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Kolumne

Aus dem ETF Magazin: "Green Bonds"



Seit zehn Jahren erobern sich Green Bonds ihren festen Platz im Markt und in den Depots. Jetzt gibt es erste ETFs für diesen nachhaltigen Anleihetyp.
22. Januar 2019. MÜNCHEN (ETF Magazin). Vor einigen Monaten herrschte bei Exklusivreal 4you Ausnahmezustand. Normalerweise installiert das kleine österreichische Unternehmen Solarmodule auf Dächern. Plötzlich drehte sich bei den Solarprofis aber alles um ein Finanzprodukt: Gemeinsam mit der BKS Bank emittierte Exklusivreal 4you einen Green Bond. Sechs Jahre Laufzeit und ein Kupon von 0,875 Prozent. Der Zweck: neues Geld für das grüne Geschäftsmodell des Unternehmens. Das mit der Anleihe eingesammelte Kapital soll in Zukunft weitere Solarprojekte finanzieren. "Mit diesem österreichischen Green Bond für Photovoltaik-Kraftwerke können wir gemeinsam einen wesentlichen Beitrag zur erneuerbaren Energie-Erzeugung in Österreich und zur regionalen Wertschöpfung leisten", preist Exklusivreal-4you-Geschäftsführer Gerhard Schall die Vorteile des Green Bonds.

In Österreich sind solche Öko-Anleihen noch eine Seltenheit. "An der Wiener Börse notieren derzeit nur wenige Green Bonds", berichtet Herta Stockbauer, die Vorstandsvorsitzende der begleitenden BKS Bank und ergänzt: "Es ist aber davon auszugehen, dass deren Bedeutung steigen wird." Damit trifft Stockbauer wohl den Nagel auf den Kopf. Immer mehr Unternehmen und öffentliche Institutionen emittieren in Europa Anleihen, um umweltpolitisch wertvolle Projekte zu finanzieren - und die Anleger spielen mit. Jetzt können Investoren sogar mit ETFs einsteigen.

Seit Jahren wächst das jährliche Emissionsvolumen der grünen Anleihen mit Wachstumsraten im hohen zweistelligen Bereich. Das aktuelle Marktvolumen des neuen Anleihensegments schätzt die BNP Paribas auf etwa 470 Milliarden US-Dollar, die Bayerische Landesbank errechnete sogar knapp 540 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2013 war der gesamte Markt gerade mal 30 Milliarden US-Dollar schwer. Viele Analysten sind sich einig, dass das Tempo aufrechterhalten werden kann.



Europäische Erfolgsstory

Die Geschichte der Green Bonds ist noch relativ jung. Die Idee für den ersten Green Bond hatte die Europäische Investitionsbank im Jahr 2007. Damals brachte sie den Climate Awareness Bond an den Markt. Rund 20 Milliarden Euro nahm die Bank so bis 2017 auf - und das Interesse steigt immer weiter. Allein im letzten Jahr emittierte die Europäische Investitionsbank Anleihen im Wert von 4,3 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben ist die Europäische Investitionsbank damit noch immer größter Emittent für die Öko-Anleihen.

Und tatsächlich gehörte der Markt der Öko-Anleihen in den ersten Jahren vor allem supranationalen Organisationen wie eben der Europäischen Investitionsbank oder Förderbanken wie der deutschen KfW. Nach und nach trauten sich aber auch Staaten mit eigenen Green Bonds an den Markt. Das erste Land mit einer eigenen grünen Anleihe war Polen, Frankreich zog als erster Euro-Staat nach. Die Anleihe mit dem Namen Green OAT hatte Anfang 2017 einen Gegenwert von sieben Milliarden Euro, war mit 23 Milliarden Euro aber auch hoffnungslos überzeichnet. Ein gutes Zeichen für Nachahmer.

