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16.03.2016 13:49:30
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Börse Frankfurt News

Rohstoffe: Gold ja, Öl nein



Gold-ETCs werden weiter gekauft, in Öl-Verbriefungen hingegen Gewinne mitgenommen. Der Preisanstieg der Industriemetalle könnte Analysten zufolge schon vorbei sein.
16. März 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Lebenszeichen bei den Rohstoffpreisen sind nicht zu übersehen, auch wenn der Rallye langsam die Puste auszugehen scheint. Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent kletterte zwischenzeitlich über die 40 US-Dollar-Marke. Am Mittwochmittag sind es 39,44 US-Dollar - das ergibt gegenüber dem Tief von Mitte Januar immer noch ein Plus von 36 Prozent. Kupfer ist seitdem um fast 15 Prozent teurer geworden, Zink um 20 Prozent. Und der Goldpreis kletterte von 1.063 US-Dollar je Unze Ende Dezember 2015 auf ein Jahreshoch von 1.282,50 US-Dollar vergangene Woche, jetzt sind es immer noch 1.231 US-Dollar.

Goldrausch hält an

Der Höhenflug des Goldes hängt vor allem mit Zuflüssen in Gold-ETCs zusammen, wie Analysten feststellen. "Physische Gold-ETCs (WKN A0N62G) verzeichneten die zehnte Woche infolge Mittelzuflüsse, vergangene Woche wurden erneut 114,1 Millionen US-Dollar investiert", berichtet Jan-Hendrik Hein von ETF Securities. Das liege auch daran, dass zyklische Vermögenswerte, vor allem die Aktienmärkte, in letzter Zeit keine Fortschritte gemacht haben. "Aggressive Impulse kamen stattdessen von der EZB und der Reserve Bank of New Zealand, die für Überraschung an den Märkten sorgten." Anleger gingen nun davon aus, dass die Realzinsen für einige Zeit unter Druck bleiben würden.

Nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank stößt die Preiserholung von Rohstoffen wie Öl, Eisenerz oder Kupfer langsam an ihre Grenzen. "Bei den Edelmetallpreisen wird angesichts der global lockereren geldpolitischen Tendenzen die Unterstützung aber hoch bleiben."

Strohfeuer oder Comeback?
 

"Da die Wachstums- und Finanzmarktunsicherheiten vermutlich den Höhepunkt erreicht haben, dürfte schon rein marktpsychologisch die Aufwärtsdynamik von Gold kurzfristig eher etwas nachlassen", urteilt Heinrich Peters von der Helaba. Gleichwohl sprächen die anhaltend niedrigen US-Realzinsen sowie günstigere fundamentale Marktverhältnisse für eine gewisse Robustheit des gelben Metalls. Zudem interessierten sich institutionelle Anleger unter Diversifikationsaspekten wieder vermehrt für Gold. "Mittelfristig könnte sogar erhebliches Aufwärtspotenzial gegeben sein, sofern sich die Tendenz zu Negativzinsen und Einschränkungen/Abschaffung des Bargeldverkehrs verstärkt. Gold übernähme dann vermutlich zunehmend Geldfunktion."

Heinrich PetersPeters
 
Die DekaBank sieht unterdessen keine nachhaltige Abkehr vom seit 2013 anhaltenden Abwärtstrend. "Die Weltwirtschaft wird nicht in eine Rezession schlittern, und mit der US-Notenbank Fed hat der Ausstieg aus der Nullzinspolitik zumindest begonnen", erklärt Dora Borbély. Die Bank geht davon aus, dass es in diesem Jahr mehr US-Leitzinserhöhungen geben wird als am Markt erwartet. "Das wird den Goldpreis im weiteren Jahresverlauf belasten." Auf Sicht von sechs Monaten werden 1.090 US-Dollar prognostiziert, auf Sicht von zwölf Monaten 1.020 US-Dollar.

Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen stehen Gold-ETCs ganz oben, konkret Xetra Gold (WKN A0S9GB), der Source Physical Gold (WKN A1MECS), der db Physical Gold Euro Hedged (WKN A1EK0G) und der db Physical Gold (WKN A1E0HR).

Ölpreisverfall gebremst

Auslöser für den Ölpreisanstieg war die Einigung Saudi-Arabiens, Russlands, Venezuelas und Katars, die Fördermengen auf dem Niveau vom Januar 2016 einzufrieren. "Mehr Öl könnte allerdings aus anderen Ländern wie dem Iran oder dem Irak auf die Weltmärkte gelangen", bemerkt Borbély. Daher bleibe es unklar, inwieweit die globale Produktion tatsächlich begrenzt werde. "Immerhin sinkt die US-Ölförderung seit Februar." Das Fundament für eine künftige Verteuerung sei zwar nun stabiler, ob der Aufwärtstrend aber jetzt schon anhalten werde, sei fraglich. "Daher behalten wir unsere Prognose bei, dass sich der Ölpreis in der Bodenbildung befindet." Weitere kräftige Preisanstiege erwartet die Bank erst in der zweiten Jahreshälfte, auf Zwölfmonatssicht wird mit 46 US-Dollar je Barrel Brent gerechnet.

Nach Ansicht von Barbara Lambrecht von der Commerzbank bleibt in Sachen Öl die Korrekturgefahr am Markt hoch. "Die Preiserholung ist stark spekulativ getrieben." Mittelfristig werde die rückläufige US-Ölproduktion die Spekulanten aber bestätigen und eine nachhaltige Erholung der Ölpreise anschieben.

Öl-ETCs auf Verkaufslisten

Unterdessen wenden sich ETC-Anleger ab. "Gewinnmitnahmen aus Öl-ETCs führen zu den größten Mittelabflüssen seit April 2015", meldet Hein. Zwar habe die Internationale Energieagentur vergangene Woche eine mögliche Bodenbildung des Ölpreises angekündigt, Investoren hätten sich aber doch entschieden, Kasse zu machen. Die Volatilität bleibe hoch, Anleger stellten sich defensiv auf. "Die Energieagentur berichtete, dass die US-Ölproduktion im Dezember erstmals seit vier Jahren wieder rückläufig war, die Lagerbestände notieren aber auf Rekordniveau." Darüber hinaus sei der wöchentliche Anstieg der Lagerbestände der größte seit Aufzeichnung. "Das deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach wie vor geringer als das Angebot."

Öl-ETCs kommen auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt gleich nach Gold-Verbriefungen, viel um ging vor allem im ETFS Brent 1 month (WKN A0KRKM) und im ETFS WTI Crude Oil (WKN A0KRJX).

Primärmetalle: Anleger wieder zurückhaltender

Auch Industriemetalle haben sich deutlich verteuert: Kupfer notiert aktuell bei 4.959 US-Dollar je Tonne nach 4.223 im Januar, Zink bei 1.754 nach 1.453 und Nickel bei 8.535 nach 8.180 US-Dollar. Der ETFS Industrial Metals (WKN A0KRKG) kletterte von 7,46 auf 8,66 Euro Anfang März, aktuell sind es 8,22 Euro. Peters zufolge fehlen für einen nachhaltigen Anstieg aber noch durchschlagende Wachstumsimpulse. "Bereits im letzten Frühjahr starteten Primärmetalle einen Erholungsversuch, um dann im weiteren Jahresverlauf noch einmal deutlich nachzugeben." Das müsse sich nicht wiederholen, allerdings zeige sich der Industriesektor weltweit nach wie vor ziemlich labil. "Im Zweifel bleibt das Szenario kurzfristig zumeist durch Überangebot und wachsende Lagerbestände geprägt." Bei Industriemetall-ETCs gab es ETF Securities zufolge vergangene Woche nur noch kleine Zuflüsse.

von: Anna-Maria Borse
© 16. März 2016 - Deutsche Börse AG
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