14.02.20 13:27:20

Anleihen: Coronavirus? Halb so wild!

Am Anleihemarkt ist von Virus-Panik nichts zu spüren: Staatsanleihen aus den „Krisenländern“ Italien und Griechenland werden stark nachgefragt. Und selbst Hybridanleihen der Deutschen Bank gehen extrem gut weg.

 

14. Februar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Trotz sprunghaft ansteigender Coronavirus-Fälle: Der Anleihemarkt ist eher im „Risk-on“-Modus, und an den Aktienbörsen setzt sich die Rekordjagd fort. „Von Nervosität kann nicht die Rede sein“, bemerkt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

 

Analysten verweisen darauf, dass der massive Anstieg der Infektionsfälle mit neuen Untersuchungsmethoden zusammenhängt. Mit der Entspannung an den Märkten sind die als sicher geltenden Bundesanleihen etwas weniger gefragt. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen mit minus 0,39 Prozent nach minus 0,44 Prozent vergangene Woche.

„Von Nervosität kann nicht die Rede sein“

„Nach Ausscheiden Salvinis weniger Risiken in Italien“

Aufgrund der dennoch weiter niedrigen Zinsen suchen Investoren wieder verstärkt nach höheren Renditen, wie Anleiheanalyst Cem Keltek von der Commerzbank berichtet. „Bei den europäischen Staatsanleihen profitierten Papiere Italiens und Griechenlands am meisten.“ Wie Daniel feststellt, ist der Risikoaufschlag zehnjähriger italienischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen auf den niedrigsten Stand seit Mai 2018 gefallen. „Nach dem Ausscheiden des Rechtspopulisten Salvini sehen Anleger weniger Risiken in Italien.“

Comeback Griechenlands

Unterdessen ist die Rendite für zehnjährige griechische Anlehen unter 1 Prozent gefallen. Zum Vergleich: Noch 2016 waren es 11,5 Prozent, angetrieben von der Sorge über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Mittlerweile ist das Vertrauen in das Land wieder da, vor allem nach der Wahl des Mitte-Rechts-Kandidaten Kyriakos Mitsotakis und seiner Partei Neue Demokratie im vergangenen Jahr.

Hoffen auf gute FCR-Zahlen

Gut nachgefragt im Bereich Unternehmensanleihen sind laut Daniel weiter die bis 2024 laufende ThyssenKrupp-Anleihe (WKN A2TEDB) mit Kupon von 2,875 Prozent und die 1996 emittierte Aegon-Hybridanleihe (WKN 131247) mit Kupon von 4,26 Prozent.  

Leicht unter Druck gerieten Papiere von FCR Immobilien (WKN A2TSB1). „Das wird gleich für Zukäufe genutzt“, erklärt Daniel. Am Mittwoch hatte FCR bekannt gegeben, mit dem Ankauf eines Fachmarkts in Höchstadt a.d. Aisch das Immobilienportfolio weiter auszubauen. „Außerdem hofft man auf gute Zahlen für 2019.“

Gregor Daniel

Daniel

Accentro mit Neuemission

Eine neue Anleihe gibt es vom Immobilienunternehmen Accentro Real Estate (WKN A254YS), meldet Rainer Petz von Oddo Seydler. Sie bietet 3,625 Prozent, läuft bis 2023 und hat eine Stückelung von 1.000 Euro. 

Einen neuen Coco-Bond hat die Deutsche Bank auf den Markt gebracht, allerdings auf US-Dollar lautend und mit Stückelung von 200.000 US-Dollar. „Die wird aber sehr gut angenommen“, stellt Rainer Petz von Oddo Seydler fest. Ursprünglich war ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar vorgesehen, am Ende wurden es 1,25 Milliarden. Deutlich gestiegen sind auch die viel gehandelten, auf Euro lautenden Coco-Bonds der Bank (WKN DB7XHP) mit Kupon von 6 Prozent. Nach Kursen von unter 85 Prozent im August werden diese mittlerweile zu 103,64 Prozent gehandelt.

„Neuer Deutsche Bank-Coco-Bond sehr gut angenommen“

Bei CoCo-Anleihen (Contingent Convertible Bonds) handelt sich um langfristige, nachrangige Papiere mit meist festem Kupon, die im Gegensatz zu gewöhnlichen Anleihen auch in Eigenkapital, also Aktien, gewandelt werden können. Coco-Bonds gelten wegen ihrer Komplexität und hohen Risiken für Privatanleger als ungeeignet.

von: Anna-Maria Borse ,14. Februar 2020, © Deutsche Börse AG

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