27.11.19 13:22:22

Marktstimmung: "Reumütig zurückgekehrt"

Anleger steigen wieder ein, vielleicht auch durch das baldige Jahresende motiviert – eine komfortable Lage für den Markt.

Zusammenfassung

Sowohl professionelle als auch private Anleger sind wieder eingestiegen. 8 bzw. 7 Prozent haben seit vergangenem Mittwoch Aktien gekauft. Deutsche Aktien haben sich im gleichen Zeitraum gemessen am DAX um 150 Punkte verteuert. Insbesondere die Privaten sind mit einem Sentiment-Index von +29 Punkten ausgesprochen bullish.

Das bedroht nach Ansicht von Joachim Goldberg aber nicht weitere Kurssteigerungen, denn die gewichtigeren Profis sind noch vergleichsweise zurückhaltend. So erwartet der Verhaltensökonom, dass bei fallenden Preisen ausreichend potentielle Käufer parat stünden. Auch im Hinblick auf das nahende Jahresende.

27. November 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Derzeit sind es die ruhigen Marktphasen, die die Marktteilnehmer recht stark beschäftigen. Denn das Börsenbarometer ist an der Oberseite – abgesehen von einem Ausreißer – während der vergangenen zweieinhalb Wochen nicht mehr so recht vorangekommen. Trotz neuer Allzeithochs an den US-Börsen. Und trotz der in der Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer per Saldo positiven Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Gut möglich, dass durch die teils widersprüchlichen Meldungen während der vergangenen Wochen bei den Akteuren gewisse Abnutzungserscheinungen eingetreten sind. Zumindest gewinnt man den Eindruck, dass nicht nur Kommentatoren das Thema ein wenig zum Halse heraushängt. Indes: Einen großartigen Rücksetzer hat es beim DAX seit unserer vergangenen Stimmungserhebung ebenfalls nicht mehr gegeben.

Immerhin hat die Mini-Abwärtskorrektur des DAX seit unserer vergangenen Erhebung gereicht, um einen Teil der Pessimisten der von uns befragten institutionellen Investoren aus der Vorwoche zu einer reumütigen Rückkehr zu bewegen. Zudem haben vormals neutral eingestellte Akteure nach einem günstigen Einstieg gesucht, so dass beide Gruppen zu gleichen Teilen dafür sorgten, dass unser Börse Frankfurt Sentiment-Index gegenüber der Vorwoche um 12 Punkte anzog und damit einen Stand von +12 erreichte. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Lager der „Neutralen“ mit einem Anteil von 20 Prozent aller Befragten auf den niedrigsten Stand seit Ende September zurückgefallen ist.

Privatanleger bleiben dran

Eine ähnliche Entwicklung hat es bei den Privatanlegern gegeben. Offenbar ist die Aktion einiger Akteure aus der Vorwoche, die auf fallende Aktienkurse gewettet hatten, nicht von großem Erfolg gekrönt gewesen. Diese recht aktive Gruppe, die jedoch nur 6 bis 7 Prozent der Panel-Teilnehmer ausmacht, hat sich fast vollständig um 180° gedreht und ist auf die Bullen-Seite gewechselt. Deswegen ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index der Privatanleger um 13 Punkte auf einen Stand von +29 gestiegen, 3 Punkte unter dem bisherigen Jahreshoch. Interessant ist hierbei zu erwähnen, dass das Gros der optimistischen Anleger – es handelt sich immerhin um fast 40 Prozent aller Befragten – seit Beginn der Herbstrallye Anfang Oktober nur wenig Neigung verspürte, aufgelaufene Gewinne zu realisieren. Trotz aller widerstreitenden Informationen im US-chinesischen Handelskonflikt und entgegen einer wenig überzeugenden ökonomischen Situation in Deutschland.

Während also der Optimismus der Privatanleger fast schon wieder überzogene Werte erreicht, bleiben die institutionellen Investoren mehrheitlich immer noch zurückhaltend. Mit anderen Worten: Der Börse Frankfurt Sentiment-Index von +12 vermittelt den Eindruck, dass – auf deutlich niedrigerem Niveau (vermutlich bereits knapp unter 13.000 Zählern) – noch ein so gutes potenzielles Kaufinteresse vorhanden ist, dass der DAX im Falle von größeren Korrekturen gut nachgefragt sein dürfte. Dabei könnte manchem Investor sogar etwas die Zeit davonlaufen, so dass möglicherweise auch noch ein paar Kapitulationskäufer aktiv werden könnten. Die Stimmungslage der Investoren hierzulande stellt jedenfalls für den DAX – schon gar nicht in der relativen Betrachtung auf Sicht von 3 bis 6 Monaten – keine ernsthafte Bedrohung dar. Diese würde – wie gehabt – nur bei größeren ausländischen Kapitalabflüssen entstehen.

27. November 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

 BullishBearishNeutral
Total46%34%20%

ggü. letzter Erhebung

+8%-4%

-4%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.250 (+150 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +12 Punkte (Stand Vorwoche: +0 Punkte)

 

 BullishBearishNeutral
Total55%26%19%

ggü. letzter Erhebung

+7%-6%-1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.250 (+150 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +29 Punkte (Stand Vorwoche: +16 Punkte)

 

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Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 

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