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20.07.2016 14:45:42
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Börse Frankfurt News

Zertifikate-Trends: Handeln mit Schmackes



Was den DAX angeht, sind die einen bullish, die anderen bearish. Klar mit einem weiteren Anstieg wird bei Gold gerechnet - und beim Pokémon Go-Anbieter Nintendo.
20. Juli 2016. Frankfurt (Börse Frankfurt). Viele Nachrichten, viele Umsätze - so lässt sich die Lage im Zertifikate-Handel in den vergangenen vier Wochen beschreiben. Das EU-Referendum der Briten, die italienische Bankenkrise, dann zuletzt noch der Anschlag von Nizza und der Militärputsch in der Türkei, Themen gab es zu genüge. "Allesamt keine guten Impulse, zweimal sah es so aus, als ob der DAX deutlich unter die 9.000 Punkte rutschen könnte", bemerkt Atakan Sahin von der ICF Bank. Laut Anouch Wilhelms von der Commerzbank war der Brexit Thema Nummer 1. Gerade Trading-Produkte seien vor und nach der Abstimmung am 23. Juni sehr rege gehandelt worden. "Dabei konzentrierten sich Anleger auf den DAX. Die Währungen wurden weniger beachtet."

Auch der Deutsche Derivate Verband meldet, dass die Entwicklung an den Kapitalmärkten im Juni für hohe Handelsaktivitäten bei strukturierten Wertpapieren gesorgt hat. Die Börsenumsätze in Zertifikaten und Hebelprodukten lagen dem Verband zufolge bei 4,02 Milliarden Euro - ein Anstieg um 46 Prozent gegenüber dem Mai. Im Juni 2015 waren es allerdings 4,35 Milliarden Euro.

Calls und Puts auf DAX
 

Die Meinungen der Anleger über die weitere Entwicklung des DAX gehen offenbar auseinander, wie die Händler melden: Mal werde auf einen steigenden, mal auf einen fallenden Index gesetzt. Wilhelms nennt einen bullishen Knock-out-Schein mit Basispreis von 9.075 Punkten (WKN CD68QZ) und einen bearishen Knock-out-Schein mit Basispreis von 10.406 Punkten (WKN CD0SDY) als Beispiele. Gut an komme auch ein Put-Optionsschein auf den DAX (WKN CR7WWJ).

Sahin betont, dass Anleger die heftigen Rücksetzer häufig für einen Einstieg genutzt haben. "Bei 9.270 Punkten, als alles nach weiteren Verlusten aussah, wurde gekauft." Bei der ICF Bank war das etwa bullishe Knock-out-Scheine (WKNs DGC7JU, PB5GHV) auf den DAX. Durch den Anstieg auf aktuell 10.118 Punkte zeigten sich Investoren jetzt aber zögerlicher und warteten ab.

Laut Simon Görich von der Baader Bank erfreute sich gerade in den vergangenen Tagen ein bearisher Knock-out-Schein auf den DAX (WKN CD7KA1) großer Beliebtheit.

Getrieben von den Kursgewinnen der Rohstoffkonzerne in diesem Jahr war bei der Commerzbank auch ein Index-Tracker auf den Stoxx Europe 600 Basic Resources gesucht (WKN CB5HBV), wie Wilhelms feststellt. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen steht ein DAX-Tracker (WKN CD2JKY) ganz oben, gefolgt von einem Short-Faktor-Zertifikat auf den DAX-Future mit zwölffachem Hebel (WKN CD4H1F), einem Bonus-Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 (WKN GT17MT) und einem Bonus-Zertifikat auf den DAX (WKN SE4FF4).

WilhelmsWilhelms
 

Pokémons erobern Zertifikate-Handel

Nicht nur auf den Straßen, in Wohnzimmern, Restaurants und Kneipen macht sich die Pokémon-Manie bemerkbar, sondern auch im Zertifikate-Handel: Bei der Baader Bank sind Produkte auf Nintendo, den Hersteller des Smartphone-Spiels, sehr beliebt, wie Görich feststellt, etwa Optionsscheine (WKN SG8S2K, SE12VY) von der Société Générale, die noch bis Dezember 2016 bzw. 2017 laufen. Fällt der Nintendo-Kurs bei Ausübung unter einen Preis von 30.000 Yen, werden die Calls wertlos. "Bezüglich Nintendo sind die Anleger deutlich bullish", erklärt Görich.

Auch Wilhelms meldet großes Interesse an Call-Optionsscheinen auf Nintendo, mal mit einem Basispreis von 20.000 Yen (WKN CD6ZHU), mal - für die extremen Optimisten - mit 50.000 Yen (WKN CD8QSV). Durch Pokémon Go hat sich der Aktienkurs von Nintendo in nur knapp zwei Wochen verdoppelt, in der Spitze kletterte die Notierung auf 32.700 Yen, heute waren es aber nur noch 27.765 Yen.

Daumen runter bei Deutscher Bank

Weniger optimistisch zeigen sich Anleger Görich zufolge bezüglich der Deutschen Bank. "Da wird eher short gegangen." Daneben werde ab und an auch einmal der ein oder andere "Exot" gehandelt, etwa ein bearishes Knock-out-Produkt auf den französischen Stromkonzern EDF (WKN SE5N8W).

Wilhelms zufolge ziehen auch Discount-Zertifikate auf Einzeltitel, etwa auf ThyssenKrupp mit Cap bei 14,50 Euro (WKN CR0DAD) und auf Daimler mit Cap bei 42 Euro (WKN CD1G8U).

An der Börse Frankfurt dominierten zuletzt, was Zertifikate auf Einzeltitel angeht, Produkte auf Lufthansa (WKN SG8Q5D) und Deutsche Bank (WKN DT0BAC).

Goldrallye noch nicht am Ende?

Der kräftige Anstieg des Goldpreises in diesem Jahr - die Feinunze kostet derzeit 1.325 nach 1.061 Euro Ende 2015 - lockt außerdem viele Anleger in Zertifikate auf Gold. "Die meisten rechnen mit weiter steigenden Preis", berichtet Wilhelms. Gekauft würden zum Beispiel bullishe Knock-out-Scheine (WKN CD762T) mit Basispreis 1.236 US-Dollar und mit Basispreis 1.280 US-Dollar (WKN CD7W7N). "Der DAX hat sich erholt, der Goldpreis bleibt aber oben", bemerkt Sahin. Gold gelte eben weiter als Krisenwährung. "Wir sehen sehr viele Anleger, die auf Gold setzen." Das als Beispiel genannte Faktor-Zertifikat auf Gold mit Hebel von 10 (WKN VZ6BGA) gehörte auch zu den am häufigsten gehandelten Gold-Zertifikaten an der Börse Frankfurt.

Bei der Baader Bank bleiben Gold und Öl als Basiswerte ebenfalls beliebt. Öl steht bei der Commerzbank auf dem vierten Platz der gesuchtesten Underlyings - nach DAX, Euro Stoxx und Gold.

Bund-Future: Keine Luft mehr nach oben

Nachdem der Euro-Bund-Future, Indikator für die langfristigen Zinserwartungen, nach dem Brexit-Votum auf ein Allzeithoch von 168,86 Punkte geklettert war, glaubt offenbar kaum noch jemand an weitere Gewinne. "95 Prozent setzen mittlerweile auf einen fallenden Euro-Bund-Future", erklärt Wilhelms. Als Beispiel nennt er einen bearishen Knock-out-Schein (WKN CD4ZNS).

von: Anna-Maria Borse
© 20. Juli 2016 - Deutsche Börse AG
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