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Kolumne

Aus dem ETF Magazin: "Japans Abschied vom Gestern"



Nach Ansicht des ETF Magazin ist Japans Wirtschaft stärker, als viele glauben, und das Gewinnpotenzial japanischer Aktien groß.
20. März 2019. MÜNCHEN (ETF Magazin). In keinem Land der Erde sind die Bewohner so alt wie in Japan - abgesehen von der Rentner-Enklave Monaco. Ähnlich wie in dem Fürstentum am Mittelmeer hat sich auch in Japan in den letzten drei Jahrzehnten wenig bewegt. Wer ein Beispiel für Stagnation und Deflation sucht, denkt heute reflexartig an Japan. Der Inselstaat gilt als unbeweglich und verkrustet. Vielleicht ist es Zeit zum Umdenken, denn langsam, aber sicher wird der Greis wieder fit. Japans Wirtschaft startet durch - und mit ihr die Aktienkurse an der Börse in Tokio. Analysten sehen rund 20 Prozent Kurspotenzial - allein in diesem Jahr. Mit den richtigen ETFs können Anleger profitieren.

Vor gut fünf Jahren erhielt Japan den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2020. Im selben Jahr begann die japanische Notenbank, massiv Staatsanleihen und Aktien aufzukaufen. Bis heute kämpft die Bank of Japan mit ihrer Geldflut gegen sinkende Preise und schwaches Wirtschaftswachstum, eine Folge der Immobilienkrise Anfang der 1990er-Jahre. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte seit 1994. Doch vor ungefähr drei Jahren begann eine Zeitenwende. Es ist eine "Erholung in moderater Geschwindigkeit", sagt Japans Regierung. Für das Ende März endende japanische Finanzjahr 2018 rechnet die Regierung mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren und angesichts der Naturkatastrophen im letzten Sommer ist das eine beachtliche Wachstumsrate. Für 2019 werden 0,9 und für 2020 1,4 Prozent Wachstum eingeplant.

Auch Japans Aktienmarkt präsentiert sich wieder in guter Verfassung. Im Herbst 2012, mit dem Amtsantritt des heute amtierenden Premierministers Shinzo Abe, verabschiedete sich der Nikkei-Index von seinem Tiefststand bei 9.000 Punkten. Seitdem haben sich die Aktienkurse mehr als verdoppelt. Auch der jüngste Einbruch im vierten Quartal 2018 ist schon wieder zur Hälfte verdaut. Einiges spricht dafür, dass sich der Aufschwung fortsetzt und dass die hausgemachten Probleme, die das Land jahrelang in der Depression und Deflation gefangen hielten, zumindest teilweise gelöst werden.



Neue Offenheit

So zeichnet sich beispielsweise an der Demografie-Front Entspannung ab. Seit Jahrzehnten leidet Japan unter einer schrumpfenden Bevölkerung. Japanische Familien kriegen schlicht zu wenig Kinder. Da gleichzeitig die geburtenstarke Nachkriegsgeneration mehr und mehr aus dem Arbeitsmarkt ausschied, spannte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt immer mehr an. Doch inzwischen öffnet das Land seinen Arbeitsmarkt auch für Arbeiter aus anderen Ländern. Spezielle Integrationsprogramme sollen Ausländern den Start in Japan erleichtern. Auch die Partizipationsrate der Frauen am Arbeitsmarkt konnte in den letzten Jahren erhöht werden. Mit anderen Programmen soll zudem die Ewerbstätigkeit älterer Japaner gefördert werden.

Trotz aller Bemühungen bleiben Arbeitskräfte in Japan eher knapp. Die Arbeitslosenrate ist in den letzten Jahren ununterbrochen steil gesunken. Dieser Trend ist wohl noch nicht am Ende. "Wir erwarten, dass die Arbeitslosenrate im Jahr 2019 weiter in Richtung 2 Prozent fallen wird", schreiben die Analysten der Société Générale in einem aktuellen Research-Bericht.

Unternehmen, die händeringend nach Personal suchen: Im Kampf gegen Deflation und Stagnation ist diese Entwicklung hilfreich. "Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt schlägt sich bereits in steigenden Löhnen nieder", berichten die Analysten der Société Générale. Derzeit würden in Japan Löhne und Gehälter um rund 2 Prozent steigen, für 2019 sollte sich der Anstieg fortsetzen. Höhere Einkommen verschaffen Japans Verbrauchern mehr Spielraum beim Konsum: Seit April 2014 ist der Index zur Konsumaktivität, der von der Bank of Japan erhoben wird, deutlich gestiegen. Jesper Koll, Japan-Experte und Senior Advisor beim ETF-Anbieter WisdomTree, stellt fest: "Die japanische Inlandsnachfrage befindet sich in einem mehrjährigen strukturellen Aufwärtstrend."

