10.02.20 09:41:25

Wochenausblick: Rückschläge einkalkulieren

Anleger bleiben hin- und hergerissen zwischen Bilanzen und dem Corona-Virus, was kurzfristig größere Bewegungen nach sich ziehen kann. Technisch stehen die DAX-Bullen auf einem etwas wackligen Fundament.
 

10. Februar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). War die Entspannung an den internationalen Aktienbörsen hinsichtlich der möglichen Corona-Auswirkungen zu voreilig? Noch scheint der für Mitte Februar in Aussicht gestellte Infektionshöhepunkt angesichts stark steigender Neuerkrankungen in China zumindest fraglich. Das nährt die Unsicherheot und erschwert Richtungsprognosen für DAX und Co. Am Morgen startete der deutsche Aktienindex mit 13.476 Punkten und damit leicht schwächer in den Handel.

Vorsicht ist geboten

Bereits investierten Anlegern rät Thomas Metzger, den Kursen nicht mehr hinterherlaufen. Für den Analysten vom Bankhaus Bauer steckt viel Hoffnung in den aktuellen Notierungen, dass demnächst die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus greifen oder ein wirksames Medikament gefunden wird. „Entsprechend hoch scheint das Enttäuschungspotenzial und damit die Fallhöhe des Marktes zu sein.“

Auf mittlere Sicht zuversichtlich

Kurzfristig sieht Robert Halver die Stimmung angesichts der großen Unsicherheit über das Corona-Virus zwar angeschlagen. Dies äußere sich unter anderem in einer verringerten Investitionsquote bei US-Fondsmanagern. „Mittelfristig bleibt die Zuversicht allerdings groß“, schätzt der Baader Bank-Analyst. Die Tatsache eines vergleichsweise milden Krankheitsverlaufs bei Infizierten in Europa und den Vereinigten Staaten wirke psychologisch beruhigend. Die Entwicklung von Medikamenten und sogar eines Impfstoffs scheint ebenso voranzuschreiten. Viele Anleger betrachteten den vorangegangenen Ausverkauf zunehmend als lang ersehnte Kaufgelegenheit. Eingesammelt würden Aktien, die auch bewertungsseitig wieder günstig zu haben sind.

Robert Havler

Halver

Blick in die Vergangenheit beruhigt

Laut Markus Reinwand von der Helaba könnte die derzeitige Gelassenheit der Marktteilnehmer noch auf die Probe gestellt werden. Zwar hielten sich die Auswirkungen derartiger Krankheitsausbrüche auf die Aktienmärkte im historischen Vergleich in Grenzen. Dies sei aber keine Garantie, dass es diesmal genauso laufen werde. Aufgrund der inzwischen hohen Bewertung an den Aktienmärkten sieht Reinwand eine größere Korrekturanfälligkeit als zu SARS-Zeiten in 2003.

Solange die Ausbreitung des Virus nicht gestoppt sei, bestehe weiterhin das Risiko erhöhter Kursschwankungen. Allerdings habe sich auch zuletzt wieder gezeigt: „Sobald es erste Anzeichen für eine Bereinigung einer kritischen Lage gibt, zögern Investoren nicht lange, wieder ins Risiko zu gehen.“

Gute Bilanzen als Gegengewicht

Nach Auffassung von Chris-Oliver Schickentanz sprechen die ungebrochen starken Mittelzuflüsse in den Aktienmarkt eher für ein Anhalten der positiven Marktverfassung. Die Aktienmärkte jonglierten weiter geschickt auf Höchstständen zwischen den befürchteten Belastungen aus dem Corona-Virus und einer relativ robusten Konjunktur in den USA mit guter Berichtssaison. „Diese geht nun in die Vollen, wobei zunehmend auch europäische Unternehmen berichten werden“, erinnert der Commerzbank-Analyst. Auch in Europa habe es zahlreiche Positivüberraschungen gegeben. In die Ausblicke dürften sich Schickentanz zufolge durch die Corona-Epidemie aber vorsichtigere Töne mischen.

Wackeliges DAX-Fundament

Was zunächst nur wie eine Verschnaufpause im Aufwärtstrend aussah, könnte sich technisch für den deutschen Aktienindex nun als Problem entpuppen, wie Christoph Geyer feststellt. In seiner jüngsten Aufwärtsbewegung sei der DAX bis an das Top vom Januar gestiegen und dort zunächst abgeprallt. Durch das Scheitern am letzten Widerstand sieht der Charttechniker der Commerzbank nun wieder die Gefahr eines Trendbruchs. Sollte nach dem schwächeren Wochenstart keine sofortige Gegenbewegung einsetzen, rechnet Geyer zunächst mit weiter fallenden Notierungen.

Christoph Geyer

Geyer

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Hierzulande richtet sich das Anlegerinteresse auf die Geschäfte deutscher Aktiengesellschaften wie Daimler (WKN 710000), Wirecard (WKN 747206), Bayer (WKN BAY001) und Linde (WKN A2DSYC). Aus der zweiten Reihe öffnen unter anderem Heidelberger Druck (WKN 731400), Hochtief (WKN 607000), Commerzbank (WKN CBK100) und ThyssenKrupp (WKN 750000) ihre Bücher.

Freitag, 14. Februar

8.00 Uhr Deutschland: Bruttoinlandsprodukt viertes Quartal 2019: Im Dezember stürzten Einzelhandelsumsätze und Produktion mit über 3 Prozent im Vergleich zum Vormonat laut DekaBank regelrecht ab. Damit wäre das Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal sogar geschrumpft. Die Industrie befinde sich zudem in einer Rezession, und die Dienstleister täten sich schwerer als sonst, dem etwas entgegenzusetzen. Zwar würden die schwachen Dezemberwerte vermutlich noch nach oben revidiert. Mehr als eine Stagnation sei aber keinesfalls drin. Die DekaBank-Analysten rechnen mit minus 0,1 Prozent, der Konsens liegt bei plus 0,1.

Von: Iris Merker

10. Februar 2020, © Deutsche Börse AG

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