24.07.20 12:38:15

Anleihen: Alles schon eingepreist

Von der Einigung auf das gigantische EU-Corona-Konjunkturpaket zeigt sich der Anleihemarkt eher unbeeindruckt, nur Peripherie-Anleihen legen etwas zu. Im Handel mit Unternehmensanleihen macht sich Ferienzeit bemerkbar. 


24. Juli 2020. Frankfurt (Börse Frankfurt). Dass sich die EU-Staaten am Dienstagmorgen auf das größte Haushalts- und Finanzpaket ihrer Geschichte geeinigt haben, hinterließ am Anleihemarkt kaum Spuren. Es war ein Kompromiss erwartet worden. „Anleihen europäischer Peripherieländer konnten etwas profitieren, vor allem die von Italien, aber auch von Spanien und Portugal“, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. 

Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen rutschte zeitweise sogar wieder unter 1 Prozent. Das war der niedrigste Stand seit Februar dieses Jahres. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen mit minus 0,48 Prozent, die seit einigen Wochen anhaltende Seitwärtsbewegung setzt sich damit fort. Zum Wochenschluss ist die Nervosität an den Kapitalmärkten etwas gestiegen. Grund ist der sich wieder verschärfende US-chinesische Konflikt, außerdem bleiben die Sorgen rund um die Corona-Pandemie.

EU-Anleihen: Historischer Einschnitt

Das EU-Paket beinhaltet auch, dass die EU nun erstmals selbst Anleihen begeben wird, und zwar im Volumen von bis zu 750 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre. Zur Rückzahlung sollen neue Steuern erhoben werden, etwa eine Plastiksteuer, eine Digitalsteuer und eine CO2-Grenzsteuer. Wie das Handelsblatt bemerkt, ist noch unsicher, wie viele Anleihen die EU ausgeben wird. Viele Experten erwarteten, dass es pro Jahr weit über 200 Milliarden Euro werden könnten. Damit steige die EU zum größten supranationalen Emittenten der Euro-Zone auf. 

Kritiker sehen in dem Paket einen weiteren Schritt zur Transferunion, überwiegend stieß die Einigung aber auf viel Beifall. Nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank ist der Deal mittel- bis langfristig ein starkes Signal für Europa. Ein Auseinanderbrechen der EU und des Euro würden unwahrscheinlicher. „In Summe sind dies also positive Vorzeichen für europäische Aktien, Staatsanleihen und den Euro.“

Ruhiger Handel mit Unternehmensanleihen

Im Handel mit Unternehmensanleihen dominieren derzeit Abgaben, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. „Wir sehen fast nur Verkäufe, allerdings ist insgesamt nicht viel los.“ Anleger trennten sich zum Beispiel von der UBM Development-Anleihe mit Kupon von 2,75 Prozent und Fälligkeit 2025 (WKN A2R9CX) und der mit Kupon von 3,125 Prozent und Fälligkeit 2023 (WKN A2RS14). 

Gregor Daniel

Daniel

Gewinnmitnahmen bei Gamigo

Auch Brunner meldet allgemein dünne Umsätze. Anleger kauften zum Beispiel NordLB-Nachranganleihen (WKN NLB8K6), kauften und verkauften Sixt Leasing-Papiere (WKN A2LQKV) nach den Geschäftszahlen diese Woche und trennten sich von Bonds des Gaming-Anbieters Gamigo (WKN A2NBH2). „Die Gamigo-Anleihen sind gut durch die Krise gekommen, jetzt gibt es Abgeber auf hohem Niveau.“

Gute Umsätze beobachtet Brunner bei der neuen Eyemaxx Real Estate-Anleihe (WKN A289PZ), die seit Dienstag notiert ist. Das Papier läuft bis Juli 2025 und bietet 5,50 Prozent im Jahr. 

Arthur Brunner

Brunner

Was die Unternehmensberichterstattung über das zweite Quartal angeht, überwiegen positive Überraschungen, wie Cem Keltek von der Commerzbank feststellt. „Allerdings waren die Erwartungen zuvor auch deutlich gesenkt worden.“ Der Ausblick sei auch ohne die Gefahr erneuter Corona-Beschränkungen unsicher und die jüngste Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China erhöhten die Abwärtsrisiken nochmal. „Somit erscheint ein deutliches Aufleben der Risikofreude zumindest kurzfristig unwahrscheinlich.“

von: Anna-Maria Borse

24. Juli 2020, © Deutsche Börse AG

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