12.02.20 13:12:29

Marktstimmung: "Mit großem Mut gegen den Trend"

Neue Rekordstände deutscher Aktien und die Anleger drehen ihnen den kalten Rücken zu. Nach Ansicht Goldbergs eine gute Ausgangslage für weitere Gewinne.

Zusammenfassung

Neue Rekordstände für DAX-Aktien und die hiesigen mittelfristigen Anleger sind nicht dabei, vor allem die professionellen. 6 Prozent haben ihre DAX-Aktien gekauft und 20 Prozent sind direkt short gegangen. Der Sentiment-Index fällt auf die Nulllinie. Joachim Goldberg interpretiert, dass innenpolitische wie virale Entwicklungen nur für kurze Zeit irritieren. Seiner Ansicht nach haben viele Gewinne mitgenommen, bzw. setzen auf eine kurzfristige Korrektur. Privatanleger haben sich in die gleiche Richtung bewegt, allerdings im geringeren Umfang.

Nach Ansicht des Verhaltensökonoms hat die Mehrheit der Bären dem Kursanstieg zugesehen und "geht den Markt jetzt von der Shortseite an". Im Verlauf gab es keine Gelegenheit zu einem als günstig empfundenen Einstieg. Das sei eine gute Ausgangslage für weitere Kursgewinne. Den mittelfristig orientierten Verkäufern stünde langfristiges Kapital entgegen. Außerdem sollte es nach unten zwischen 13.300 und 13.350 Punkten eine Stütze durch Gewinnmitnahmen der Bären geben. Und nach oben kämen eben diese in einen Short-Squeeze.

12. Februar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Als ob nichts geschehen wäre, ist der DAX seit unserer vergangenen Stimmungserhebung weiter nach oben auf ein neues Allzeithoch gezogen. Dieses Mal beträgt das Plus (stichtagsbezogen) 2,6 Prozent. Und zwar, ohne dass es seither eine günstigere Einstiegsmöglichkeit in die Rally gegeben hätte. Nun ist es nicht so, dass es während dieses Zeitraums überhaupt keine Probleme mehr für Börsianer gegeben hätte. Tatsächlich scheinen sich die Marktteilnehmer an die Nachrichten zum Corona-Virus aus China weitgehend gewöhnt zu haben. Aber auch die unübersichtliche politische Situation in Deutschland, ausgelöst durch den angekündigten Rücktritt der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, hat die Börsianer bestenfalls für ein paar Stunden irritiert. Und auch um die konjunkturellen Fragezeichen in der Eurozone scheint man sich kaum zu scheren. Kurzum: Wenn man die Kursentwicklung der Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks betrachtet, geht es offenbar ungebremst weiter aufwärts. Und die einzig interessante Frage scheint derzeit zu lauten: Wie heiß hat sich der Optimismus, der hinter der Aktienhausse steckt, tatsächlich gelaufen?

So gesehen mag das Ergebnis der heutigen Stimmungserhebung fast wie eine eiskalte Dusche wirken. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index der mittelfristig orientierten institutionellen Investoren ist drastisch um 26 Punkte auf einen Stand von -1 zurückgefallen. Mit anderen Worten: Der ohnehin nicht überbordende Optimismus der Vorwoche ist wieder verschwunden. Dabei sind fast alle Akteure, die bei unserer vergangenen Erhebung das Bärenlager verlassen haben, wieder dorthin zurückgekehrt. 70 Prozent der neuen Pessimisten rekrutieren sich übrigens aus der großen Gruppe vormals neutral gestimmter Marktteilnehmer. Bei der Neupositionierung dürfte allerdings nicht nur die Skepsis gegenüber einem möglicherweise heißgelaufenen Markt ausschlaggebend gewesen sein. Vielmehr war es wahrscheinlich für vormalige Optimisten auch verlockend, in der Nähe des bisherigen Allzeithochs Gewinne mitzunehmen bzw. sich auf eine möglicherweise heftige technische Korrektur einzustellen.

Die gefährliche Jagd nach Extra-Rendite

Auch bei den Privatanlegern hat sich der Optimismus etwas zurückgebildet, wie der Blick auf unseren Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels vermittelt: Wir notieren einen Rückgang von 6 Punkten auf einen neuen Stand von +6. Dabei speist sich der vergleichsweise moderate Zugang im Bärenlager zu gleichen Teilen aus früheren Optimisten und seitwärts eingestellten Akteuren.

Die starken Stimmungsveränderungen bei den institutionellen Investoren während der vergangenen beiden Wochen vermitteln, dass nur etwa knapp ein Drittel der wechselwilligen Akteure vom jüngsten Kursanstieg des DAX profitiert und Gewinne mitnehmen konnte. Die Übrigen – es handelt sich um rund 14 Prozent aller Befragten – haben an der Seitenlinie dem Kursanstieg zugesehen und sind den Markt nun von der Shortseite angegangen. Vermutlich auch, um im Rahmen einer erhofften deutlichen Abwärtskorrektur des DAX eine Extra-Rendite zu erzielen. Dabei dürfte sich das vergangene Allzeithoch vom 22. Januar (rund 13.640 DAX-Zähler) geradezu als erstklassiger Referenzpunkt für Abgaben angeboten haben. Zumal, sofern man den einschlägigen Medien folgt, zuletzt der Eindruck entstanden sein mag, dass alle anderen – außer einem selbst – mega-bullish sein müssen.

Für den DAX ist diese Entwicklung in zweierlei Hinsicht positiv. Zum einen, weil das Börsenbarometer trotz dieser Abgaben nur ein fast unauffälliges kleines Zwischenhoch gebildet hat und danach weitergezogen ist. Dies spricht dafür, dass diesen Abgaben mittelfristig orientierter Akteure langfristiges Kapital entgegensteht. Zum anderen dürften die jüngsten Short-Positionierungen bzw. Absicherungen zurückgedeckt werden, sobald sich ein ordentlicher Rücksetzer des DAX (vermutliches Kaufinteresse zwischen 13.300 und 13.350 Zählern) ergibt. Eine derartige Nachfrage dürfte sich auch dann einstellen, wenn die Aktienkurse weiter nach oben ziehen. In diesem Fall würde der Aufwärtstrend mit hoher Wahrscheinlichkeit zusätzlich durch eine veritable Short-squeeze der heutigen Bären befeuert werden.

12. Februar 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

 BullishBearishNeutral
Total38%39%23%

ggü. letzter Erhebung

-6%+20%

-14%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.700 (+350 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -1 Punkt (Stand Vorwoche: +25 Punkte)

 

 BullishBearishNeutral
Total46%40%14%

ggü. letzter Erhebung

-2%+4%-2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.700 (+350 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +6 Punkte (Stand Vorwoche: +12 Punkte)

 

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Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 

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