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09.05.2018 09:47:58
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Kolumne

Börse Frankfurt Magazin: "Rohstoffe - der neue Superzyklus"



Lange Zeit waren die Rohstoffpreise auf dem Rückzug, bis sich in den vergangenen zwei Jahren eine spürbare Stabilisierung durchsetzen konnte. Nun könnte aus dem Comeback gar ein neuer Superzyklus entstehen.
9. Mai 2018. FRANKFURT (Menthamedia). Es ist gerade einmal rund zwei Jahre her, da lagen die Preise vieler Rohstoffe am Boden. Der Bloomberg Commodity Index, der die Preisentwicklung von 22 Rohstoffen widerspiegelt, markierte Anfang 2016 ein neues Mehrjahrestief. Der Goldpreis drohte zeitweise unter die Marke von 1.000 US-Dollar je Unze zu rutschen. Ein Barrel Öl war zu diesem Zeitpunkt für weniger als 30 US-Dollar zu haben. Die Öllager liefen damals förmlich über, ganze Tankerflotten wurden von den großen Ölkonzernen gechartert, um die hohen Überproduktionen auf den Weltmeeren zwischenzulagern.

Inzwischen hat sich der Ölpreis wieder mehr als verdoppelt und ein Niveau erreicht, das er zuletzt im Jahr 2014 gesehen hatte. Nur die wenigsten Investoren dürften ein solch schnelles Comeback auf der Rechnung gehabt haben, das zu einem großen Teil auf die konsequente Förderkürzung der OPEC zurückzuführen ist. Die 1960 gegründete Organisation erdölexportierender Länder hatte mit einer Reduzierung des Ölausstoßes um 1,8 Millionen Barrel reagiert, um die aus dem Ruder gelaufenen Lagerbestände auf einen Fünf-Jahres-Durchschnitt zurückzuführen.

Neben der strikten Begrenzung der Fördermengen spielte der Ölbranche aber auch die boomende Weltkonjunktur in die Karten. Gerade in den Industrienationen hatten die Konjunkturdaten der zurückliegenden Quartale immer wieder positiv überrascht, zuletzt hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Schätzung zum Weltwirtschaftswachstum auf 3,8 Prozent angehoben. Die Produktion in den Fabriken läuft auf Hochtouren, die Rohstoffvorräte der weltweiten Lagerstätten schmelzen wie Eis in der Sonne. Das weitestgehend synchrone Wachstum in praktisch allen Teilen der Erde sorgt für eine immer größere Nachfrage nach Rohstoffen.



Für die Rohstoffmärkte ist aber nach wie vor der chinesische Rohstoffhunger besonders relevant. Dort ist die Wirtschaft zuletzt sogar mit einem höheren Tempo gewachsen als von der Regierung ursprünglich zum Ziel gesetzt. Klassische Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium, Nickel oder Blei werden im Reich der Mitte in gewaltigen Mengen benötigt. Aber auch bei Eisenerz, Kohle oder Rohstahl liegt der Anteil Chinas an der globalen Nachfrage zwischen 40 und 60 Prozent.

Bestes Umfeld seit dem letzten Superzyklus

Die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs sieht aufgrund der robusten Weltkonjunktur derzeit gar das beste Umfeld für Rohstoffe seit dem letzten Superzyklus zwischen 2004 und 2008. Die beiden Goldman-Sachs-Analysten Jeffrey Currie und Michael Hinds skizzieren in ihrer Researchstudie deshalb einen weiteren Preisanstieg für Rohstoffe im Jahresverlauf. Ihnen zufolge könnte Öl der Sorte Brent auf mehr als 80 US-Dollar je Fass zulegen und auch Eisenerz weiter nach oben streben. Besonders optimistisch ist man jedoch für den Kupferpreis, bei dem man bis zum Jahresende einen prozentual zweistelligen Zuwachs auf mehr als 8.000 US-Dollar je Tonne erwartet. Es wäre das höchste Niveau seit fünf Jahren. Das Rotmetall gilt seit jeher als besonders zuverlässiger Signalgeber, um den Gesundheitszustand der Weltkonjunktur zu diagnostizieren, weshalb Kupfer von zahlreichen Marktteilnehmern auch als "Dr. Copper" bezeichnet wird.

