07.02.20 16:15:07

Anleihen: Anleger wieder entspannter

Das Corona-Virus samt möglicher Folgen scheint mittlerweile an Schrecken zu verlieren. Im Handel mit Unternehmensanleihen vertrauen Investoren unter anderem auf Mutares, Preos, Aegon und Deutsche Bank. Hochverzinste Corporates reizen auch mit unterdurchschnittlichen Ausfallrate.


7. Februar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Coronavirus und die möglichen Auswirkungen auf die chinesische Konjunktur löst gegenwärtig an den Finanzmärkten zwar Unruhe aus. Hinsichtlich der vermutlich recht hohen wirtschaftlichen Folgeschäden für das erste Quartal geben sich Anleger eher entspannt und vertrauen auf anschließende Nachholeffekte. Die chinesische Zentralbank werde es schon richten. Nach dem Corona-Peak, den Mediziner noch in diesem Monat erwarten werde Peking finanzielle Unterstützung für die Bereiche Einzelhandel, Logistik, Verkehr und Tourismus zur Verfügung stellen. Zudem folge vermutlich am 20. Februar zwecks Ankurbelung der Kreditvergabe eine Leitzinssenkung plus eine Lockerung der Reserveanforderungen für Banken.

Anleger kaufen Mutares und Preos-Anleihen

Unternehmensanleihen profitieren nach Ansicht von Arthur Brunner von der unübersichtlichen Gemengelage. Zu den Anleger-Favoriten zählt der ICF Bank-Händler eine neue, 50 Millionen Euro schwere Mutares-Anleihe (WKN A254QY) mit variablem Zinssatz. „Die Umsätze sind sehr gut.“ Ausgegeben wurde der Wert zu 100 Prozent und notiert aktuell bei 102,35 Prozent.

Starke Kaufnachfrage verbucht Brunner auch in einer im Dezember 2024 fälligen Wandelanleihe (WKN A254NA) von Preos Real Estate mit einem Kupon von 7,5 Prozent. Im Wochenverlauf legte der Bond um 2,5 Prozent auf 99,89 Prozent zu.

Illegale Leerverkäufe setzen Aurelius Bond zu

Überdurchschnittlich viele Zu- und Abflüsse gebe es in einer mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten Aurelius Equity Opportunities-Anleihe (WKN A2SAP3), die im Dezember 2024 fällig wird. Der Vorwurf einer Bilanzmanipulation seitens eines unbekannten Analysehauses Ontake Research hatte zunächst einen Kurssturz der Aurelius-Aktie ausgelöst und Abgaben bei den Anleihen ausgelöst, wie Brunner ausführt. „Nach der Leerverkaufsattacke legte der Bond wieder zu.“ Von der Bafin hieß es, dass die Veröffentlichung von Ontake Research gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoße. Das Unternehmen sei bei der Behörde gar nicht registriert.

Arthur Brunner

Brunner

Aegon ins Depot

Zu den beliebtesten Unternehmensanleihen bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank zählt Gregor Daniel eine 450 Millionen Gulden schwere, 1996 emittierte Aegon-Anleihe (WKN 131247), die nominal jährlich 4,260 Prozent abwirft. „Das ist unser Umsatzspitzenreiter auf der Kaufseite.“

Deutsche Bank-Bonds gewinnt hinzu

Eine unbegrenzt laufende CoCo-Anleihe der Deutschen Bank (WKN DB7XHP) mit einem Kupon von 6,0 Prozent kommt laut Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank bei Anlegern ausgesprochen gut an. Auf Wochensicht legte der Wert von unter 100 auf 102 Prozent zu. „Das liegt an der festen Aktie der Deutschen Bank.“ Nach der gestrigen Meldung über den Einstieg des Großinvestors Capital Group bei dem Geldhaus legte die Aktie eine Rally hin.

Rainer Petz

Petz

Griechenlandanleihen werden verkauft

Überwiegend Gewinnmitnahmen gibt es Daniel zuzfolge in Griechenland-Bonds. Stellvertretend für die Papiere nennt der Händler ein bis 2023 laufendes Papier (WKN A1G1UA) mit einem Kupon von 3 Prozent. „Nach der Umschuldung sind die Werte gut gelaufen.“ Dem gegenüber halte sich das Interesse an der jüngsten Emission aus Athen (WKN A28S0H) in Grenzen. „Der Kupon von 1,875 Prozent ist für Privatanleger eher unattraktiv“, begründet Daniel, der das Risiko damit nicht adäquat vergütet sieht. Immerhin stufe Moody’s die Anleihe mit B1 und damit als risikoreich ein. „Jeder muss sich aber selbst ein Bild darüber machen.“

Gregor Daniel

Daniel

Ausfallraten von Hochzinsanleihen stabil

Trotz bereits außergewöhnlich guter Performance von Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr sieht Roland Hausheer von Swisscanto Invest für das High Yield-Segment auch für dieses Jahr einen positiven Verlauf. Unter anderem unterstützten nach wie vor die Wertpapierkäufe der Notenbanken und die Nachfrage nach höherrentierlichen Wertpapieren. Die Ausfallrate von US-amerikanischen High Yield-Anleihen belaufe sich derzeit auf 3,1 Prozent und liege damit unter dem langfristigen Durchschnitt von 3,46 Prozent. In Europa sieht Hausheer die Ausfallquote ein weiteres Jahr um 2 Prozent verharren.

von: Iris Merker

7. Februar 2020, © Deutsche Börse AG

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