Bitte warten...

13.02.2018 08:40:02
A A | Drucken
Kolumne

Wie geht es weiter mit der US-Verwaltung und den Ölpreisen?



Ökonom Philippe Waechter analysiert die Entwicklungen in den USA, das Potential des Ölpreises und dessen Auswirkungen auf die Konjunktur.
13. Februar 2018. PARIS/FRANKFURT (Natixis AM). Der teilweise Stillstand der US-Verwaltung - der sogenannte Shutdown - war in der Geschichte des Landes eine Premiere: Erstmals ist dieser Zustand eingetreten, obwohl ein und dieselbe Partei sowohl den Präsidenten stellt als auch die Mehrheit im Kongress hält. Während der Präsidentschaft von Barack Obama im Jahr 2013 war das etwas anders, weil die Demokraten damals nicht die Mehrheit im Kongress hatten. Und schaut man noch weiter zurück, dann hatte Präsident Jimmy Carter zwar bereits Ende der 1970er Jahre Probleme, seinen Staatshaushalt zu finanzieren - und zwar trotz der Mehrheit seiner Demokraten - allerdings kam es seinerzeit nicht zu einem Shutdown.

Dass es Präsident Trump und dem Kongress nicht gelungen ist, sich auf eine gemeinsame Lösung zu verständigen, ist für das erste Jahr der republikanischen Regierung kennzeichnend. Die Machtverhältnisse zwischen den beiden Institutionen sorgen für ein unglaubliches Maß an Ineffizienz. Aktueller Streitpunkt ist das "Deferred Action for Childhood Arrivals"-Programm für illegale Einwanderer, die bereits als Minderjährige in die USA gekommen sind. Es zeigt sich, dass Trump zwar ein Gesetz befürwortet, das diesen Menschen letztlich den Verbleib in den USA ermöglicht, aber die Republikaner sind mit einem Gesetz, das teilweise auch von den Demokraten gebilligt wird, nicht glücklich. Dabei handelt es sich um Machtkämpfe und nicht um eine konstruktive politische Zusammenarbeit zwischen Präsident und Kongress.

Diese zerrüttete Situation ließ sich bereits während der Versuche, "Obamacare" abzuschaffen, beobachten, denn bereits damals lehnte der Kongress Trumps Vorschläge ab. Wegen der Abstimmung über das Gesetz zur Steuerreform ist kaum Notiz davon genommen worden, dass die Aufnahmebedingungen für "Obamacare" verschärft worden sind. Dadurch haben 13 Millionen Amerikaner nun endgültig keinen Zugang mehr zum Gesundheitssystem. Zwar existiert das Gesundheitsprogramm des ehemaligen Präsidenten nach wie vor - aber mit nunmehr strengeren Zugangsbestimmungen. Darunter leiden vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten. Abgesehen von diesem teilweisen und vorübergehenden Shutdown möchte ich nachfolgend gerne einige allgemeinere Anmerkungen zum ersten Jahr der Trump-Administration machen.



Da wären zunächst die radikalen Veränderungen in der Kommunikation. US-Wirtschafts- und Gesellschaftsexperten verfolgen die Tweets aus dem Weißen Haus ebenso wie viele andere mittlerweile mit großer Aufmerksamkeit. Schließlich könnten diese Kurznachrichten ja Informationen über neue wirtschaftspolitische Strategien, die US-Diplomatie sowie eine Reihe anderer Themen enthalten.

Die zweite große Veränderung betrifft die neue, weniger auf Kooperation bedachte Auslandspolitik, die in Washington betrieben wird. Das betrifft auch verbündete bzw. befreundete Staaten wie Mexiko, Japan, Großbritannien und sogar Deutschland. Dadurch werden die internationalen Beziehungen erschwert, da nicht nur die tragende Säule weggefallen ist, um die sich andere Länder bisher scharen konnten, sondern weil die USA sogar nicht einmal mehr versuchen, mit ihren gewohnten Partnern gemeinsame Sache zu machen. Daraus ergibt sich in der westlichen Welt ein bisher noch recht unklares, neues Gleichgewicht. Für Europa kann dies eine Chance sein, eine neue Rolle für sich zu finden und diese zu besetzen - aber nun ist es an den Europäern, diese Chance auch zu ergreifen.

