22.06.20 09:59:55

Wochenausblick: Stimmungsschwankungen bleiben

Mit der Ungewissheit über eine mögliche zweite Corona-Welle und der reichlich vorhandenen Liquidität bleiben die Aktienmärkte nach Ansicht von Analysten anfällig für Ausschläge in beide Richtungen. 


22. Juni 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Corona lässt Investoren natürlich noch nicht los. Derzeit liefern sich Optimisten und Skeptiker an den Finanzmärkten ein Tauziehen. Für Letztere steht angesichts weltweit steigender Infektionszahlen eine mögliche zweite Welle samt Verlangsamung der konjunkturellen Erholung im Raum. Andere sehen in der beispiellosen Liquidität vonseiten der Zentralbanken und Regierungen weitere Unterstützung für Aktien.

Wer die Chancen und Risiken besser einschätzt ist offen. Die starken Schwankungen an den Aktienbörsen unterstreichen, wie schnell die Stimmung umschlagen kann. Vergangene Woche schaffte der deutsche Aktienindex ein Plus von gut 3 Prozent, nach Verlusten von knapp 7 Prozent in den fünf Handelstagen zuvor. In die neue Woche startete der DAX mit 12.194 Punkten und damit 1,1 Prozent schwächer.

Skepsis ist angebracht

Nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz haben die Aktienmärkte bereits viel Hoffnung eingepreist. Auf dem aktuellen Kursniveau rät der Commerzbank-Analyst tendenziell zur Zurückhaltung. Eine zweite COVID 19-Welle werde die Wirtschaft zwar nicht so hart treffen wie im zweiten Quartal. Die konjunkturelle Erholung würde aber verschleppt.

Die Frage nach dem Tempo des wirtschaftlichen Aufschwungs könnten die anstehenden Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Euroraum und der deutsche Ifo-Index auch nicht beantworten. Die PMI-Werte stiegen zwar, schafften es aber noch nicht über die Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Vorerst weiter nach vorn

Claudia Windt von der Helaba sieht die Kapitalmärkte durch die Geldschwemme der Zentralbanken zunächst gut unterstützt. Das würden die deutschen und europäischen Frühindikatoren widerspiegeln. Ebenso sorgen die US-Verbraucherdaten voraussichtlich für positive Impulse, wie Windt meint. Sollte es zu einer zweiten Infektionswelle kommen, bestehe das Risiko einer anhaltenden Investitions-und Konsumzurückhaltung. An den Kapitalmärkten wären damit Rückschläge vorprogrammiert.

In welcher Form die geplanten 750 Milliarden Euro aus Brüssel fließen werden, ist offen. Vieles deutet auf einen längeren Einigungsprozess. An einer finalen Lösung anlässlich des Gipfeltreffens im Juli zweifelt vermutlich nicht nur die niederländische Regierung.

Licht am Ende des Tunnels?

Mit Blick über den Teich nimmt die Angst vor einer nur schwachen Konjunkturerholung scheinbar ab, wie Robert Halver von der Baader Bank feststellt. Hedgefonds hätten ihre Aktienquote laut Fund Manager Survey der Bank of America Merrill Lynch auf den höchsten Wert seit September 2018 gehoben. Immer weniger US-Fondsmanager sprächen von einer Bärenmarkt-Rallye.

Andererseits deute der Macro Risk Index der Citigroup mit einem Wert von 0,65 auf vorsichtige „Risikoabneigung“. Erst unterhalb von 0,5 Prozent nehme die Risikofreude zu.

Robert Havler

Halver

Bullen in Lauerstellung

Aus technischer Sicht konnte die erhöhte Volatilität der letzten beiden Wochen nach Meinung der DZ Bank-Charttechniker die bullishen DAX-Tendenzen nicht beenden. Stattdessen sei der bestehende Aufwärtstrendkanal durch ein höher liegendes Verlaufstief bestätigt und durch die Zurückeroberung der gleitenden Durchschnitte der letzten 20 und 200 Handelstage gefestigt worden. „Diese Kombination könnte in der laufenden Woche als Sprungbrett für einen neuen Trendschub dienen.“

Zuletzt sei es dem DAX an vier Handelstagen in Folge nicht gelungen, die Barriere von 12.472 Punkten zu überwinden. Sollte dieser Schritt auf Tagesschlusskursbasis vollzogen werden, dürften laut DZ Bank Anschlusskäufe folgen, die den deutschen Aktienindex bis an den nächsten Widerstand um 12.916 Punkte tendieren lasse.

von: Iris Merker
22. Juni 2020, © Deutsche Börse AG

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