Derzeit wird noch etwas mehr Kupfer hergestellt als verbraucht wird - ein Umstand, der sich in den kommenden Monaten jedoch dramatisch ändern dürfte. Während Analystenhäuser wie Macquarie Research bis zum Jahr 2020 von einem jährlichen Anstieg der Nachfrage um 2,2 Prozent ausgehen, wird die Kupferproduktion rund um den Globus im gleichen Zeitraum mit 1,2 Prozent p.a. deutlich langsamer wachsen. Als Folge würde bereits ab 2020 mehr Kupfer verbraucht als produziert werden. Schon zwei Jahre später soll das Defizit bei rund 500.000 Tonnen liegen. Das fehlende Angebot auszugleichen, ist nicht einfach. Neue Kupfervorkommen wirtschaftlich zu erschließen ist ein schwieriges und teures Unterfangen, weshalb es derzeit nur eine sehr überschaubare Anzahl von Projekten im Entwicklungsstadium mit nennenswerten Ressourcen gibt.

E-Mobilität schiebt Nachfrage ebenfalls an

Der Siegeszug der Elektromobilität feuert die Phantasie beim Kupfer zusätzlich an. Nahezu alle deutschen und internationalen Hersteller haben Modelloffensiven bei ihren Stromern angekündigt. BMW will den Anteil der elektrifizierten Autos am Gesamtabsatz bis zum Jahr 2025 auf mindestens 15 Prozent verdreifachen, Volkswagen zwischen 2022 und 2030 sämtliche Modelle mit elektrischem Antrieb anbieten und bei Daimler soll der Absatzanteil der batterieelektrisch betriebenen Fahrzeuge im Jahr 2025 bei 15 bis 25 Prozent liegen.

Internationale Automobilkonzerne sind in diesem Wettlauf bereits weiter. Mitte Dezember veröffentlichte Toyota seine Elektro-Ziele, die Verkäufe von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben auf 5,5 Millionen beziehungsweise 50 Prozent des Gesamtabsatzes zu steigern. Insgesamt könnten bis 2035 weltweit rund 140 Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen rollen, in denen sowohl in den Batterien wie auch in Motoren Kupfer verbaut ist. Kommen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor heute mit rund 25 Kilogramm Kupfer aus, sind es bei reinen Elektroautos mit bis zu 80 Kilogramm rund dreimal so viel.

In diesem Zusammenhang hat die deutsche Industrie schon im vergangenen Jahr vor Engpässen bei der Rohstoffversorgung gewarnt, weil der Bedarf schneller als die Kapazitäten bei der Förderung steigt. Bei Rohstoffen, die für den Bau von Batterien für Elektroautos benötigt werden, ist die deutsche Wirtschaft gänzlich auf Importe angewiesen. Aktuell ist die Versorgung noch gewährleistet, der Anteil der Elektromobilität an der gesamten Nachfrage sehr bescheiden: Lediglich 1 Prozent des weltweiten Nickelbedarfs stammt aus der E-Mobility-Branche, bei Lithium sind es 5 Prozent, bei Kobalt immerhin 10 Prozent.

Weil sich die Verkäufe von Elektrofahrzeugen in den kommenden Jahren aber vervielfachen werden, steigt auch der Bedarf dramatisch an: Das Investmenthaus Macquarie Research rechnet damit, dass 2022 bereits 27 Prozent der weltweiten Kobalt-Nachfrage aus dem Bereich der Elektromobilität kommt. Bei Nickel sollen es 10 Prozent und bei Lithium sogar 50 Prozent der Nachfrage sein. Diese sogenannten Batteriemetalle gehörten im vergangenen Jahr auch zu den größten Gewinnern am Rohstoffmarkt. Lithium setzte seine Rallye mit einem weiteren Anstieg um rund 25 Prozent eindrucksvoll fort, während Kobalt sämtliche Rohstoffe komplett in den Schatten stellte und sich mit einem Zugewinn von 115 Prozent im Jahresverlauf mehr als verdoppelte.

Rohstoffzyklus steht noch am Anfang

Insgesamt befindet sich der Rohstoffsektor seit circa zwei Jahren wieder im Aufwind und belohnt all diejenigen, die trotz der jahrelangen Durststrecke an ihren Rohstoffinvestments festgehalten haben oder zum richtigen Zeitpunkt antizyklisch eingestiegen waren. Vieles spricht dafür, dass sich die Rallye weiter fortsetzen kann und wir erst am Beginn eines neuen Superzyklus stehen, der typisch für die Rohstoffbranche wäre. Denn langfristig wird die Entwicklung der Rohstoffpreise vom Zusammenspiel zwischen physischem Angebot und der Nachfrage bestimmt.

