11/09/19 12:22:48

Marktstimmung: "Nur zögerliches Kaufinteresse"

Jetzt sind heimische Anleger aktiv geworden, aber eher aus Not denn aus echter Überzeugung.

Zusammenfassung

Nach Beobachtung von Joachim Goldberg haben Anleger an den Märkten insgesamt zu einer eher optimistischen Wahrnehmung der Rahmenbedingungen Geld- und Geopolitik gedreht. 2 Prozent Käufe und 8 Prozent geschlossene Short-Positionen der befragten hiesigen Profis spreche eher für Zwangseindeckungen zur Verlustbegrenzung. Der DAX ist seit vergangenem Mittwoch nur gestiegen, insgesamt um 290 Punkte. Die privaten Anleger haben sich in eine ähnliche Richtung gebewegt. Der Verhaltensökonom nimmt an, dass die Anleger von den Kursgewinnen überrascht worden sind und interpretiert den Stand der beiden Sentiment-Indizes bei +5 bzw. +2 Punkten als neutral. 

Immerhin seien jetzt die heimischen Akteure aktiv geworden. Unterm Strich gehe keine Gefahr von den derzeitigen Positionierung aus. Ab 12.000/12.050 rechnet Goldberg mit Kaufinteresse, nach oben sei der Index vermutlich schnell gedeckelt. Nur die heutigen Bären dürften dann nachfragen.

 

11. September 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Risikowahrnehmung der Börsianer dies- und jenseits des Atlantiks scheint sich während der vergangenen Tage deutlich verändert zu haben. Und zwar merklich zum Positiven. Trotz aller dramatischen Entwicklungen etwa in Sachen Brexit. Und wenn es einander widersprechende Signale im US-chinesischen Handelskrieg gab, wurden vornehmlich die positiven Entwicklungen von den Akteuren wahrgenommen. Auch von Rezessionsängsten ist nicht mehr viel zu hören, und die Anleiherenditen in den USA, aber auch hierzulande, befinden sich auf Erholungskurs. Vielleicht auch, weil die Marktteilnehmer hochgesteckte Erwartungen an die morgen anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank, aber auch an die der US-Notenbank am kommenden Mittwoch haben: Man rechnet mit geldpolitischen Lockerungen. Dabei ist keineswegs sichergestellt, dass die EZB bei der vorletzten Sitzung unter Leitung ihres Chefs Mario Draghi diesem zu Ehren ein geldpolitisches Feuerwerk veranstalten wird. Aber selbst das Risiko einer Enttäuschung scheint zumindest bei vielen Börsianern ausgeblendet, wenn man bedenkt, dass der DAX im Wochenvergleich bis heute um 2,4 Prozent zugelegt hat.

Verbessert hat sich auch die Stimmung der von uns wöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren. Denn deren Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 10 Punkte auf einen Stand von +5 Punkte gestiegen und befindet sich damit auf demselben Niveau wie vor zwei Wochen. Allerdings lag der DAX seinerzeit um rund 5,8 Prozent niedriger. Dies mag auch der Grund sein, weshalb zwar 8 Prozent aller Befragten das Bärenlager verlassen, sich aber nicht sogleich auf die Seite der Optimisten geschlagen haben. Dreiviertel dieser eher kurzfristig agierenden Gruppe hat sich nämlich zu den neutral gestimmten Akteuren gesellt – ein Indiz für Stopp-loss-Käufe. Zumal der DAX seit unserer vergangenen Befragung fast nur noch Kaufmöglichkeiten zu steigenden Kursen geliefert hat.

Seit sieben Wochen wieder positiv

Zum ersten Mal seit sieben Wochen stellt sich bei den Privatanlegern ebenfalls Optimismus ein, wenn auch in sehr überschaubarem Umfang. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist nämlich um 9 Punkte auf einen Stand von +2 gestiegen. Und zwar, weil 6 Prozent der Pessimisten das Handtuch geworfen haben dürften.

Das Ergebnis der heutigen Befragung zeigt, dass die Entwicklung des DAX während der vergangenen beiden Wochen ausgesprochen positiv verlaufen ist. Doch konnte die Stimmung der Akteure damit bei Weitem nicht mithalten. Mit anderen Worten: Viele Marktteilnehmer wurden von der Rallye der Börsenkurse überrascht. Und selbst nach der heutigen Befragung muss die Stimmung immer noch als recht verhalten bezeichnet werden. Denn die Börse Frankfurt Sentiment-Indizes liegen nur geringfügig über den Durchschnittswerten der vergangenen drei bzw. sechs Monate. Immerhin ist der jüngste Teil der DAX-Rallye heimischer Nachfrage zu verdanken, während der erste Teil des Kursanstiegs – wie von uns in der vergangenen Woche bereits angedeutet ­ vermutlich internationalen Kapitalzuflüssen zu verdanken war.

Von der derzeitigen Positionierung der von uns befragten Akteure geht jedenfalls keine allzu große Gefahr für das Börsenbarometer aus. Im Gegenteil: Sollte es zu Rücksetzern in Richtung 12.000/12050 kommen, könnte sich vermehrt Kaufinteresse zeigen. Dieses Interesse dürfte sich allerdings bei einem weiter steigenden DAX in Grenzen halten, der dann vermutlich nur von denen weiterhin getrieben wird, die noch kaufen müssen.

11. September 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

 BullishBearishNeutral
Total39%34%27%

ggü. letzter Erhebung

+2%-8%

+6%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.360 (+290 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +5 Punkte (Stand Vorwoche: -5 Punkte)

 

 BullishBearishNeutral
Total42%35%23%

ggü. letzter Erhebung

+3%-6%+3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.360 (+290 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +7 Punkte (Stand Vorwoche: -2 Punkte)

 

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.






Please wait...

More articles from this columnist

TimeTitle

Advertisement