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22.06.2016 13:07:06
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Börse Frankfurt News

Zertifikate-Trends: Brexit-Abstimmung spielt erste Geige



Vor der denkwürdigen Entscheidung der Briten zum Verbleib in der EU setzen Zertifikate-Anleger auf unterschiedliche Szenarien. Bei den Einzelwerten stehen Bayer und Daimler im Mittelpunkt.
22. Juni 2016. Frankfurt (Börse Frankfurt). Nach einem sehr aktiven Vormonat hat das alles überschattende Brexit-Thema nach Beobachtung von Atakan Sahin die Derivate-Umsätze in den vergangenen Wochen auf ein eher durchschnittliches Niveau gedrosselt. "Viele Anleger verkauften ihre tendenziell konservativen Discount-Zertifikate etwa auf den DAX und Euro Stoxx 50, um sich dem unkalkulierbaren Risiko eines möglichen Votums für den EU-Austritt Großbritanniens zu entziehen", vermutet der Händler der ICF Bank.

Gleichzeitig hätten kurzfristig orientierte Investoren die große Schwankungsbreite beim hiesigen Aktienbarometer verstärkt für spekulative Käufe genutzt. "Rund um das DAX-Zwischentief bei etwa 9.520 Punkten und der anschließenden Erholung stieg der Handel mit Hebel- und Faktor-Zertifikaten auf den deutschen Aktienindex deutlich an." Zum Zuge gekommen seien sowohl Produkte, die von steigenden (WKN VSS6JU) als auch fallenden DAX-Kursen (WKN VSS6JX) überdurchschnittlich profitieren.

Schwierige Phase
 

"Diese Woche hat es in sich", beschreibt Christian Glaser von der BNP Paribas die aktuelle Situation im Handel mit Zertifikaten. Alle hätten das Referendum auf dem Radar, wobei sich viele Kunden zugleich Long und Short positionierten und damit offenbar auf entsprechende Sprünge an den Kapitalmärkten nach der Entscheidung hofften. "Emittenten bieten aus diesem Grund die ganz aggressiven Produkte meist nicht mehr an." Glaser geht davon aus, dass es unabhängig vom Ausgang der Abstimmung in Großbritannien am Freitagmorgen schwer sein könnte, Preise für so manche Zertifikate zu stellen. "Sollte der Verbleib der Briten bestätigt werden, bleiben die ganz großen Bewegungen aber vermutlich aus", meint der Händler.

Wie gewohnt kämen DAX und Euro Stoxx 50-Produkte bei Anlegern gut an. Ein Discount-Zertifikat auf den deutschen Aktienindex (WKN PB319Q) mit einer Laufzeit bis Ende September und einem Cap bei 9.100 Punkten lande verstärkt in den Anlegerdepots. "Mit diesem vergleichsweise konservativen Wert kommen Anleger immerhin auf eine jährliche Rendite von 9 Prozent." Ähnliches gelte für das ebenfalls gefragte Euro Stoxx 50 Discount-Zertifikat (WKN PB310W), das mit einem Cap bei 2.800 Punkten eine jährliche Seitwärtsrendite von 13 Prozent erreiche.

GlaserGlaser
 

Bayer weiterhin beliebt

Auch für Anouch Wilhelms stehen die Bewegungen im Zertifikate-Handel ganz unter dem Stern eines möglichen Brexit, wobei sich die Lage mittlerweile wieder etwas beruhigt habe. "Mit der DAX-Erholung und der Aufwertung des britischen Pfund verlagert sich der Schwerpunkt", beschreibt der Händler der Commerzbank. Wie im Vormonat stünde bei den Einzelwerten Bayer Anlegerfokus. Auf eine Fortsetzung der Erholung der Aktie setzten etwa Käufer eines bis Mitte Dezember laufendes klassisches Discount-Zertifikats auf den Leverkusener Chemieriesen (WKN CR15B7) mit einem Cap bei 80 Euro. Derzeit ist das Papier für 76,74 Euro zu haben. Ein Optionsschein auf Bayer (WKN CD6777) mit Fälligkeit im September 2018 käme ebenfalls gut an. Sollte die Bayer-Aktie bei Ausübung unter 88 Euro notieren, verfällt der Wert. Aktuell notiert die Aktie um 91 Euro.

Daimler stünde bei den Einzelwerten in der Zertifikate-Umsatzstatistik an Platz zwei. "Hier greifen Anleger fast ausschließlich zu Discount-Zertifikaten." Beispielsweise käme ein klassisches Produkt auf den Automobilproduzenten (WKN CN63MU) mit einer Laufzeit bis Juni 2017 und einer Anrechnung des Aktienkurses bis höchstens 42 Euro besonders häufig zum Zuge. Der Aktienkurs der Stuttgarter steht seit geraumer Zeit unter Druck und hat seit dem Hoch bei 95 Euro im März 2015 deutlich Federn lassen müssen. Aktuell geht die Aktie für 53 Euro über den Tisch.

Gold bleibt ein Thema

DAX- und Euro Stoxx 50-Produkte stehen auch in Anouch Wilhelms Büchern wie gewohnt auf den Spitzenpositionen der Umsatzstatistik. Anleger setzten zum Beispiel gern auf ein DAX-Indexzertifikat (WKN CD2JKY), das von steigenden Kursen profitiert. Käufer eines Turbo-Zertifikats auf den deutschen Bluechip-Index (WKN CD0SDY) mit einer Knock-Out-Schwelle 10.438 Punkten erwarteten hingegen fallende DAX-Notierungen.

Wie im Vormonat ist Gold laut Wilhelms ein Thema bei den Commerzbank-Kunden. Der beliebteste ausländische Basiswert sei der weltweit größte Bergbaukonzern Barrick Gold. Ein zweifach gehebeltes Turbo-Zertifikat auf das Minenunternehmen (WKN CD2RKU) mit einer Knock-Out-Schwelle von 10,63 US-Dollar finde verstärkt Abnehmer. Ebenso versprächen sich Anleger einen Gewinn von einem klassischen Discount-Zertifikat auf Barrick Gold (WKN CD4A2N). "Mit einer Marktkapitalisierung von rund 22 Milliarden US-Dollar ist der Bergbauriese vergleichbar mit Beiersdorf", erklärt Wilhelms.

Mittlerweile hat sich der Goldpreis mit 1.265 US-Dollar pro Feinunze vom Höchststand um 1.300 US-Dollar aber wieder entfernt. Die jüngsten Stimmungsumfragen deuteten auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU, was den Risikoappetit der Anleger ebenso wie die Aktienmärkte wieder habe steigen lassen.

von: Iris Merker
© 22. Juni 2016 - Deutsche Börse AG
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