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12.10.2016 13:35:04
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Börse Frankfurt News

Zertifikate-Trends: Optimismus überwiegt



Ob Euro Stoxx 50-, DAX-, Ölwerte, Zertifikate-Anleger mit längerem Anlagehorizont setzen zumeist auf steigende Notierungen. Bei den Einzelwerten stehen die Deutsche Bank und Daimler im Mittelpunkt.
12. Oktober 2016. Frankfurt (Börse Frankfurt). Die Themenvielfalt der vergangenen Wochen hebt laut Händler das Geschäft mit Zertifikaten. "Ein Augenmerk lag auf dem rund fünf Milliarden Euro schweren Börsengang von Innogy", meldet Christian Glaser von BNP Paribas. Bei der mit 40.000 Mitarbeitern größten Tochtergesellschaft des rheinischen Energieversorgers werde das Zukunftsgeschäft des Konzerns mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb gebündelt. Mit einem unbegrenzt laufenden 5,26-fach gehebelten Knock-Out Produkt (WKN PB9HLD), das von steigenden Kursen profitiert, tasteten sich Anleger an die neue Gesellschaft heran. Berührt oder unterschreitet die Innogy-Aktie während der Laufzeit die Schwelle von 31,51 Euro, wird das Wertpapier vorzeitig fällig und zum Restwert zurückgezahlt.

Einstieg bei Daimler

Die erhöhte Volatilität beispielsweise bei der Aktie der Deutschen Bank hat Manuel Tulezi zufolge naturgemäß einen Umsatzschub für Hebelprodukte auf das Finanzinstitut ausgelöst. Daimler war dem Händler der ICF Bank zufolge ebenfalls ein besonders gefragter Basiswert, wobei sich Investoren tendenziell längerfristig und Long positionierten. Anlageprodukte wie ein Discount-Zertifikat (WKN DG0QTQ), das die Kursentwicklung der Aktie des Autobauers bis maximal 58 Euro berücksichtigt, sei ebenso häufig zum Zuge gekommen wie ein im September 2017 fälliges Bonus-Zertifikat (WKN TB45KX), bei dem Käufer bei steigenden Kursen partizipieren und bei leicht fallenden Notierungen einen Sicherheitspuffer erhalten.

DAX-Erwartungen bullish

Während DAX und Euro Stoxx 50-Werte wie gehabt den Löwenanteil des Zertifikate-Aufkommens ausmacht, ist für Tulezi die gegenüber DAX-Derivaten höhere Anzahl der Trades mit Produkten auf den europäischen Index eher ungewöhnlich. Steigende Notierungen erwarteten Käufer eines Bonus-Derivats (WKN DG85FU) mit einer Mindest- und Maximalanrechnung bis zu einem Kurs von 5.000 Punkten, sofern die Barriere von 2.050 beim Euro Stoxx 50 nicht berührt oder unterschritten wird. Zu den meist gehandelten Produkten auf den deutschen Aktienindex gehöre ein Long-Bonus-Zertifikat (WKN DG78ZP) mit einem Cap bei 12.000 DAX-Punkten.



Richtung ungewiss
 

Aus technischer Perspektive ist ein DAX-Ausbruch aus dem Seitwärtstrend nach Ansicht von Christoph Geyer nicht absehbar. "Viele Marktteilnehmer fragen sich bereits, was für ein Ereignis eintreten muss, damit endlich die Lethargie aus dem Markt weicht", meint der Charttechniker der Commerzbank. Seit gut zwei Monaten bewege sich das deutsche Aktienbarometer in einer engen Spanne seitwärts."Sobald die Range allerdings verlassen wird, dürfte eine kräftigere Bewegung anstehen", prognostiziert Geyer. In welche Richtung diese gehe, sei derzeit aber völlig offen.

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Anleger rechnen mit höheren Ölpreisen

Nach der Entscheidung der Opec, erstmals seit acht Jahren die Ölproduktion zu deckeln, gehen Anleger tendenziell von steigenden Rohölnotierungen aus, wie Glaser beobachtet. Langfristig orientierte Investoren deckten sich beispielsweise verstärkt mit einem Brent-ETC (WKN PB6R1B) ein. Bei gehebelten Werten komme ein bis Dezember laufendes Knock-Out Produkt (WKN PB9GC2) besonders häufig zum Tragen. Kunden der ICF Bank entschieden häufig für ein Knock-Out Produkt (WKN DG0PJM), das bei einer Schwelle von 38,31 US-Dollar pro Barrel Brent verfällt.

Das Nordseeöl legte seit der Einigung Ende September von 45,92 auf 52,80 US-Dollar pro Barrel zu. Das entspricht einem Plus von knapp 15 Prozent. Die Analysten von First Energy gehen davon aus, dass Investoren bezüglich des Deals vorerst eher skeptisch und die Ölpreise zum Großteil in der Spanne bleiben werden, in der sie sich in den letzten beiden Quartalen befanden. Eine Begrenzung auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag führe aber vermutlich zu einem empfindlich unterversorgten Markt in der ersten Jahreshälfte 2017 und zu erheblichen Rückgängen der globalen Lagerbestände. Das könne eine Ölpreis-Rallye um zehn bis 15 US-Dollar nach sich ziehen.

Noch viele offene Fragen
 

"Bis zum offiziellen OPEC-Meeting am 30. November in Wien liegt noch viel Arbeit für das Kartell an", bemerkt Eugen Weinberg von der Commerzbank, wenngleich der saudi-arabische Ölminister al-Falih gute Chancen auf eine Einigung bis zur OPEC-Sitzung Ende November sieht. Die Quoten für jedes einzelne Mitglied und die mögliche Befreiung von den Obergrenzen für einzelne Länder wie Iran, Irak, Nigeria oder Libyen müssten noch ausgelotet werden. Unklar sei zudem, wann genau das Produktionslimit in Kraft treten soll. "Der 1. Januar 2017 scheint als logischer Starttermin für den Deal, muss aber erst noch entschieden werden." Bislang liege die Ölproduktion im Oktober allerdings mit etwa 11,2 Millionen Barrel pro Tag nochmals über dem Rekordniveau im September.

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Höhere Preise keine ausgemachte Sache

Eugen Weinberg erkennt Abwärtsrisiken für die Ölpreise und macht dies an den aktuellen Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) fest, die ihre bisherigen Einschätzungen weitgehend beibehalten habe. Demnach benötigt die Industrie 32,8 Millionen Barrel OPEC-Öl pro Tag, ansteigend auf 33,6 Millionen Fässer bis Mitte 2017. Damit betrage das tägliche Überangebot gegenwärtig 700 Tausend Barrel. Gleichzeitig erwarte die Agentur für das Nicht-OPEC-Angebot einen Anstieg um täglich 400 Tausend Barrel im kommenden Jahr. Ohne Eingriffe von außen bleibe der Ölmarkt überversorgt.

von: Iris Merker
12. Oktober 2016, © Deutsche Börse AG
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