15.10.20 16:35:00

Scale-Marktbericht: Die Kleinen schlagen die Großen

Hinter dem großen Bruder DAX muss sich der Scale-Index nicht verstecken – im Gegenteil. Abgesehen von der besseren durchschnittlichen Performance enthält der Index einige Aktien mit rasanter Kursentwicklung. Und vielen Analysten zufolge ist die Rally einiger Titel noch nicht zu Ende.


15. Oktober 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während der DAX seit Jahresanfang noch in der Verlustzone liegt, kommt der kleine und mittelgroße Unternehmen abbildende Scale 30 längst auf ein Plus: Vor dem Corona-bedingten Rücksetzer am heutigen Donnerstag war der Index sogar auf den höchsten Stand seit Mai 2018 geklettert. Aktuell liegt er bei 1.238 Zählern, immer noch ein klares Plus für dieses Jahr. Das gilt auch für den den ganzen Markt abbildenden Scale All Share, er liegt aktuell bei 1.103 Punkten.

Die zuletzt deutlich bessere Entwicklung im Vergleich zu den Large-caps ist unter anderem zurückzuführen auf den Börsenneuling Exasol, aber auch den Fondsanbieter Ökoworld (WKN 540868), die Beteiligungsgesellschaft MIC AG und Cliq Digital. Cliq Digital hängt auf Jahressicht abermals alle anderen Scale-Unternehmen weit ab: Die Aktie des Düsseldorfer Unternehmens, das Streaming-Entertainment-Services anbietet, hatte lange um die 2 Euro gekostet. Jetzt sind es – trotz jüngstem Rücksetzer – 14 Euro.

Auf Platz zwei auf Zwölfmonatssicht finden sich weiter das Fintech The Naga Group (WKN A161NR), der Kurs hat sich mehr als verdreifacht, jetzt gefolgt von EQS mit einem Plus von 102 Prozent, dem Online-Broker Flatex mit 96 Prozent und Ökoworld mit 84 Prozent. Schlusslichter sind Nanogate, MyBucks, Cyan, MagForce und die Deutsche Rohstoff AG. Mit den Aktien haben Anleger seit Oktober 2019 zwischen 37 und 96 Prozent verloren.

Börsen-Newcomer Exasol glänzt

Exasol ist eine echte Erfolgsgeschichte im Scale-Segment: Beim Börsengang im Mai dieses Jahres lag der Ausgabepreis bei 9,50 Euro, die erste Notierung schon bei 14 Euro, im September waren es kurzzeitig über 22 Euro. Jetzt wird die Aktie immerhin noch zu 19,36 Euro gehandelt. Exasol hat vergangene Woche eine Partnerschaft mit dem Deutschen Fußball-Bund verkündet. Dem DFB zufolge soll die Datenanalyse von Exasol helfen, die stetig wachsenden Datenberge beim DFB besser zu nutzen.

Gute Zahlen von Ökoworld und Naga

Die Aktie des Fondsanbieters Ökoworld hatte schon Anfang September einen kräftigen Satz nach oben gemacht: Am Donnerstagmorgen kostet sie 25,40 Euro, Ende 2019 waren es nur knapp 16 Euro. Das bereits seit 1996 börsennotierte Unternehmen bietet ethisch-ökologische Kapitalanlagen an und gilt als Wegbereiter dieser Anlageform, die aktuell einen großen Schub erlebt. Ökoworld konnte nach einem starken Wachstum im vergangenen Jahr auch für das erste Halbjahr 2020 mit sehr guten Zahlen aufwarten und das Nachsteuerergebnis mehr als verdoppeln.  

"Großer Schub für ethisch-ökologische Kapitalanlagen"

Ebenfalls gute Zahlen – ein weiteres Rekordquartal – meldeteThe Naga Group: Bei dem Unternehmen, das eine harte Restrukturierung durchlaufen hat und sich mittlerweile auf Social Trading konzentriert, läuft es wieder rund. Das Unternehmen war 2017 an die Börse gegangen, damals kostete die Aktie 2,60 Euro. Sie stieg innerhalb kurzer Zeit auf über 12 Euro, dann setzte allerdings Ernüchterung ein. Am Donnerstagmorgen sind es 2,54 Euro.

Cliq Digital und Flatex: Noch viel Luft nach oben

So mancher traut den Top-Performern im Scale-Segment weitere Kursgewinne zu: So hält das Analysehaus Montega die operative Entwicklung von Cliq Digital im laufenden Geschäftsjahr für beeindruckend und die Aktie weiter für günstig bewertet. Montega nennt ein Kursziel von jetzt 23 statt 19 Euro (aktuell 14 Euro) bei unveränderter Kaufempfehlung.

Weitere Empfehlungen kamen außerdem für Flatex: Etwa hat Goldman Sachs die „Buy“-Einstufung bestätigt, ebenso das Kursziel von 56 Euro (aktuell 44,60 Euro). Die geplante Aufnahme der Aktien in den Prime Standard sei positiv, mit der Verpflichtung zu quartalsweisen Zwischenberichten steige die Transparenz. Zudem winke im Dezember eine SDAX-Aufnahme, was die Papiere in den Fokus einer breiteren Anlegerschicht rücke.

Das Analysehaus Jefferies hat die „Buy"-Einstufung für Flatex ebenfalls bekräftig und ein Kursziel von 54 Euro genannt. Flatex gehört unter den kleinen und mittelgroßen kontinentaleuropäischen Werten sogar zu den „Quarterly Best Ideas" von Jefferies. Der Online-Broker werde nach der Übernahme des niederländischen Wettbewerbers DeGiro in den kommenden Jahren mit einem beschleunigten Wachstum glänzen, hieß es. Auch Berenberg rät weiter zum Einstieg und nennt ein Kursziel von 51 Euro. Begründet wird das mit einem positiven Bericht des Finanzvorstands Muhamad Chahrour zur aktuellen Entwicklung und den Aussichten.

von: Anna-Maria Borse,
© 15. Oktober 2020, Deutsche Börse AG

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