Was kostet das Handeln?
Ein Blick auf die Preisstrukturen an der Börse Frankfurt
Privatanleger sehen der Wertpapierabrechnung ihrer Bank nicht an, wie viel diese an die Börse bezahlen muss, damit eine Order aufgegeben, der gewünschte Handel abgewickelt wird und sich am Ende die Wertpapiere im Depot befinden. Denn die meisten Banken und Broker weisen die Handelskosten nicht aus. Dennoch wollen Investoren häufig wissen, was für Gebühren eigentlich zu Buche schlagen. Es ist oft günstiger als Sie denken.
10. Dezember 2009. Die Deutsche Börse stellt für den Handel mit Wertpapieren wie Aktien, Anleihen, Fonds oder anderen Derivaten Marktplätze bereit, auf dem sich Käufer und Verkäufer treffen. Privatanleger haben dabei an der Börse Frankfurt keinen direkten Zugang – wie an allen anderen Börsen auch. Sie platzieren ihre Order über eine Bank oder einen Broker.
Sie haben dabei die Wahl zwischen dem Handelssystem Xetra oder dem Frankfurter Präsenzhandel (Xontro), der in den Ordermasken der Online-Banken in der Regel als Frankfurt geführt wird. Über Xetra laufen rund 97 Prozent des Handels in deutschen Aktien und 83 Prozent in allen Wertpapieren. Im Parketthandel sind vor allem Privatanleger aktiv, die den Service der Skontroführer und den Abendhandel nutzen. In beiden Handelssystemen gab es 2008 im Durchschnitt knapp 1,10 Millionen Aufträge an einem Börsentag.
Schnell mit Xetra
Für die direkten Teilnehmer am Börsenhandel, die Banken, Makler oder Händler fallen monatliche fixe Entgelte für die Bereitstellung des Xetra-Handelssystems an. Diese Anbindungskosten liegen je nach gewähltem Anschluss zwischen 500 und 4.500 Euro pro Teilnehmer. Der Preis richtet sich nach der benötigten Datenübertragungsrate bzw. der Art der Leitung, die eingerichtet wird. Dazu kommt noch die jährliche Teilnahmegebühr von 1.500 Euro.
Volumenabhängige Preise
Jetzt heißt es wählen und entscheiden für die Xetra-Kunden. Je nachdem, wie viele einzelne Transaktionen für das jeweilige Finanzinstitut pro Monat anfallen, fällt die Höhe der transaktionsabhängigen Kosten für hohes, mittelgroßes oder niedriges Handelsvolumen aus. Xetra-Teilnehmer können wählen, ob sie im Entgeltmodell „High Volume, Medium Volume oder Low Volume“ abgerechnet werden. Die fixen monatlichen Kosten daraus betragen 20.000, 5.000 bzw. 2.000 Euro. Bleiben die Xetra-Teilnehmer mit ihren Gebühren für die Transaktionsvolumina unter dem monatlichen Fixbetrag ihres Kostenmodells, fallen keine weiteren Gebühren mehr an. Die variablen Transaktionskosten berechnen sich im günstigsten Fall mit 0,36 Basispunkte des Ordervolumens. Maximal gilt der wertbasierte Preis jedoch bis zu einem Ordervolumen von 1,5 Millionen Euro, also 72 Euro bzw. 75,60 Euro bei mittelgroßem oder 82,80 bei geringem Ordervolumen.
Aktiv verwaltete Fonds und Anleihen auf Xetra
Aktiv verwaltete Fonds im Spezialisten-Modell werden seit 1. Dezember 2008 ebenfalls auf Xetra im so genannten Spezialisten-Handel ausgeführt. In Bezug auf das Marktmodell spricht man hier von fortlaufenden Auktionen. Bei Fonds fallen je Order 80 Cent als fixes Entgelt an. Hinzu kommen variable Kosten von 6,5 Basispunkten, jedoch mindestens 50 Cent. Bis zu einer Ordergröße von 29.230 Euro gelten wieder wertbasierte Preise.
Seit 7. Dezember 2009 werden auch 700 Anleihen über Xetra gehandelt. Das Entgelt berechnet sich im besten Fall des High Volume-Modells mit 6,5 Basispunkten pro Order, mindestens stellt die Börse 1,95 Euro in Rechnung bis zu einem Ordervolumen von 60.000 Euro.
