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30.05.2018 10:09:07
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Kolumne

DJE-Marktkommentar: "Rohstoffmarkt bietet weiterhin Chancen"



Fondsmanager Stefan Breintner sieht insbesondere bei Kupfer, Kobalt und Nickel steigende Nachfrage auf knappes Angebot treffen. Der Einfluss der Elektromobilität auf den Rohstoffsektor könnte massiv unterschätzt werden.
30. Mai 2018. PULLACH (DJE Kapital). Der globale Rohstoffsektor hat sich in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt gut entwickelt. Innerhalb des Sektors überzeugten vor allem die Aktien von diversifizierten Minenkonzernen bzw. Metallproduzenten. Auch Energieaktien entwickelten sich im ersten Halbjahr 2018 besser, während die Kursentwicklung von Gold- und Edelmetallaktien enttäuschte.

Die Aussichten für diversifizierte Minenkonzerne und Metallproduzenten bleiben weiter gut. Die Vorstandsvorsitzenden der weltweit größten Rohstoffkonzerne wie z.B. Anglo American, BHP Billiton, Glencore oder Rio Tinto zeigten sich zuletzt auf einer der führenden Branchenkonferenzen von Bank of America Merrill Lynch relativ zuversichtlich hinsichtlich der erwarteten Nachfrageentwicklung des global größten Rohstoffkonsumenten China. Dies gilt auch für die Nachfrageentwicklung im Rest der Welt. Titel der diesjährigen Metals, Mining & Steel Konferenz war: "Value over volume: Delivered. Pivot to growth?".

Die Frage, ob der Sektor vor einer neuen, von Investitionen getriebenen Wachstumsphase steht, wurde von den meisten Unternehmensvertretern mit nein beantwortet. So gut wie kein Unternehmen plant einen neuen Investitionszyklus und damit ein Hochfahren bzw. Erschließen neuer Projekte. Die Pipeline hinsichtlich neuer Minenprojekte ist damit weitgehend leer. Demzufolge könnten die Preise für Eisenerz, Kohle und Buntmetalle länger als erwartet auf hohen Niveaus bleiben. Dies würde die Gewinn- und die freie Cash-Flow-Entwicklung der Produzenten begünstigen und sollte daher auch positiv auf die Aktienkurse abstrahlen.



Nickel: Der Place to be?
 

Besonders interessant erscheinen mittel- bis längerfristig die Perspektiven für Nickel. Bereits heute befindet sich der weltweite Nickelmarkt in einer sogenannten Defizitsituation. Das heißt, dass das jährliche Angebot aus laufender Produktion geringer als die Nachfrage ist. Aktuell gibt es keine großen neuen Nickelprojekte. Die Pipeline ist praktisch leer. In den kommenden Jahren könnte sich die Angebotssituation noch weiter verschärfen. Aktuell gehen konservative Marktschätzungen davon aus, dass das Angebotsdefizit bei Nickel von ca. 90.000 Tonnen im Jahr 2017 bis 2025 auf ca. 500.000 Tonnen ansteigen könnte.

Stefan BreintnerBreintner
 


Grund ist das erwartet hohe Nachfragewachstum der Batterieindustrie. Nickel wird heute noch überwiegend von der Edelstahlindustrie nachgefragt. Die Nachfrage der Batterieindustrie ist aktuell noch relativ gering, könnte sich aber bis 2025 mehr als vervierfachen. Weltweit führende Nickelproduzenten wie die russische Norilsk Nickel, der brasilianische Vale-Konzern oder Glencore mit Sitz in schweizerischem Zug rechnen damit, dass unter der Annahme, binnen der nächsten 10 Jahren entfallen ca. 30 Prozent am globalen PKW-Produktionsmix auf rein elektrisch betriebene Fahrzeuge, ca. 1,1 bis 1,4 Millionen Tonnen pro Jahr an zusätzlicher Nickelnachfrage hinzu kommen könnten.

Da 1,1 Millionen Tonnen ca. 46 Prozent der gesamten 2017er Angebots-Kapazität von 2,4 Millionen Tonnen entsprechen, müsste eigentlich massiv in neue Projekte investiert werden, um diese erwartete Nachfrage zu decken. Vale prognostizierte auf der Metals, Mining & Steel Konferenz, dass mindestens 70 Milliarden US-Dollar zeitnah in neue Nickel-Projekte investiert werden müssten, um zukünftig nicht in ein massives Angebotsdefizit zu rutschen.

Niedrige Investitionen trotz Fantasie durch Elektromobilität?

Wie bei Nickel gibt es auch bei Kupfer praktisch keine neuen großen Green-Field-Projekte. Unter Green-Field versteht man die Errichtung einer Mineninfrastruktur an einem komplett neu zu erschließenden Standort, das heißt man muss auch Straßen, Unterkünfte fürs Personal, eine Strom- und Wasserversorgung, etc. errichten. Solche Projekte "auf der grünen Wiese" sind teuer und zeitintensiv. Ein komplett neues Green-Field-Projekt dauert oftmals 7 bis 10 Jahre.

Zur Erfüllung einer Produktionsquote von 30 Prozent Elektroautos am globalen Produktionsmix bis 2030 werden wie bereits erwähnt vor allem immense Mengen an Nickel, Kobalt und Kupfer benötigt. Es stellt sich die Frage, warum die Bergbaukonzerne angesichts solcher Perspektiven nicht anfangen mehr zu investieren? Dies hat zwei Gründe: Erstens liegen die interessanten, nicht erschlossenen Ressourcen oftmals in geopolitisch riskanteren Ländern wie dem Kongo (Kobalt) oder Kasachstan (Kupfer). Zweitens scheuen die Konzerne die hohen Investitionen. In den vergangenen 15 Jahren hat der Sektor die Nachfrageentwicklung nach Metallen zu optimistisch eingeschätzt und zu viel investiert. 2003 bis 2015 lagen die gesamten Investitionen des Sektors bei mehr als einer Billion US-Dollar.

Als Folge dieses Investitionsbooms kamen die Aktienkurse der Bergbaukonzerne vor allem im Zeitraum 2013 bis 2015 aufgrund einer fehlenden freien Cash-Flow-Generierung und zu hoher Schulden massiv unter Druck. Die Generierung freier Überschussliquidität steht heute aber für viele Konzerne im Fokus. Deshalb wird seit 2016 signifikant weniger investiert. Die Fehler der Vergangenheit sollen sich nicht wiederholen. Als Folge dürfte das Angebot bei Nickel, Kupfer, Kobalt knapp bleiben bzw. bei 30 Prozent Elektroautoquote massiv ins Defizit rutschen. Die längerfristigen Gewinnaussichten der Bergbauindustrie könnten daher unterschätzt werden.

Fazit

Rohstoffaktien schneiden am Ende eines Konjunkturzyklus oftmals am besten ab. Im Vergleich zur Vergangenheit ist der Sektor aktuell vor allem durch eine sehr hohe Investitionsdisziplin und durch eine sich mehr und mehr leerende Projektpipeline gekennzeichnet. Setzt sich die E-Mobilität durch, dürfte es bei einigen Metallen größere Angebotsdefizite geben. Aktien gut positionierter Bergbaukonzerne erscheinen daher weiter aussichtsreich.

von Stefan Breintner, Fondsmanager

30. Mai 2017, © DJE Kapital

Die DJE Kapital AG ist seit über 40 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit ca. 100 Mitarbeitern (davon rund 20 Fondsmanager und Analysten) aktuell über 12 Milliarden Euro (Stand: 30.04.2018) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten.

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