Darüber hinaus hat die Strategie der Trump-Administration zwar verhaltene, aber durchaus konkrete Spannungen im Verhältnis zu China zur Folge. Dieser Argwohn spiegelt sich auch in einem Bericht von Ende Januar wider, in dem Zweifel geäußert wurden, ob die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) im Dezember 2001 wirklich klug war.

Diese Spannungen konterte China, indem man den Kauf von US-Staatsanleihen in den nächsten Monaten drosseln möchte. In der Folge wertete der US-Dollar kürzlich ab, während die Renditen zehnjähriger US-Anleihen nach oben kletterten. Die Beziehungen zwischen China und den USA werden im Jahr 2018 im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, weil sie den Trend beim Weltwirtschaftswachstum gefährden und den derzeit robusten Welthandel belasten könnten.

Das wäre eine Katastrophe. Trumps Wirtschaftsmodell ist ein Nullsummenspiel: die USA profitieren auf Kosten anderer Länder. Diese Entwicklung muss umgekehrt werden. Es ist genau diese Strategie, die Donald Trump unter Druck setzt, Arbeitsplätze aus dem produzierenden Gewerbe wieder in die USA zurückzuholen.

Und es ist auch eben dieser Ansatz, der die Argumente für die jüngste Steuerreform liefert: Die Steuern, die Firmen wie Apple dann in den USA zahlen, werden anderen Staaten fehlen. Dadurch werden andere Volkswirtschaften geschwächt werden, und zwar insbesondere in Europa. Schließlich gibt es für diese Großkonzerne keinen Ersatz, so dass letztlich alle europäischen Bürger die Folgen zu spüren bekommen werden.

In der US-Politik herrscht ein gewisses Durcheinander. Zwar mehren sich einerseits die Stimmen, die mehr nationale Identität etwa bei der Einwanderungspolitik und Moral etwa seitens der Abtreibungsgegner fordern. Andererseits hat man offenbar keine moralischen Bedenken, wenn Besserverdiener gegenüber Geringverdienern bevorzugt werden. Es gibt also keinen Grund zu der Annahme, dass sich im Jahr 2018 an diesem ungewöhnlichen Modus Operandi etwas ändern wird. Allerdings sollten wir im Zusammenhang mit den Beziehungen der USA zum Rest der Welt auf weitere Überraschungen gefasst sein.

Der andere Aspekt, auf den ich eingehen möchte, sind die hohen Ölpreise, die derzeit bei 70 US-Dollar pro Barrel liegen. Die Preise liegen momentan wesentlich höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Sie wären auch systemisch betrachtet höher als im Jahr 2017, falls sie auf diesem Niveau verharren würden. Dadurch würde die Inflation nämlich nach oben getrieben werden. Außerdem wird der Anteil der Energiekomponente am Inflationskorb im Frühjahr von derzeit 0,3 Prozent vermutlich auf rund 0,4 bis 0,6 Prozent ansteigen.

Beflügelt werden die Ölpreise hauptsächlich durch die robuste Nachfrage. Als das Angebot in den Jahren 2015 und 2016 hoch war, gerieten die Preise unter einen Abwärtsdruck, da die Nachfrage seinerzeit nicht besonders hoch war. Die Lagerbestände wuchsen, und ein entsprechendes Abkommen zwischen Saudi-Arabien und anderen Ölförderstaaten zeigte keine Wirkung. In einer solchen Phase, die durch niedrige Einnahmen geprägt ist, versucht jeder Produzent, noch ein bisschen mehr zu produzieren, um auf diese Weise seine Einnahmen zu steigern. Dadurch aber werden die Preise im Zaum gehalten.

Steigt die Nachfrage jedoch an, verbessern sich auch die Ertragserwartungen. Deshalb ist die Versuchung, zu "tricksen" oder die Fördermenge zu erhöhen, entsprechend geringer. Dies gilt auch für die Ölschiefer-Förderung in den USA, die bei attraktiven Preisen nicht besonders stark ansteigt. Dadurch jedoch bleiben die Preise hoch, während die Lagerbestände abgebaut werden, um die Nachfrage zu decken.