Zertifikate und Optionsscheine
Die Entgelte im Handel mit Anlage- und Hebelprodukten, die im Qualitätssegment Scoach gehandelt werden, berechnen sich auf Grundlage des zugrunde liegenden Geschäftsabschlusses, wobei im Entgeltmodell nach der Rolle des Teilnehmers unterschieden wird. Es gibt pro ausgeführter Order einen minimalen Kostenbetrag, bis zu einem bestimmten Ordervolumen eine wertbasierte Abrechnung und ein nach oben begrenztes Entgelt. Im maschinell ausgeführten Fokuslisting beispielsweise beträgt das Transaktionsentgelt 6 Basispunkte pro ausgeführtem Quote, mindestens jedoch 0,45 Euro und maximal 10,50 Euro (siehe Scoach-Preisverzeichnis als PDF).
Xetra-Handelskosten
| Anbindung monatlich |
Je nach Übertragungsrate und Art der Leitung |
500 € - 4.500 € |
| Ausführung* |
Aktien,
Bezugsrechte,
eigenemittierte Optionsscheine
|
min. 0,60 € / 0,63 € / 0,69 €
bis zu 1.500.000 € Handelsvolumen gilt ein wertbasierter Preis 0,36 / 0,378 / 0,414 BP
bei ETS/NP-Order bzw. 0,48 / 0,504 / 0,552 BP bei sonstigen Orders |
|
ETFs, ETCs, ETNs |
Min. 0,60 € / 0,63 € / 0,69 €
bis zu 375.000 € Handelsvolumen gilt ein wertbasierter Preis 0,36 / 0,378 / 0,414 BP bei ETS/NP-Order bzw. 0,48 / 0,504 / 0,552 BP bei sonstigen Orders |
|
Publikumsfonds |
Fix 0,80 € / 0,84 € / 0,92 € plus ein wertbasierter Preis 6,5 / 6,825 / 7,475 BP, min. jedoch 0,50 € / 0,53 € / 0,58 € |
|
Anleihen |
bis zu einem Transaktionswert von € 60.000: 6,5 / 6,825 / 7,475 BP, minimal 01,95 € / 2,05 € / 2,24 € |
| Zuschlag bei geringem Umsatz monatlich |
Minimale Orderkosten 20.000 € (High Volume) |
Ohne Zuschlag |
|
Minimale Orderkosten
5.000 € - 20.000 €
(Medium Volume) |
+ 5 % |
|
Minimale Orderkosten
2.000 € - 5.000 €
(Low Volume) |
+ 15 % |
*in Abhängigkeit vom gewählten Entgeltmodell High Volume, Medium Volume oder Low Volume
Xontro – ein System vom Menschen kontrolliert
Das gleiche Bild auf dem Parkett: Seit November 2007 werden die Geschäfte volumenabhängig durch ein wertbasiertes Preismodell abgerechnet – in einem Zusammenspiel von Mensch und Maschine, Skontroführer und dem System Xontro, dem Order und Geschäftsabwicklungssystem der Deutschen Börse für den Parketthandel. Knapp 150 Banken und etwa 200 Skontroführer sind daran angeschlossen. Im börslichen Handel sind Skontroführer das Bindeglied zwischen Käufer und Verkäufer eines Wertpapiers. Xontro steuert den gesamten Handelsprozess – von der elektronischen Orderführung über die Makler gestützte Preisbildung bis hin zur Geschäftsabwicklung.
Der technische Systemanschluss an Xontro kostet Kreditinstitute 7.500 Euro im Monat. Auch auf Xontro werden die Geschäftsabschlüsse volumenabhängig abgewickelt. Die Ausführung einer Aktienorder am Parkett kostet 3,8 Basispunkte des Orderwertes, aber mindestens 1 Euro und höchstens 19 Euro. Die Untergrenze greift bei einer Ordergröße unter 2.631,58 Euro, die Obergrenze ab 50.000 Euro.
