Bitte warten...
Börse Frankfurt

GESAMT-ROUNDUP 2: Deutsche Wirtschaft soll bald wieder auf Touren kommen

09.01.2013 18:12

Anzeige

    BERLIN (dpa-AFX) - Anziehende Exporte, stabiler Arbeitsmarkt, robuste
Geschäftsaussichten am Bau: Die Wirtschaftslokomotive Deutschland kommt aus
Expertensicht nach der Schwächephase wegen der Eurokrise bald wieder auf Touren.
"Die Konjunkturaussichten hellen sich schnell wieder auf", erklärte das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch. In diesem Jahr dürfte das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,9 Prozent steigen. Im kommenden Jahr sei dann
sogar ein Wachstum von mehr als zwei Prozent möglich. Auch Beschäftigte dürften
mit kräftigen Lohnsteigerungen davon profitieren. Im abgelaufenen Jahr dürfte
die Konjunktur in Europas größter Volkswirtschaft wegen der Turbulenzen um den
Euro allerdings deutlich abgeflaut sein.

    Auch wenn die Krise bei hoch verschuldeten Euro-Partnern wie Spanien oder
Griechenland der größte Hemmschuh bleibt, kann die deutsche Wirtschaft weiter
zulegen, wie das DIW erwartet. "Die Binnennachfrage wird in diesem und auch im
kommenden Jahr die wesentliche Stütze des Wachstums sein", sagte
Deutschlandexperte Simon Junker. Entscheidend sei trotz einer vorübergehenden
Flaute der robuste Arbeitsmarkt. So dürften Firmen Entlassungen durch kürzere
Arbeitszeiten und den Abbau von Überstunden vermeiden, damit sie im absehbaren
Aufschwung ihr volles Personal einsetzen können.

DIW ERWARTET MODERATE INFLATION

    In mehreren Branchen könnten spürbare Lohnsteigerungen den privaten Konsum
stützen, prognostiziert das DIW. Denn in diesem und im nächsten Jahr dürfte die
Inflationsrate mit knapp zwei Prozent nicht besonders hoch sein. Der
Wirtschaftsweise Lars Feld forderte die Tarifparteien zu Erhöhungen knapp über
der Inflationsrate auf.

    Für das abgelaufene Jahr 2012 geht das DIW wegen einer schwachen zweiten
Jahreshälfte nur von 0,8 Prozent Wachstum aus. Dies ist ein klarer Dämpfer,
nachdem die Wirtschaft 2011 noch stark um 3,0 Prozent zugelegt hatte. Offizielle
BIP-Zahlen für das Vorjahr veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 15.
Januar. Am 16. Januar will die Bundesregierung ihre neue Prognose vorstellen.
Zuletzt war für 2013 von einem Korridor zwischen 0,5 und 0,7 Prozent die Rede.

LEICHTE KONJUNKTURERHOLUNG IN DER EUROZONE

    Nach momentan schwächerer Nachfrage von Nachbarn wie Frankreich und den
Niederlanden erwartet das DIW in den nächsten Monaten einen kräftigeren Anstieg
der Exporte wegen der anziehenden Weltkonjunktur.

    Wirtschaftsforscher des Münchner Ifo-Institus, des französischen Insee und
des italienischen Istat erwarten für die Eurozone bis zum Sommer eine leichte
Erholung. Nach der Rezession 2012 dürfte die reale Wirtschaftsleistung im
laufenden Quartal stagnieren und im zweiten Quartal ab April um 0,2 Prozent
zulegen, erklärten die Institute in einer gemeinsamen Prognose. Die zunehmende
Nachfrage aus den Schwellenländern und die Kompromisse im US-Haushaltsstreit
sollten der Exportindustrie etwas Auftrieb verschaffen. Die nachlassende
Unsicherheit in der Eurokrise dürfte zudem die privaten Investitionen
stabilisieren.

AUFWÄRTS IN "TRIPPELSCHRITTEN"

    Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen
(BGA), Anton Börner, sagte in Berlin zu weiteren Entwicklung in Deutschland:
"Die Unternehmen erwarten, dass es - wenn auch in Trippelschritten - 2013 weiter
aufwärts gehen wird." Konkret rechnet der BGA für 2013 im Großhandel damit, dass
die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr real um bis zu 0,5 Prozent auf 1,13
Billionen Euro steigen. Im laufenden Jahr will die Branche, die 1,9 Millionen
Menschen beschäftigt, rund 15 000 neue Jobs schaffen.

    Die Bauwirtschaft rechnet mit einem robusten Geschäft 2013. Die Umsätze im
Bauhauptgewerbe dürften nominal um zwei Prozent zulegen, teilten die
Branchenverbände mit. Damit stabilisiere sich die Baukonjunktur real auf
Vorjahresniveau. Wachstumsmotor bleibe der Wohnungsbau mit einer erwarteten
Umsatzsteigerung von 3,5 Prozent. Bei Firmengebäuden sei mit einem Plus von 1
Prozent zu rechnen, bei öffentlichen Bauten von 1,5 Prozent. Die
Beschäftigtenzahl dürfte im Jahresschnitt mit 745 000 insgesamt auf dem Niveau
von 2012 bleiben.

LEICHTER ZUWACHS DER DEUTSCHEN INDUSTRIEPRODUKTION

    Das DIW kritisierte, die schwarz-gelbe Bundesregierung habe mit Mehrausgaben
wie dem Betreuungsgeld den Kurs der Etatkonsolidierung gelockert. "Dass die
trotz Konjunkturflaute gute wirtschaftliche Ausgangslage nicht genutzt wird, ihn
zu straffen, dürfte sich noch als Fehler erweisen."

    Die deutsche Industrieproduktion verbuchte nach einem starken Rückgang im
Oktober für November einen Anstieg um 0,2 Prozent, wie aus Zahlen des
Bundeswirtschaftsministeriums von Mittwoch hervorgeht. Die Metall- und
Elektroindustrie sieht nach ihren Auftragseingängen her kein spürbares
Produktionswachstum für die ersten Monate 2013./sam/tb/rol/DP/jkr


Anzeige