12.10.20 09:40:15

Wochenausblick: Warten auf Impulse

Händler Schranke an der Börse

Die beginnende Berichtssaison, das Brexit-Format und ein mögliches abgespecktes US-Hilfspaket noch vor den Wahlen bestimmen den Markt. Technisch könnte die nachhaltige Überwindung einer wichtigen Kurshürde den Weg nach oben freimachen.


12. Oktober 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wird es noch vor den US-Wahlen ein Hilfspaket light geben? Von Donald Trump in Aussicht gestellte Einzelmaßnahmen wie 1.200 US-Dollar für jeden Bürger, Unterstützung für Kleinunternehmen und die Fluggesellschaften scheinen bei den Demokraten zwar bislang auf wenig Gegenliebe zu stoßen. An den Aktienmärkten sorgen die Vorschläge nach Meinung von Analysten dennoch für Optimismus. S&P 500 und Dow Jones Industrial schafften vergangene Woche ein Plus von 3,8 und 3,2 Prozent. Der deutsche Aktienindex verabschiedete sich am Freitag mit 13.051 Punkten aus dem Handel. Das entspricht einem Anstieg von 2,8 Prozent. Am Morgen eröffnete der DAX mit 13.086 Punkten etwas höher.

Zahlen für das dritte Quartal wegweisend

Bislang läuft der Oktober für Aktien besser als erwartet. Wie es weitergeht, hängt auch von den bevorstehenden Unternehmenszahlen ab. Unter anderem berichten US-Finanzinstitute in den kommenden Tagen über die Geschäfte im dritten Quartal. Hinzu kommen Großkonzerne wie Johnson & Johnson und Procter & Gamble.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rechnen Analysten laut FactSet mit einem Einbruch der S&P 500-Gewinne um 20,5 Prozent. Diese seien hauptsächlich auf die negativen Auswirkungen von COVID-19 zurückzuführen. Angeführt von den Sektoren Energie, Industrie und Verbrauchsgüter würden alle elf Branchen voraussichtlich weniger Ertrag verbuchen. Das Umsatzwachstum werde vermutlich um 3,5 Prozent geringer ausfallen. Zu den relativen Gewinnern gehörten Gesundheits- und Technologiewerte. Unternehmen der Informationstechnologie kämen mit Gewinneinbußen von lediglich 2,6 Prozent insgesamt am besten durch die Pandemie.

Eher kein No Deal

Brexit-Verhandlungen stehen im Rahmen des anstehenden EU-Gipfels ab Donnerstag auf der Agenda. Knackpunkte sind nach wie vor die Fischereirechte und die Nordirland-Grenze. Viele Analysten halten einen EU-Austritt Großbritannien ganz ohne Abkommen für unwahrscheinlich. „Zuletzt gab es positive Signale, aus der britischen Regierung wurde die Chance auf ein Abkommen mit 66 Prozent beziffert“, beschreibt etwa Christian Apelt von der Helaba. Sollte London die Gespräche am 15. Oktober wie angekündigt ohne Ergebnisse abbrechen, werde vermutlich trotzdem weiterverhandelt, um sich zumindest auf Übergangsregeln zu verständigen.

Christian Apelt

Apelt

DAX-Bullen stehen vor wichtiger Hürde

Ob der Gipfel neue Impulse bringt, ist fraglich. Aus technischer Sicht bewegt sich der deutsche Aktienindex laut Harald Weygand von GodmodeTrader.de seit Juli dieses Jahres seitwärts. Der DAX fliege unterhalb der charttechnischen Hürde bei 13.236 Punkten Warteschleifen. Weygand hält es für gut möglich, dass der europäische Aktienmarkt die Brexit-Deadline Mitte Oktober abwartet. Gelinge dem DAX in den kommenden Tagen ein überzeugender Anstieg über 13.236 Punkte, würde dies nach Meinung von Weygand mittelfristig deutliches Aufwärtspotenzial offenlegen. In dem Fall wäre zunächst das Allzeithoch bei 13.795 Punkten ein wichtiges Ziel. Ein mögliches Brexit-Sell-off macht der Charttechniker am Verhalten rund um die Preismarke von 13.236 DAX-Punkten fest.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 13. Oktober

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen und Lagebeurteilung Oktober. Viele Analysten rechnen mit einem Rückgang des Indikators, nachdem die vom ZEW befragten Finanzmarktteilnehmer einen starken Aufschwung in Deutschland bereits vorweggenommen haben. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, wie die Helaba feststellt. Die sentix-Befragung zeige, dass für Oktober etwas mehr Realismus einkehren wird.

14.30 Uhr. USA: Erzeugerpreise September. Bislang erholt sich die US-Wirtschaft überraschend kräftig. Nach dem zunächst deutlichen Nachfrageschock samt fallender Inflation setzte laut DekaBank zudem relativ früh eine unerwartet deutliche Gegenbewegung ein. Im September dürften die Preise zum Vormonat weiter angestiegen sein. Der Konsens liegt bei 0,2 Prozent. Dies gilt auch für die Kernrate, die Nahrungsmittel- und Energiepreise außen vorlässt. Nach Ansicht der DekaBank könnten der wirtschaftliche Einbruch und der daraus resultierende niedrige Auslastungsgrad dennoch zeitverzögert eine preisdämpfende Wirkung entfalten.

von: Iris Merker
12. Oktober 2020, © Deutsche Börse AG

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