Für eine ausgeführte Order in Anleihen berechnet die Börse dann 1 Basispunkt des Orderwertes bei einer Untergrenze von 1 Euro und einer Obergrenze von 10 Euro. Die Untergrenze gilt hier bis zu 10.000 Euro und die Obergrenze ab 100.000 Euro.
Neben der Abrechnung für den einzelnen Handel schlagen bei den Händlern die Kosten für den Systemanschluss zu Buche. Die monatliche technische Anbindung kommt auf 7.500 Euro oder 15.000 Euro, je nachdem ob der Handelsteilnehmer über ein elektronisches System oder auch über Händler vor Ort am Handel teilnimmt. Jeder Händler auf dem Parkett kostet 1.500 Euro pro Jahr.
Zudem bezahlen Kreditinstitute, Finanzunternehmen und Finanzdienstleister, die am Präsenzhandel teilnehmen, für die Handelszulassung eine jährliche Gebühr von 7.500 Euro.
Präsenzhandelskosten
| Systemanschluss pro Monat |
|
7.500 € |
| Je Händler vor Ort jährlich |
|
1.500 € |
| Handelszulassung pro Jahr |
|
7.500 € |
| Ausführung - wertbasierte Entgelte |
Aktien und ETFs |
3,8 BP, min. 1 €,
max. 19 € |
|
Anleihen |
1 BP, min. 1 €,
max. 10 € |
| Makler-Courtage je Order |
Aktien, Bezugsrechte |
0,8 Promille des Kurswertes, mind. jedoch 0,75 € |
|
DAX-Aktien |
0,4 Promille des Kurswertes, mind. jedoch 0,75 € |
Anleger zahlt Courtage
Die Skontroführer im Präsenzhandel berechnen für jede Ausführung wiederum eine Maklercourtage. Die Höhe dieser Gebühr – die Maklercourtage – ist abhängig von der Ordergröße und wird durch das beauftragte Kreditinstitut erhoben. Die Courtage-Sätze sind in der Börsenordnung einheitlich festgelegt. Bei Aktien und Bezugsrechten betragen sie 0,8 Promille des Kurswertes, bzw. 0,4 Promille bei Aktien im DAX-Index, mindestens jedoch 0,75 Euro. Bei Anleihen sind sie abhängig vom Nennwert der Anleihe. Details entnehmen Interessierte bitte der Börsenordnung §130 bis §132.
Jetzt wird abgerechnet: Settlement und Clearing
Der Kauf des Wertpapiers ist abgeschlossen, Xetra oder die Skontroführer im Parketthandel leiten via Xontro die Details zur Transaktion wie Kurs, Stückzahl, Uhrzeit und Teilnehmer (Counterparties) weiter. Offen sind nun noch das Clearing, d.h. die Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus den Wertpapier- oder Termingeschäften und der Austausch von Handelsobjekt und Geldgegenwert, das so genannte Settlement.
Banken und Broker benötigen neben einer Lizenz ein Wertpapierdepot und ein Geldverrechnungskonto bei der Clearing-Stelle. Auch hier hängen die Gebühren vom Gesamtvolumen der getätigten Transaktionen und den Ordergrößen ab. Für eine Wertpapierorder auf Xetra oder auf dem Parkett ausgeführt berechnet die Eurex Clearing, die diese Dienste für Börsen leistet, pro ausgeführter Order 0,06 Euro. Dazu wird ein wertbasiertes Entgelt von 0,001 Prozent berechnet – maximal jedoch 3,80 Euro wertbasiertes Entgelt. Details finden Sie auf der Seite der Eurex Clearing AG .
Clearing
| Schlussnote |
|
0,25 € im Parketthandel |
| Clearing |
Pro ausgeführter Order |
0,06 € plus wertbasiertes Entgelt von 0,001 Prozent, maximal jedoch 3,80 € |
Ein Rechenbeispiel
Von den Anschlussentgelten abgesehen, die sich nicht auf die einzelnen Geschäfte herunter rechnen lassen, kostet eine Aktienorder auf Xetra (sofern keine ETS/NP-Order) im Falle eines gesamten mittleren Handelsvolumens beim Kauf von DAX-Aktien über ein Ordervolumen von 10.000 Euro 0,63 Euro. Fürs Clearing und Settlement fallen 0,17 Euro an.