Bis vor wenigen Jahren wurden die Rohstoffmärkte vor allem vom enormen Rohstoffbedarf der wachstumsstarken Schwellenländer dominiert. Die bis zur Finanzkrise kräftig gestiegenen Preise haben damals eine Investitionslawine losgetreten, die eine spürbare Ausweitung der Produktionskapazitäten zur Folge hatte. Während der jüngsten Baisse wurden aber zahlreiche Rohstoffproduzenten aus dem Markt gedrängt, Produktionsanlagen und Minen geschlossen, zudem die Investitionen in neue Projekte gekürzt oder gar komplett zurückgestellt. Noch heute produzieren einige Hersteller zu Kosten, die oberhalb der Marktpreise liegen, weshalb sich die Investitionsbereitschaft selbst nach dem Preisaufschwung der vergangenen 24 Monate vielerorts noch in Grenzen hält. Weil neue Projekte damit Mangelware sind und stillgelegte Produktionsstätten nicht so schnell wieder nach oben gefahren werden können, wird beim vorprogrammierten Anstieg der Nachfrage das Angebot vieler Rohstoffe nicht mithalten können. Übrigens: Zwei der jüngsten drei Superzyklen im Rohstoffsektor dauerten gut fünf Jahre, der letzte sogar mehr als acht Jahre. Zwischen 1999 und 2008 legten die Rohstoffpreise 200 bis 300 Prozent zu.

Für Doug Casey ist deshalb nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um wieder in den Rohstoffsektor einzusteigen. Der US-amerikanische Finanz- und Rohstoffanalyst sieht die Rohstoffpreise derzeit noch immer relativ wie absolut betrachtet als günstig an und rechnet in den kommenden Jahren mit einer starken zyklischen Erholung - nicht nur bei den industriell stark nachgefragten Rohstoffen wie Kupfer, Eisenerz oder Energie, sondern auch bei Edelmetallen wie Gold oder Silber.

Diese Einschätzung vertritt auch die Bank Goldman Sachs, die sich in den vergangenen Jahren stets kritisch zum Goldpreis geäußert hatte, ihre Erwartungen in der bereits erwähnten Rohstoff-Studie nun aber um 180 Grad gedreht und die Zielmarken kräftig nach oben gesetzt hat. Binnen sechs Monaten erwartet Goldman Sachs einen Anstieg des Goldpreises auf 1.375 US-Dollar je Unze, im kommenden Jahr dann auf 1.450 US-Dollar je Unze. Bislang waren die ausgerufenen Kursziele deutlich bescheidener: 1.200 bzw. 1.250 US-Dollar je Unze. Hohe Staatsschulden und eine an Fahrt gewinnende Inflation sind nur zwei von mehreren Faktoren, die dafür sprechen, dass auch der Goldpreis seine Ende 2015 gestartete Aufholjagd in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird.

Nachdem sich Rohstoffinvestments jahrelang eher als Renditekiller im Portfolio erwiesen hatten, scheint sich das Blatt nun jedoch gewendet zu haben. Dank der starken konjunkturellen Perspektiven dürfte sich die Erholung des Sektors noch eine ganze Weile fortsetzen. Anleger, die Rohstoffinvestments ihrem Depot beimischen möchten, finden eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten wie etwa Sparpläne, Aktien, Fonds, Optionsscheine oder Zertifikate.

Eine komfortable Alternative, an der Preisentwicklung einzelner Rohstoffe zu partizipieren, sind Exchange Traded Commodities, die die Preisentwicklung eines Rohstoffs, eines Rohstoff-Futures oder eines Rohstoff-Index nachbilden. ETCs sind ähnlich ausgestaltet wie börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und haben mit diesen viele Vorteile gemeinsam: Sie sind kostengünstig und ihre Preisbildung ist transparent. Zudem verfügen ETCs über eine unbegrenzte Laufzeit, werden an der Börse fortlaufend gehandelt und bieten zudem ein hohes Maß an Liquidität. Rechtlich gesehen sind ETCs genauso wie Zertifikate Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Das Emittentenrisiko sollte man als Anleger daher stets im Auge behalten.

Mai 2018 © Menthamedia

Das Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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