In der aktuell regeren Nachfrage spiegeln sich auch die wieder besseren Konjunkturaussichten wider, so dass die Nachfrage wohl noch eine ganze Weile hoch bleiben dürfte. Aus diesem Grund gilt es, ein neues Gleichgewicht zu finden, da ein Preisniveau von 50 US-Dollar pro Barrel inzwischen nicht mehr realistisch erscheint. Sagen wir also: 70 US-Dollar.

von Philippe Waechter, Chief Economist, Natixis AM
13. Februar 2018, © Natixis AM

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors. 12. Februar 2018, © Deutsche Börse AG

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

pagehit

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen wurden von der VOLTABOX AG (die  “Emittentin”) für die Zwecke der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts der Emittentin erstellt. Die Deutsche Börse AG übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der von der Emittentin zur Verfügung gestellten Hinweise und Informationen.

 

Wichtiger Hinweis



Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind ausschließlich für Personen bestimmt, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland“) oder im Großherzogtum Luxemburg („Luxemburg“) haben. Die nachfolgenden Informationen stellen weder ein Angebot zum Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der Emittentin außerhalb Deutschlands und Luxemburgs findet nicht statt und ist auch nicht geplant. Das Angebot in Deutschland und Luxemburg erfolgt ausschließlich auf der Grundlage des von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligten und auf der Website der Emittentin veröffentlichten Wertpapierprospekts (einschließlich etwaiger Nachträge dazu). Eine Anlageentscheidung hinsichtlich der öffentlich angebotenen Wertpapiere der Emittentin sollte nur auf Grundlage des Wertpapierprospekts erfolgen. Der Wertpapierprospekt ist bei der Emittentin (Artegastraße 1, 33129 Delbrück, Deutschland; Tel.: +49 (0)5250 9930-900; Fax: +49 (0)5250 9762-102) und auf der Website der Emittentin (www.voltabox.ag) kostenfrei erhältlich.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen stellen kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf für Wertpapiere in den Vereinigten Staaten von Amerika („Vereinigte Staaten“), Kanada, Australien oder Japan dar. Die Aktien der Emittentin sowie die Wertpapiere, die Gegenstand des Angebots sind, sind und werden nicht gemäß dem U.S. Securities Act von 1933 in der derzeit gültigen Fassung (der „Securities Act“) oder bei der Wertpapieraufsichtsbehörde eines US-Bundesstaates oder einer anderen Rechtsordnung der Vereinigten Staaten registriert und dürfen in den Vereinigten Staaten nur aufgrund einer Ausnahmeregelung von der Registrierungspflicht gemäß dem Securities Act oder anwendbarer Wertpapierrechte von US-Bundesstaaten oder in einer Transaktion verkauft oder zum Kauf angeboten oder geliefert werden, die diesen Bestimmungen nicht unterfällt. Die Emittentin beabsichtigt nicht, das Angebot oder einen Teil davon in den USA zu registrieren oder ein öffentliches Angebot von Wertpapieren in den USA, Kanada, Australien oder Japan durchzuführen.

Die auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen sind nicht zur Weitergabe an Personen in bzw. innerhalb der USA, Kanada, Australien oder Japan oder anderen Ländern vorgesehen, in denen kein öffentliches Angebot stattfindet. Jede Verletzung dieser Beschränkung kann einen Verstoß gegen wertpapierrechtliche Bestimmungen dieser Länder begründen. Das Kopieren, Weiterleiten oder sonstige Übermitteln der auf den nachfolgenden Internetseiten enthaltenen Informationen ist nicht gestattet.

Durch Drücken des „Ich stimme zu“-Buttons versichern Sie, dass Sie (i) diesen Hinweis und die darin enthaltenen Beschränkungen vollständig gelesen und akzeptiert haben, (ii) sich Ihr Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland oder Luxemburg befindet, und (iii) dass Sie die auf diesen Internetseiten enthaltenen Informationen nicht an Personen übermitteln oder weiterleiten, deren Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt sich nicht in Deutschland oder Luxemburg befindet.


Wir bedauern, dass wir Ihnen aufgrund gesetzlicher Beschränkungen keinen Zugang zu den nachfolgenden Internetseiten gewähren können.