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Börse Frankfurt

Währungen: Krise um Griechenland wieder Euro-Thema

Bericht vom Devisenmarkt


Die Erholungsrallye des Euro ist in den vergangenen Wochen zu einem Ende gekommen. Nun entscheidet, wer seine Probleme besser bewältigen kann: die Länder der Eurozone oder die USA.

7. November 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach der Wiederwahl Obamas tendiert die US-Währung gegenüber dem Euro zwar schwächer, in den vergangenen Wochen hatte der Greenback aber wieder aufgeholt. Während Mitte Oktober noch über 1,31 US-Dollar für einen Euro gezahlt werden mussten, waren es zwischenzeitlich weniger als 1,28 US-Dollar. Am heutigen Mittwoch, einen Tag nach der US-Wahl, kostet der Euro 1,2839 US-Dollar.

Der Grund für den fallenden Eurokurs: Die Unsicherheiten um Griechenland haben zuletzt wieder zugenommen. „Heute will die dortige Regierung das umstrittene Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden Euro durchs Parlament bringen“, erklärt die Helaba. Aus Protest gegen die Maßnahmen fänden umfangreiche Streiks statt. „Die Abstimmung im Parlament ist unsicher – ein positives Votum aber Voraussetzung dafür, dass die nächste Hilfstranche ausbezahlt wird.“

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Vorteil für Eurozone

Die weitere Entwicklung des Währungspaares Euro/US-Dollar hängt letztlich davon ab, wer seine Probleme besser in den Griff bekommt: Europa oder die USA. Die HSH Nordbank geht davon aus, dass der Euro – nach einer Seitwärtsbewegung bis zum Ende dieses Jahres – 2013 weiter Boden gutmachen wird. „In den USA wird es durch die Machtverteilung im Kongress nicht einfach sein, zu einem Kompromiss in Sachen fiskalische Klippe zu kommen“, meint Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia. Auch werde Notenbankchef Bernanke nun wohl im Amt bleiben und die sehr expansive Geldpolitik fortsetzen. „Das alles wird den US-Dollar belasten.“

Die Probleme mit Griechenland könnten zwar den Auftrieb des Euro dämpfen, de la Rubia rechnet aber damit, dass eine Lösung oder zumindest eine Zwischenlösung gefunden wird. Spanien werde wahrscheinlich nach den Wahlen in Katalonien am 25. November unter den Rettungsschirm schlüpfen. „Die Lage in der Eurozone wird sich somit weiter entspannen. Wir sehen den Euro Ende 2013 bei 1,36 US-Dollar.“

Erst weiter seitwärts

Die Commerzbank erwartet hingegen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verliere, die Schwäche setze aber später ein als bislang prognostiziert. Aufgrund der Beruhigung an den Märkten hat die Bank die angekündigten EZB-Anleihekäufe neu bewertet: „Es scheint mittlerweile wahrscheinlicher, dass die EZB nicht in sehr großem Stil kaufen muss“, erklärt Ulrich Leuchtmann. Die Zentralbankmenge im Euroraum werde daher weniger stark ansteigen als bisher vermutet, was Druck vom Euro nehme. Zudem sei die Ausweitung von QE3 durch die US-Notenbank, also weitere Anleihekäufe, wahrscheinlicher geworden.

Bis zum Frühjahr werde sich der Euro zum US-Dollar weiter seitwärts bewegen, dann könne die Gemeinschaftswährung aber schwächeln: „Die Ankündigung von Anleihekäufen nimmt Reformdruck von den Peripherieländern. Das wird die EZB noch sehr lange zu einer sehr expansiven Geldpolitik zwingen, was langfristig zu einer deutlich höheren Inflation führt.“ Ende 2013 sieht die Bank den Euro bei 1,23 US-Dollar.

Geldschwemme könnte Pfund belasten

Auch die deutliche Erholung des Euro gegenüber dem britischen Pfund seit Ende Juli fand zuletzt ein Ende. Aktuell geht der Euro zu 0,8027 Pfund über den Tisch, vor gut zwei Wochen waren es 0,8158 Pfund. Vom Tief im Juli bei 0,77 Pfund für einen Euro ist der Wechselkurs aber noch weit entfernt. Die HSH Nordbank rechnet damit, dass das Pfund wieder an Wert verlieren wird. „Grund ist nicht nur die erwartete Entspannung in der Eurokrise, wir gehen auch davon aus, dass es weitere geldpolitische Maßnahmen der Bank of England geben wird.“

Euro/Franken-Grenze kein Problem

Unverändert komfortabel präsentiert sich die Situation für die Schweizer Notenbank: Das Währungspaar Euro/Franken bewegt sich weiter klar oberhalb der fixierten Untergrenze von 1,20 Franken, aktuell sind es 1,2074 Franken. Wie heute bekannt wurde, sind die Währungsreserven der Schweizer Nationalbank, die im Zuge der Verteidigung der Wechselkursuntergrenze massiv angestiegen waren, im Oktober erstmals seit Januar wieder gefallen. „Der Franken wird sich von der Schwelle noch weiter entfernen“, prognostiziert de la Rubia, die Flucht in die Sicherheit nehme ab. Ende 2013 werde der Euro 1,28 Franken kosten.

Fluchtwährung Yen weniger beliebt

Gegenüber dem japanischen Yen werde der Euro ebenfalls von der Entspannung profitieren. „Die Risikoaversion wird weiter abnehmen, auch die Japaner selbst werden wieder mehr Geld im Ausland anlegen.“ Zuletzt wurde zwar auch hier ein Teil der Kursgewinne seit dem Sommer wieder abgeben, heute notiert der Euro bei 103,15 Yen nach 104,45 vor gut zwei Wochen. Im Juli war der Euro aber noch auf 94 Yen gefallen.

© 7. November 2012/Anna-Maria Borse

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