18.03.20 10:22:45

Scale-Marktbericht: Auch Nachwuchssegment im Abwärtssog

Die Pandemie führt auch zu heftigen Kursverlusten der Scale-Unternehmen. Selbst bisherige Highflyer können sich nicht entziehen.
 

18. März 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auch das Scale-Segment steht ganz im Zeichen der Corona-Krise. Der Scale 30 liegt am Donnerstag 755 Punkten Punkten – ein heftiger Verlust von knapp 40 Prozent gegenüber dem Vormonat. Damit hat der Auswahlindex ähnlich verloren wie DAX und MDAX (minus 37 Prozent) und der US-Nebenwerte-Index Russell 2000 (minus 36 Prozent). Nur der SDAX schneidet auf Sicht von einem Monat noch besser ab mit einem Minus von „nur“ 29 Prozent. 

Auf Sicht von einem Jahr steht der Scale 30 aber noch gut da mit Verlusten von 23 Prozent. DAX und MDAX kommen für diesen Zeitraum auf ein Minus von 27 Prozent, der Russell 2000 auf 30 Prozent und auch der SDAX auf 29 Prozent. Deutlich schlechter – wie üblich – hat sich unterdessen der den ganzen Markt abbildende Scale All Share-Index entwickelt: Der liegt aktuell bei 756 Punkten, ein Monatsverlust von 33 Prozent und ein Jahresminus von 31 Prozent.

In den Abwärtssog sind auch die bisherigen Erfolgsgeschichten geraten: der Blockheizkraftwerkhersteller 2G Energy (WKN A0HL8N), großer Gewinner der Energiewende, der Kassensystemhersteller Vectron Systems (WKN A0KEXC), der stark von neuen Anforderungen an Kassensysteme profitiert hatte, und der immer neue Rekorde feiernde Online-Broker Flatex. 

Nun gibt es auch die ersten Reaktionen der Unternehmen auf die Krise, und die fallen düster aus: Vectron Systems erwartet deutliche Folgen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus, wie das Unternehmen am gestrigen Dienstag meldete. Vectron machen die Auswirkungen der Corona-Pandemie immer mehr zu schaffen, Hintergrund ist, dass der Shut-down in Deutschland Kundenbranchen wie die Gastronomie lahmlegt. 

„Deutliche Folgen der Virus-Maßnahmen erwartet“ 

Nach den kräftigen Verlusten der meisten Aktien finden sich auf Jahressicht nun nur noch Publity, FCR Immobilien, Datagroup, 2G Energy, Mensch und Maschine und Flatex im Plus: Publity hat seit März 2019 um 61 Prozent zugelegt, FCR Immobilien (WKN A1YC91) um 24 Prozent, der IT-Dienstleister Datagroup (WKN A0JC8S) um 17 Prozent. Beim CAD/CADM-Spezialisten Mensch und Maschine (WKN 658080), 2G Energy und Flatex sind es immerhin noch um die 9 Prozent.

The Naga Group: Vom Loser zum Winner

Einziger Gewinner auf Dreimonatssicht ist ausgerechnet das lange abgeschlagene Fintech The Naga Group (WKN A161NR). Der Kurs des seit der Restrukturierung auf Social Trading konzentrierten Unternehmens hat zwar zuletzt ebenfalls nachgegeben, liegt mit aktuell 0,93 Euro aber immer noch deutlich oberhalb des Niveaus von Anfang des Jahres. Hintergrund des bis Februar anhaltenden rasanten Kursanstiegs war die erhoffte Trendwende im vierten Quartal 2019. The Naga Group war beim Börsengang im Juli 2017 großer Hoffnungsträger, die Aktie wurde damals zu 2,60 Euro ausgegeben.

Gute Zahlen, schlechte Kursentwicklung

Flatex nützten derzeit auch gute Zahlen nichts. Der deutsche Online-Broker und Degiro aus den Niederlanden, an dem Flatex mittlerweile beteiligt ist, sind wieder stark gewachsen: Im Februar eröffneten über 10.000 Interessenten ein Depot bei Flatex, ein Plus von 128 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, bei Derigo, waren es 27.000 Neukunden, ein Zuwachs von 210 Prozent. Die Aktie verliert dennoch und kostet nach dem Hoch von 31,80 Euro vor wenigen Wochen nur noch 23,95 Euro.

Ähnlich geht es 2G Energy. Das Unternehmen hatte Ende Februar noch neue Rekordzahlen für 2019 bekannt gegeben. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 236 Millionen Euro, mehr als zuvor prognostiziert. Die Ebit-Marge lag im oberen Bereich der Prognosespanne von 5,5 Prozent bis 7 Prozent. Dennoch hat die Aktie vom Allzeithoch von 54,40 Euro im Januar auf 31 Euro nachgegeben.  

Trotz Krise: Kaufempfehlungen für MuM und Publity 

Mensch und Maschine will nach eigenen Aussagen der Corona-Krise trotzen: Das Unternehmen hat diese Woche die sehr guten vorläufigen Geschäftszahlen für 2019 sogar noch übertroffen und seine Prognose für 2020 bestätigt. SMC Research findet das angesichts der derzeitigen Lage bemerkenswert. Das Analysehaus hat das Kursziel zwar leicht auf 50 Euro (aktuell x) reduziert, rät aber nach der starken Korrektur der Aktie wieder zum Kauf.

SRC Research hat gerade die Coverage von Publity aufgenommen und empfiehlt den Kauf der Aktie. Publity habe mit signifikanten Ergebnisanstiegen in den vergangenen Jahren einen stabilen und dynamischen Erfolgspfad in einem umkämpften und unsicheren Markt vorweisen können. „Gerade in Zeiten von Corona bietet Publity einen hervorragenden Einstieg in den deutschen Büroimmobilienmarkt“, heißt es. Die Analysten nennen ein Kursziel von 42 Euro (aktuell 30,30).

von: Anna-Maria Borse,
© 18. März 2020, Deutsche Börse AG

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