beimischen, wie den S&P-500, den Stoxx-Europe-600 und den MSCI-Emerging-Markets. In diesen nehmen die Wachstumswerte ein deutliches Übergewicht ein. Value-Aktien, Nebenwerte (Mid-/Smallcaps) oder Emerging Markets schneiden schließlich nicht immer besser ab. Es kann bei der einen oder anderen Aktienklasse eine mehrjährige Durststrecke geben. Daher ist ein Portfolio, das auch Wachstumsaktien enthält, langfristig etwas schwankungsärmer, und seine Wertentwicklung ist etwas gleichmäßiger.

Ein Mischportfolio von 70 Prozent Aktien könnte geografisch so aufgeteilt sein wie in der Grafik links. Die Proportionen orientieren sich am Anteil an der Wirtschaftsleistung der Welt, dem Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Ein Fonds für Faule

Wer sich nicht die Mühe machen will, sein eigenes Portfolio zu gestalten, kann auch zum Pro Select Weltfonds (ISIN LU1966810313) greifen. Der Fonds hat keinen Ausgabeaufschlag. Er eignet sich ausgezeichnet für Sparprogramme, zum Vermögensaufbau und besonders zur Altersvorsorge. Denn die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Sich im Alter allein auf Vater Staat zu verlassen, ist extrem fahrlässig, weil er den Lebensstandard nie und nimmer sichern wird. Private Vorsorge ist deshalb überlebenswichtig - und dabei gibt es in der jetzigen Nullzinsphase einfach keine Alternative zu Aktien und aktienbasierten Produkten, wie Fonds und ETFs, um aus den Ersparnissen eine nennenswerte Zusatzversorgung zu bekommen. Denn langfristig werfen Aktien mit Abstand den höchsten Ertrag aller Geldanlagen ab.

Jeder, der sich einzig und allein auf die staatliche Rente verlässt, wird im Alter Probleme bekommen und den gewohnten Lebensstandard bei Weitem nicht halten können. Gerade junge Menschen sollten jeden Euro, den sie über die finanziellen Reserven für Notfälle und kleinere Anschaffungen hinaus erübrigen können, in Aktien oder Aktienfonds stecken.

Auf diese Weise kann man am Wachstum der Wirtschaft indirekt teilnehmen. An die Stelle eines regelmäßigen Gehalts treten auf lange Sicht, besonders aber im Rentenalter, steigende Dividenden und die Kursgewinne aus Aktienanlagen. Je früher Anleger mit Aktien beginnen und je höher die Rendite ist, desto geringer ist der Kapitalaufwand. Wer 40 Jahre Sparzeit hat und sein Geld mit durchschnittlich 6 Prozent Rendite anlegt, muss monatlich nur 52 Euro aufwenden, um ein Endvermögen von 100 000 Euro zu erreichen. Das geht nur mit Aktien. Wer es einfallslos nur zu 2 Prozent anlegt, muss monatlich 136 Euro abzweigen.

Fazit

Mit einfachen Mitteln und zu geringen Kosten ist es heute für jeden möglich, die private Vermögensbildung und seine Altersvorsorge ganz unkompliziert und kostengünstig in die Tat umzusetzen. Und das gilt sowohl für großes als auch für kleines Geld. Zu keiner Zeit in meiner nunmehr 50-jährigen Karriere in der Vermögensverwaltung war das Investieren so einfach, so mühelos und so nervenschonend wie heute.

Gottfried Heller gründete 1971 mit André Kostolany die Vermögensverwaltung Fiduka.

von Gottfried Heller, © Juni 2018, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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