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04.09.2017 10:55:59
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Kolumne

Börse Frankfurt Magazin: "Warren Buffett - das Orakel von Omaha"



Warren Buffett ist nicht nur einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten, er ist auch einer der reichsten Menschen dieses Planeten. Und mit 86 Jahren längst noch nicht müde.
4. September 2017. FRANKFURT. Auch am ersten Mai-Wochenende in diesem Jahr versetzte die Hauptversammlung der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway das beschauliche Omaha wieder einmal in den Ausnahmezustand. Jährlich pilgern zwischen 30.000 und 40.000 Investoren aus der ganzen Welt in die mit über 400.000 Einwohnern größte Stadt im US-Bundesstaat Nebraska. Wie auch der jährliche Aktionärsbrief hat die dreitägige Veranstaltung in Aktionärskreisen längst Kultstatus erlangt und wurde auch in diesem Jahr von Yahoo Finance per Livestream übertragen.

Viele der Teilnehmer kommen zum "Woodstock für Kapitalisten" in erster Linie, um Investorenlegende Warren Buffett einmal persönlich zu sehen. Höhepunkt des Spektakels ist dann auch die fünfstündige Fragerunde, bei der der 86-jährige CEO und sein 93 Jahre alter Vize Charles Munger Aktionären, Analysten und Journalisten Rede und Antwort stehen.

Diesen Starkult hat sich Warren Buffett aufgrund seines außergewöhnlichen Gespürs für erfolgversprechende Investments in den zurückliegenden Jahrzehnten erarbeitet. Als Sohn eines Brokers und späteren Kongressmitglieds wurde Warren Edward Buffett am 30. August 1930 in Omaha geboren und zeigte schon früh großes Interesse an den Finanzmärkten. Im zarten Alter von 11 Jahren besuchte er erstmals die New York Stock Exchange und kaufte anschließend seine allerersten Aktien - drei Vorzugsaktien des Öl- und Gaskonzerns Cities Service. Im Teenageralter verdiente Buffett Geld mit Gelegenheitsjobs wie dem Austragen von Zeitungen. Mit 14 Jahren hatte Buffett sein erstes großes Ziel erreicht, nach einer Steuerrückerstattung verfügte er erstmals über mehr als 1.000 US-Dollar.



Auf den weiterführenden Schulen baute Buffett seine Einnahmequellen weiter aus und verkaufte an den Haustüren Briefmarken, Coca-Cola oder gebrauchte Golfbälle. Er würde sich vom höchsten Gebäude Omahas hinunterstürzen, soll Buffett der Legende nach einem Mitschüler einmal anvertraut haben, sollte er bis zu seinem 30. Geburtstag nicht zum Millionär aufgestiegen sein. Im Alter von 15 Jahren investierte Buffett seine angesparten 2.000 US-Dollar in eine 40-Acre-Farm in Nebraska, die er bewirtschaften ließ und mit deren Erlösen er einen Großteil seiner schulischen Laufbahn finanzierte. Mit seinem Universitätsabschluss in der Hand hielt Buffett zunächst Vorlesungen an der Universität in Omaha, bevor er 1954 mit seiner Frau Susan und seiner Tochter nach New York umzog und sich in die Hände seines Mentors, dem Value-Investing-Papst Benjamin Graham begab.

In den Fünfzigerjahren arbeitete Buffett zunächst als Broker und Analyst, schmiss den Job nach fünf Jahren jedoch in der Überzeugung, mit seinen Investments ausreichend Geld für ein schönes Leben verdienen zu können hin, und gründete im Jahr 1956 mit einer Einlage von 100 US-Dollar Buffett Partnership Ltd. An sieben Familienmitglieder und engste Freunde wurden für insgesamt 105.000 US-Dollar Anteile an der Gesellschaft ausgegeben und eine bemerkenswerte Vereinbarung getroffen. Von sämtlichen Renditen oberhalb von vier Prozent würde Buffett die Hälfte als Erfolgsprämie erhalten, die er umgehend in weitere Anteile reinvestierte. Gleichzeitig verpflichtete er sich, stets ein Viertel von möglichen Verlusten zu ersetzen. Nach außergewöhnlich erfolgreichen Jahren gehörten ihm 1959 bereits 9,5 Prozent der Vermögenswerte von Buffett Partnership in Höhe von über einer Million US-Dollar.

Der bis heute wohl berühmteste Deal der Investmentlegende war 1964 Übernahme von Berkshire Hathaway. Dabei handelte es sich um ein Unternehmen, das 1830 als Textilfabrik gegründet wurde. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Buffett erstmals Anteile an der Gesellschaft gekauft, die aufgrund von Managementstreitigkeiten operative Probleme hatte und günstig zu haben war. Dieses Gespür für eine günstige Gelegenheit stellte der Value-Investor in den anschließenden Jahrzehnten immer wieder unter Beweis und baute mit Investments wie Geico, Duracell, Fruit of the Loom, American Express, Coca-Cola, IBM oder Wal-Mart ein riesiges Konglomerat auf. Bis heute investiert Buffett nur in Firmen, deren Geschäft er wirklich versteht. Dabei beweist Buffett oftmals den Mut für Anlagen in Unternehmen, die kaum ein anderer Investor zu dieser Zeit anfassen möchte, wie etwa Bankaktien zu Zeiten der Finanzkrise. Dieses Risiko lässt er sich aber auch fürstlich entlohnen. Sein Investment in American Express hat sich seit der Finanzkrise ebenso vervielfacht wie der Aktienkurs von Wells Fargo, von denen Berkshire Hathaway 120 Millionen Aktien übernommen hatte. Die Goldman-Sachs-Position brachte Dividenden in Höhe von rund 500 Millionen US-Dollar pro Jahr sowie einen Bonus von weiteren 500 Millionen US-Dollar ein, als das Finanzinstitut die Aktien zurückkaufte.

Im Alter von 86 Jahren zeigt sich Warren Buffett längst noch nicht müde, hat dennoch bereits seinen Nachlass geregelt. Zusammen mit seinem Freund Bill Gates startete Buffett die Kampagne The Giving Pledge, bei der Milliardäre einen Großteil ihres Vermögens für das Gemeinwohl spenden sollen. Buffett selbst hat angekündigt, 85 Prozent seines Vermögens wohltätigen Zwecken zu spenden. Hinsichtlich seines Nachfolgers auf dem Vorstandsposten von Berkshire Hathaway hat sich Buffett bereits festgelegt, der Name steht in einem Briefumschlag, der dem Aufsichtsrat vorliegt. Das Geheimnis, um wen es sich dabei handelt, wurde auch bei der 52. Hauptversammlung in diesem Jahr nicht gelüftet.

28. August 2017. © Menthamedia

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