Ende der Deflation und der Inflation

In Sachen Teuerungsrate gab es nämlich endlich wieder gute Nachrichten: 2018 hastete die Rate wieder Richtung 2-Prozent-Marke. Dann stockte die Entwicklung allerdings etwas, was laut Zentralbankchef Haruhiko Kuroda hauptsächlich an den niedrigeren Ölpreisen lag. Die niedrigeren Raten erachtete er daher bloß als "temporär". Das ausgerufene 2-Prozent-Ziel soll noch immer bis 2020 erreicht werden.

Sein Rezept bleibt weiter die extraexpansive Geldpolitik. "Wir glauben, dass der beste Weg darin besteht, die bestehende geldpolitische Lockerung geduldig fortzusetzen", sagte Kuroda im Januar und verschaffte damit Anlegern etwas Beruhigung. Auch Analysten sind sich größtenteils einig, dass sich an der geldpolitischen Ausrichtung in Japan nicht viel ändern wird. "Wir denken weiterhin, dass die Bank of Japan erst nach der nächsten Erhöhung der Verbrauchsteuer im Jahr 2020 politische Maßnahmen einleiten wird", schreiben die Analysten der Société Générale.

In der Tat gilt die für Oktober anstehende Mehrwertsteuererhöhung als kleines Risiko für die japanische Rehabilitation. Pessimisten befürchten eine Rezession, die Analysten der Société Générale dagegen rechnen eher mit begrenzten Auswirkungen. Schließlich sorgt nicht nur die Bank of Japan vor, auch Infrastrukturprogramme und die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele könnten die Auswirkungen abfedern. Insgesamt will der japanische Staat zur Krisenvorsorge rund 6 Billionen Yen investieren. Diese Geldschwemme dürfte als Polster für die japanische Wirtschaft wirken.

Auch Japans Exporteure bleiben auf Kurs. "Die Auslandsnachfrage nach japanischen Gütern bleibt robust", urteilen die Société-Générale-Analysten. Positiv: Anfang Februar trat das Freihandelsabkommen JEFTA zwischen Japan und der Europäischen Union in Kraft. Vor allem Zollsenkungen und Investitionsschutz implementiert das Abkommen, das laut Schätzungen für rund 40 Prozent des weltweiten Handels gilt.

Andererseits: "Natürlich ist der japanische Gesamtmarkt stark von der globalen Konjunktur abhängig und bis zu 64 Prozent der Topix-Erträge hängen von Überseeverkäufen ab", erklärt Japan-Experte Koll. Deshalb werde die Performance japanischer Largecaps immer stark durch die Konjunktur in den Vereinigten Staaten und in China beeinflusst.

Attraktive Aktien

Koll merkt aber auch an, dass durch die positiven Effekte vom Heimatmarkt solche externen Risiken ausgeglichen werden könnten. Grund dafür: die steigenden Löhne und Konsumausgaben sowie der Re-Investitionszyklus besonders von kleinen und mittleren Unternehmen. "Dieser Zyklus ist nicht von den Unsicherheiten des Welthandels betroffen, und die Gewinner sind vor allem die japanischen Smallcap-Unternehmen", erklärt Koll.

Aber auch der restliche Aktienmarkt bleibt attraktiv - und vor allem günstig. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis japanischer Aktien liegt derzeit bei etwa 1,2 und damit deutlich unter dem asiatischen Durchschnitt von 1,4. Die Kursgewinne der vergangenen Jahre waren dagegen keine reine Spekulation, sondern resultierten vor allem aus gesunden Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen, wie die Société-Générale-Analysten anmerken. Die Perspektiven für japanische Aktien sind günstig, urteilt auch WisdomTrees Koll. "2019 wird voraussichtlich ein gutes Jahr für japanische Risikoaktiva im Allgemeinen und für japanische Smallcap-Aktien werden", erklärt der Stratege. Vor dem Hintergrund steigender US-Zinsen und zunehmender Volatilität der Aktienmärkte könnten sich vor allem japanische Smallcaps im Jahr 2019 als ein hervorragendes Versteck erweisen.

Die Analysten der Société Générale sehen auch bei großen Aktien Chancen. 21.400 Punkte für den Nikkei-Index seien realistisch - womöglich sogar noch viel mehr. "In einem Szenario, in dem sich das langfristige Wachstum auf 1,5 Prozent verschiebt und die Renditen japanischer Staatsanleihen auf 0,4 Prozent steigen, erhöht sich unser Nikkei-Ziel auf rund 24.200 Punkte", erklären sie. Das wäre dann ein satter Kursanstieg von 20 Prozent.

von Thorben Lippert, © März 2019, ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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