Nicht nur große Organisationen und Staaten emittieren inzwischen Green Bonds. Immer öfter kommen die Emittenten auch aus der Privatwirtschaft. "Hinsichtlich der Emittenten dürfte der Markt für grüne Anleihen einen Wandel vollziehen: In der ersten Jahreshälfte 2018 haben wir eine zunehmende Beteiligung von Finanzinstituten und Unternehmen beobachtet", berichtet Bram Bos von NN Investment Partners. Es sind dabei nicht nur kleine Firmen aus der Öko-Szene, wie Exklusivreal 4you, die den Markt weiter vorantreiben. Auch Weltkonzerne wie Apple haben die grünen Anleihen für sich entdeckt. Dazu kommen viele Unternehmen aus dem Versorgersektor. Der Markt ist dadurch heute deutlich besser diversifiziert als noch vor einigen Jahren.

Auffällig: Die meisten Meilensteine der jungen Green-Bonds-Geschichte wurden in Europa gesetzt und noch immer ist Europa der Hotspot für grüne Anleihen. Der Euro ist neben dem US-Dollar die wichtigste Währung am Markt. Die Climate Bonds Initiative geht von einem Anteil von 26 Prozent aus. Auch das höchste ausstehende Volumen ist in Europa zu verzeichnen.

Die Gründe für den schnellen Aufstieg der Green Bonds sind nachvollziehbar. Institutionelle und zunehmend auch private Anleger schätzen die Möglichkeit, dass durch die Bonds Umweltprojekte direkt und einfach unterstützt werden können. Etwa bei Exklusivreal 4you: Deren Anleihe soll konkret die Installation von Solaranlagen fördern. Allerdings ist nicht bei allen Green Bonds solch eine klare Ertragsverwendung offensichtlich. Beispielsweise bei Frankreichs erstem Green Bond: Das eingesammelte Kapital diene der "Bekämpfung des Klimawandels, der Anpassung an den Klimawandel, dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Bekämpfung der Umweltverschmutzung". Immerhin: Eine unabhängige Kommission soll die Fortschritte regelmäßig feststellen. Spätestens an dieser Stelle werden dann auch die Erfolge und konkreten Projekte sichtbar. Allerdings ist dieses Prozedere nicht der Regelfall. Das saftige Grün der Bonds lockt auch immer mehr schwarze Schafe an, die die Ertragsverwendung nicht klar offenlegen und den Grundgedanken der Bonds missbrauchen.

Insider zeigen sich schon besorgt. So warnte etwa Rhys Petheram, Fondsmanager der britischen Gesellschaft Jupiter, schon vor einiger Zeit, dass die "Erweiterung des Marktes die Gefahr birgt, den Ethos dieses Marktes zu untergraben". Weiter mahnte er an, dass viele Bonds nur schon bereits bestehende Projekte refinanzieren, etwa im Fall des französischen Staatsbonds. Viele Anleger hätten vermutlich eher das Ziel, neue Projekte zu unterstützen.

Auch bei anderen Themen hakt es teilweise noch. Nicht jedes Unternehmen passt zum grünen Grundgedanken des eigenen Bonds. Ein typisches Beispiel: der französische Energieanbieter Électricité de France (EDF). Das Unternehmen emittiert zwar grüne Anleihen, faktisch kommen derzeit aber 77 Prozent des von Électricité de France erzeugten Stroms aus nuklearen Quellen. In den letzten Jahren kaufte EDF im Atomenergiebereich sogar noch kräftig zu.

Immerhin hat der Markt sich für knifflige Fälle schon selbst eine Regulierung erarbeitet. Die International Capital Market Association (ICMA) hat mit den Green Bond Principles ein Konzept ausgearbeitet, das die Green Bonds als wirklich grün auszeichnen soll. Dafür werden die Anleihen in vier verschiedenen Bereichen getestet: die Verwendung der Emissionserlöse, die Projektbewertung und -auswahl, das Management der Erlöse sowie die Berichterstattung. Allerdings ist die Bewertung nach diesen Prinzipien natürlich freiwillig, außerdem müssen die Emittenten selbst bei einer Bewertung nicht zwingend klare Angaben zur Ertragsverwendung machen.

