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11.07.2017 12:03:45
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Kolumne

ETF Magazin: "Wandelanleihen sind stark in volatilen Märkten"



In unsicheren Börsenzeiten punkten Anleger mit Wandelanleihen. Jetzt gelingt das auch mit ETFs.
11. Juli 2017. München (ETF Magazin). Unsicherheit wird das Wort des Jahres", prognostiziert Tilmann Galler. Der Kapitalmarktstratege von J.P. Morgan Asset Management gibt damit wieder, was wohl jeder regelmäßige Leser von Markt- oder Research-Berichten denkt. Die Liste der Risiken und Nebenwirkungen ist lang - und wird im Wochenrhythmus ergänzt. Beispiel Frankreich: Vor der Präsidentenwahl fürchteten sich Anleger vor einem Erfolg der Euro-Gegner um Marine Le Pen. Kaum war durch den Sieg Macrons diese Gefahr abgewendet, wurde klar: Ganz so einfach wie erhofft wird es der neue Präsident wohl nicht mit der Umsetzung seiner Reformen haben. Jetzt warten Anleger auf das Ergebnis der französischen Parlamentswahlen.

An den Börsen kommen angesichts der Unsicherheiten die Kurse nicht richtig voran. Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Im Schnitt kommt es jedes Jahr am Aktienmarkt zu einem Rückgang von zwölf Prozent, hat J.P. Morgan-Stratege Galler ausgerechnet. Auch deshalb schadet es nicht, das Portfolio wetterfest zu machen. Wandelanleihen könnten das richtige Instrument für dieses Vorhaben sein.

"Wandelanleihen bieten ein überlegenes Risiko-Rendite-Profil", schwärmt Tarek Saber, Chef des Wandelanleihenteams bei NN Investment Partners. In volatilen Zeiten könnten die Wandler ihre Stärken besonders gut ausspielen. Nicht nur für Aktien-, sondern auch für Anleihen-Fans seien Wandler sinnvoll. "Wandelanleihen bieten Anleiheninvestoren substantielle Diversifikationseffekte", erklärt Saber. Nun können Anleger auch mit ETFs in Wandelanleihen investieren. Der Zeitpunkt für den Einstieg scheint günstig. "Wandelanleihen sind jetzt wieder attraktiv bewertet", sagt Marc Basselier, Anlagestratege von Axa Investment Managers.



Wandelanleihen sind eine Mischung aus Aktie und festverzinslichem Wertpapier. Wie Anleihen haben sie einen festen Zins und werden am Ende der Laufzeit zurückgezahlt. Dabei sind ihre Zinsen niedriger als bei herkömmlichen Anleihen. Emittenten sind Unternehmen, die sich dadurch preiswerter Kapital besorgen können als mit traditionellen Anleihen. Der Preis dafür ist ein Wandlungsrecht: Wer eine Wandelanleihe zeichnet, kann meistens die Anleihe in Aktien des Unternehmens tauschen.

Besonders spannend für Anleger ist das Rendite-Risiko-Profil der Wandler. Als Faustregel gilt: Wandler machen Kursaufschwünge am Aktienmarkt zu zwei Dritteln, Abschwünge jedoch nur zu einem Drittel mit. Im Vergleich zu Aktien bekommen Anleger bei Wandelanleihen also mehr Ertrag pro Risikoeinheit. In den vergangenen Jahrzehnten glänzten Wandelanleihen deshalb mit fast ebenso hohen Erträgen wie Aktieninvestments, zumindest bei langer Anlagedauer. Hauptgrund: In vergangenen Korrekturphasen erwiesen sich Wandelanleihen oft standfester als Aktien und mussten deshalb in der anschließenden Erholungsphase weniger Verlust ausbügeln. Unterm Strich versprechen Wandelanleihen Anlegern also aktienähnliche Erträge bei deutlich weniger Risiko. Das macht sie auch für Anleiheninvestoren als Ergänzung interessant: "Mindestens solange klassische sichere Anlagen wie Staatsanleihen nur schwache Renditen erbringen, dürften Wandler attraktiv bleiben", verspricht Basselier.

Attraktiver Sekundärmarkt

Aus Sicht von Basselier bieten sich zurzeit vor allem Investments in schon emittierte Wandelanleihen an und nicht die Teilnahme an Neuemissionen. "Für Investoren ist aktuell eine gute Gelegenheit, um bestehende Positionen auszubauen, insbesondere, wenn diese Papiere über überzeugende Fundamentaldaten verfügen." Die Begründung des Experten: In den Vereinigten Staaten, dem weltgrößten Wandelanleihenmarkt, habe die Aktivität am Primärmarkt bereits nachgelassen. In Europa seien dagegen die Neuemissionen zuletzt wenig überzeugend ausgefallen.