Einen weiteren Standard bietet die Organisation Climate Bonds Initiative an. Das Ziel: eine Mobilisierung des Anleihenmarkts für den Umweltschutz. Ein standardisiertes Zertifikat soll dabei helfen. Dafür müssen die Emittenten transparent agieren, geförderte Projekte werden bewertet. Nach dem Prozess können die Emittenten dann mit dem erlangten Zertifikat den Green Bond bewerben.

Abgesehen von diesen zwei Möglichkeiten erwägt aber auch die Politik eine Regulierung der Green Bonds. Was nicht zuletzt auch am Pariser Klimaabkommen liegen dürfte. Die Europäische Kommission lotete in diesem Jahr schon die Möglichkeiten aus, in den nächsten Jahren könnte deshalb eine Regulierung durchaus Realität werden. Auch Heike Fürpaß-Peter, Deutschland-Chefin des ETF-Anbieters Lyxor, merkt an: "Der regulatorische Druck wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen." Dem umweltbewussten Anleger dürfte das vermutlich in die Karten spielen. Schließlich könnte er sich dann sicher sein, dass sein Geld auch wirklich bei grünen Projekten ankommt.

Apropos Geld: Das Mehr an grünem Bewusstsein müssen Green-Bonds-Anleger aber häufig nicht mit Renditeeinbußen bezahlen. Analysten weisen nur zu gern darauf hin, dass das Ertrags-Risiko-Profil mit herkömmlichen Anleihen mithalten kann. Auch bei den Ratings wird das deutlich. Laut der Climate Bonds Initiative sind fast ein Viertel der Green Bonds mit einer AAA-Bewertung ausgestattet, mehr als 84 Prozent der Anleihen verfügen über ein Investment-Grade-Rating. Der junge Markt kann mit diesen Zahlen durchaus seine Stärke beweisen.

Attraktive ETFs

Das merken auch die Fondsanbieter. Tatsächlich drängen die Green Bonds inzwischen sogar auf den ETF-Markt. Den weltweit ersten Green-Bond-ETF legte Lyxor im März 2017 mit dem Green-Bond-(DR)-ETF (ISIN: LU1563454310) auf. "Der Green-Bond-ETF ist ein weiterer Schritt von Lyxor, der Nachfrage von Investoren nach einer breiten Palette von nachhaltig ausgerichteten Investmentprodukten zu entsprechen", erklärte Lyxor bei der ETF-Premiere. Deutschland-Chefin Fürpaß-Peter verrät: "Zu den größten Kunden dieses ETF zählen skandinavische Pensionsfonds." Basis für den Lyxor-ETF ist der Green-Bond-EUR-USD-IG-Index, den der Frankfurter Indexanbieter Solactive berechnet. Ein großer Vorteil der inkludierten Anleihen: Sie entsprechen alle den bereits erwähnten Vorgaben der Climate Bonds Initiative und bieten deshalb neben fairer Rendite auch eine Regulierung in Bezug auf die Transparenz. Die Kostenquote des thesaurierenden ETFs liegt bei 0,25 Prozent.

Ganz neu ist der von der italienischen Großbank Unicredit emittierte UC-MSCI-European-Green-Bond-ETF (ISIN: LU1899270539). Der physisch replizierende ETF basiert auf einem Index von MSCI, der nur Investment-Grade-Anleihen enthält, die in Europa domiziliert und in Euro denominiert sind. "Die Bank ist schon lange im Green-Bond-Bereich tätig, deswegen lag solch ein ETF nahe", erklärt Oliver Kilian von der Unicredit. Der ETF wird Zinserträge nicht ausschütten, sondern thesaurieren. Auch als Basis für Sparpläne solle der Fonds zu verwenden sein, erklärt Kilian. Die rund 100 Titel in diesem ETF decken diverse Themen wie Green Buildings, Energieeffizienz oder Biodervisität ab, außerdem werden die Anleihen nach den Green Bond Principles der International Capital Market Association ausgewählt.

von Thorben Lippert, © Januar 2019, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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