Viele Altanleihen profitierten außerdem davon, dass viele Unternehmen die von ihnen bereits vor einigen Jahren ausgegebenen Wandelanleihen zurückkaufen. Basselier berichtet von anhaltenden und hohen Rückkäufen der Emittenten. Gründe dafür gebe es im aktuellen Umfeld genug. So wollten einige Firmen etwa von den günstigen Bedingungen am Aktienmarkt profitieren. Andere Wandelanleihen-Emittenten würden dagegen das anhaltende Niedrigzinsumfeld nutzen wollen, um sich langfristig günstige Finanzierungskosten zu sichern. "Diese Entwicklung war in den vergangenen Monaten ein wichtiger Performancetreiber für Wandelanleihenportfolios", berichtet Marktkenner Basselier. Ein Ende dieses Trends ist noch nicht absehbar. Bis auf Weiteres dürften daher die Rückkäufe die positive Kursentwicklung der Wandelanleihen unterstützen.

Der Welt-Wandelanleihen-ETF

Der ETF-Pionier State Street war auch der erste Anbieter, der in Europa mit einem ETF für Wandelanleihen an den Markt kam. Der seit gut zwei Jahren auf Xetra gehandelte SPDR-Thomson-Reuters-Global-Convertible-Bond-ETF enthält rund 250 Wandelanleihen aus aller Welt und basiert auf dem Thomson-Reuters-Qualifed-Global-Convertible-Index (ISIN IE00BNH72088). Er investiert dabei direkt in die Wandelanleihen und verzichtet auf den Einsatz von Derivaten oder Swaps zur Abbildung des Index. Die enthaltenen Wandelanleihen brauchen ein Mindest-Emissionsvolumen von 275 bis 500 Millionen US-Dollar, je nach Sitz des Emittenten. Der maximale Anteil eines Emittenten liegt bei vier Prozent. Aktuell kommt ein gutes Drittel der Anleihen aus den USA, der Rest verteilt sich etwa zu gleichen Teilen auf Anleihen aus Europa und Asien.

Auch in Bezug auf das Delta, also die Sensitivität der Anleihenkurse zu den Aktienkursen, ist das ETF-Portfolio ausgewogen. Mit seinem Delta von 0,5 orientiert sich der Kurs des ETF nicht allzu stark am Aktienmarkt. Dennoch erreichte der ETF in den vergangenen zwölf Monaten eine Wertsteigerung von mehr als neun Prozent. Der ETF schüttet seine Erträge im Januar und Juli aus. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,5 Prozent.

Robustes Portfolio

Der europäische Wandelanleihenmarkt ist deutlich kleiner als der US-Markt, dennoch gibt es auch in Europa attraktive Wandler. Rund 65 von ihnen finden sich im UC-Thomson-Reuters-Balanced-European-Convertible-Bond-ETF der italienischen Unicredit (ISIN LU1199448058). Der ETF bildet die Wertentwicklung des Thomson-Reuters- Monthly-Europe-Focus-Convertible-Index ab, in den nur große und liquide Wandelanleihen europäischer Emittenten aufgenommen werden. Vertreten sind Anleihen von Emittenten aus 14 Ländern. Nicht wenige stammen aus Ländern, die nicht zur EU oder zum Euro-Club gehören. Gut 60 Prozent des ETF-Portfolios bestehen aus Wandlern, die in Euro notieren; mehr als 20 Prozent lauten auf US-Dollar, 14 Prozent auf britische Pfund. Bei der Sektorgewichtung dominiert die Immobilienbranche mit 15 Prozent Gewicht im Portfolio vor der Öl-, Telekom- und Einzelhandelsbranche sowie Versorgern und Industrie, die nur jeweils rund zehn Prozent ausmachen.

Weiteres Plus des ETF: Es werden nur Anleihen mit einer hohen Konvexität aufgenommen. Das gefällt vielen Anlegern, denn es bedeutet, dass bei steigenden Zinsen der Preis einer Anleihe weniger stark fällt und bei fallenden Zinsen der Kurs stärker steigt als bei Anleihen mit geringer Konvexität.

von Uli Kühn © Juni 2017 - ETF Magazin


Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.

Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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